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Skandal um Organspende an Göttinger Uniklinik

Ein Skandal erschüttert das Universitätsklinikum Göttingen. Ein Arzt soll Krankenakten manipuliert haben, um ausgewählten Patienten zu einem Spenderorgan zu verhelfen.
Skandal um Organspende an Göttinger Uniklini

Organspende-Skandal

Ermittlungen der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK) zufolge soll der Oberarzt gezielt Laborwerte gefälscht haben, um Patienten kränker darzustellen, als sie tatsächlich waren. Dadurch rückten die Patienten auf der Warteliste der Stiftung Eurotransplant weiter nach oben. 25 Patienten der Göttinger Uniklinik sollen durch die Manipulationen eine Spenderleber erhalten haben. Bei weiteren 25 Personen, die noch auf der Warteliste stehen, sind die Ermittler auf Auffälligkeiten gestossen. Die betreffenden Patienten sind vorerst von der Warteliste gestrichen worden.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich das Universitätsklinikum Göttingen von dem Transplantationsmediziner getrennt, nachdem ein anonymer Anrufer bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) einen Hinweis auf Unregelmässigkeiten gegeben hatte. Das Klinikum hatte daraufhin eine externe Prüfungskommission eingerichtet und die Staatsanwaltschaft Braunschweig eingeschaltet. Die Motive des Arztes sind bisher unklar. Man habe bisher keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Geld an den Mediziner geflossen sei, so die Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde, Serene Stamer, am vergangenen Freitag. Auch wisse man nicht, ob noch weitere Personen an den Manipulationen beteiligt gewesen seien.

Bereitschaft zur Organspende könnte sinken

Als Konsequenz aus dem Skandal hat das Universitätsklinikum Göttingen bereits die Abläufe geändert. So darf nur noch der Transplantationsbeauftragte des Krankenhauses die Werte der Patienten in die Datenbanken eingeben. Ärzte hätten keinen Zugang mehr zu dem Rechner, so Vorstandsmitglied Sebastian Freytag. Welche juristischen Folgen der Fall haben wird, ist allerdings noch völlig unklar. In der Regel werden Verstösse gegen die Richtlinien des Transplantationsgesetzes nicht strafrechtlich verfolgt. Ob andere Patienten, die aufgrund der Manipulationen auf der Warteliste weiter nach hinten gerückt sind, auch deshalb verstorben sind, sei schwer nachzuweisen, so Axel Rahmel, Medizinischer Direktor von Eurotransplant. Es lasse sich kaum feststellen, ob ein bestimmter Patient noch rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten hätte.

Manipulationen, die erschüttern

Der Leiter der Ständigen Kommission Organtransplantation der BÄK, Professor Hans Lilie, zeigte sich erschüttert über die Manipulationen. Dies sei der schlimmste Vorfall, von dem er in der deutschen Transplantationsmedizin je gehört habe, erklärte der Strafrechtsprofessor von der Universität Halle. Man müsse sich nun Gedanken machen, so etwas in Zukunft verhindert werden könne. Beobachter fürchten auch, dass ausgerechnet jetzt, da das neue Transplantationsgesetz beschlossen wurde, das Vertrauen der Bürger erschüttert sein und ihre Bereitschaft zur Organspende sinken könnte.

Der verdächtige Oberarzt war schon früher durch Unregelmässigkeiten aufgefallen. So soll er während seiner Tätigkeit am Universitätsklinikum Regensburg eine Spenderleber nach Jordanien geschafft haben. Gegenüber Eurotransplant hatte er erklärt, die betreffende Patientin liege in Regensburg. Der Fall zog damals keine Konsequenzen nach sich. In Göttingen habe man von den Unregelmässigkeiten nichts gewusst, so der Sprecher der Uniklinik, Stefan Wellmer.

Foto: horizont21/fotolia.com

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