Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Smartphone-Nutzung bremst kindliche Entwicklung

Übergewicht, motorische Defizite, Lernstörungen: Eine zu frühe oder unkontrollierte Nutzung elektronischer Geräte führt bei Kindern aller Altersgruppen zu „drastischen gesundheitlichen Problemen“. Hierauf weist eine Studie der Krankenkasse „pronova BKK“ hin. Am stärksten betroffen sind Kinder zwischen zehn und 13 Jahren.
Kind Smartphone nachts im Bett, blauer Lichtschein im Gesicht

Elektronik zwischen Faszinosum und Gesundheitsgefahr: Kinderärzte diagnostizieren bei vielen ihrer jungen Patienten gesundheitliche Folgen durch die Nutzung von Smartphones, Tablets oder Spielekonsolen – in allen Altersgruppen.

Smartphones, Tablets und Spielekonsolen sind faszinierende kleine Wunder – für Kinder mindestens so stark wie für Erwachsene. Nur: Kinder können mit dem Suchtpotenzial noch weniger umgehen als Erwachsene. Und was sie dort sehen, hören und erleben, dringt ziemlich ungefiltert in sie ein. „Das hat dramatische Folgen für die Gesundheit“, lautet das Fazit einer aktuellen Studie zu den Folgen von zu früher beziehungsweise unkontrollierter Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen. Die in der Studie der Krankenkasse „pronova BKK“ befragten Kinderärzte sehen bei Kindern aller Altersgruppen gesundheitliche Probleme, die sie auf die zunehmende Mediennutzung zurückführen. Der dringende Appell von Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK an Eltern, Erzieher und Lehrer: „Kinder beim Umgang mit eigenen Geräten begleiten."

Altersklasse 10 bis 13: Drei Viertel haben Gesundheitsprobleme

Gleich eine ganze Reihe von Krankheitssymptomen führen Kinderärzte auf übermäßigen Medienkonsum schon ab dem Kindesalter zurück. Dazu gehören laut der Befragung Übergewicht, soziale Auffälligkeiten, motorische Defizite und Lernentwicklungsstörungen. Am stärksten betroffen sind Kinder zwischen zehn und 13 Jahren. Drei Viertel der befragten Ärzte stellen fest, dass besonders Patienten dieser Altersklasse an der Schnittstelle zwischen Kindheit und Jugend gesundheitliche Probleme wie Übergewicht oder Lernschwierigkeiten haben. „Im Alter zwischen zehn und 13 Jahren bekommen viele Kinder ihr erstes eigenes Smartphone“, sagt pronova-BKK-Beratungsarzt Herold. „Die Folgen zeigen sich in den Kinderarztpraxen.“ Die Studie geht davon aus, dass die registrierten gesundheitlichen Probleme erst der Anfang einer Negativ-Entwicklung sind und in den kommenden Jahren weiter an Brisanz gewinnen werden.

 

Elektronik und Gesundheit: Was Ärzte registrieren

  • 79 Prozent der befragten Ärzte haben in den vergangenen fünf Jahren verstärkt soziale Auffälligkeiten bei ihren jungen Patienten festgestellt.
  • 75 Prozent gaben an, dass immer mehr Kinder zu viel wiegen.
  • 82 Prozent stellen schon heute eine soziale Isolation des Nachwuchses fest, für die sie die Mediennutzung mitverantwortlich machen.

Schon Kleinkinder leiden beim täglichen Smartphone-Kontakt

Die Schwierigkeiten beginnen aber schon viel früher und sind aus Sicht der Mediziner sogar bereits im Kleinkindalter deutlich zu erkennen: Ein Drittel der Kinderärzte diagnostiziert bei den unter Dreijährigen Defizite etwa in der motorischen Entwicklung, weil auch diese Altersgruppe schon Smartphones und Tablets in die Hände bekommt. 95 Prozent der Pädiater sind sich einig: Kinder, die in Folge der Mediennutzung beeinträchtigt sind, werden immer jünger. „Unkontrollierter Medienkonsum von Kleinkindern kann ihrer Entwicklung in vielerlei Hinsicht schaden: Diese Kinder bewegen sich meist zu wenig, sind in ihrer Sprachentwicklung gehemmt und ihre Kreativität kann sich nicht entfalten", sagt Stella Beck, Gesundheitspädagogin bei der pronova BKK. Rund zwei Drittel der Ärzte sehen auch die Gesundheit von Kindergarten- und Grundschulkindern im Alter zwischen drei und neun Jahren dadurch belastet.

Teenager verkraften Medienkonsum noch am besten

Besser als Kinder und Kleinkinder scheinen Teenager im Alter zwischen 14 und 17 Jahren die Nutzung von elektronischen Kommunikations- und Unterhaltungsgeräten wegzustecken. Aber auch für diese Altersgruppe erkennt noch rund die Hälfte der Kinderärzte gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge der Smartphone-Nutzung.

Studie: Online-Befragung von 100 niedergelassenen Kinderärzten

Die Studie „Smart Aufwachsen 2019?" wurde im Oktober 2019 im Auftrag der pronova BKK im Rahmen einer Online-Befragung durchgeführt. Bundesweit beteiligten sich rund 100 niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte. Die Auftraggeberin der Studie, die pronova BKK, ist ein Zusammenschluss der Betriebskrankenkassen von Industriekonzernen wie BASF, Bayer, Continental und Ford, aber etwa auch der Kölner Mediengruppe DuMont. Bei der in Ludwigshafen ansässigen Krankenkasse sind rund 660.000 Personen versichert. Übermäßiger Medienkonsum als Ursache für zu Verhaltens- und Konzentrationsstörungen bei Kindern: Auf dieses Problem wies bereits die offiziell in Auftrag gegebene BLIKK-Medienstudie der Rheinischen Fachhochschule Köln hin. Sie wurde 2017 von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung vorgestellt.

Foto: AdobeStock/De Visu

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Drogenbeauftragte , Kinder , Sucht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Medienkonsum und Gesundheit

04.03.2018

Immer mehr Menschen nutzen Social Media wie Whatsapp, Instagram und Co. – auch immer mehr Jugendliche und Kinder. Doch wie schädlich können die sozialen Medien sein und welches Suchtpotenzial haben sie? Dieser Frage ist die DAK in einer Studie nachgegangen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin