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13.02.2017

Sind wir wirklich übersäuert?

Eine Übersäuerung des Körpers soll schuld an allerlei Krankheiten sein. Zum Beispiel Schmerzen oder Gicht. Doch viele Schulmediziner bestreiten das und halten Übersäuerung für einen Mythos.
Übersäuerung ist in aller Munde. Doch Schulmediziner glauben an die Selbstregulierungskräfte des Körpers

Übersäuerung ist in aller Munde. Doch Schulmediziner glauben an die Selbstregulierungskräfte des Körpers

Zahlreiche Theorien basieren auf der Annahme, dass es bei Stress, Schlafmangel und schlechter Ernährung zu einer Übersäuerung des Körpers kommt. Zum Beispiel die Trennkost, die von Übersäuerung ausgeht, weil es im Darm zu Vergärungsprozessen kommt und dabei Säure entsteht. Übersäuerung bedeutet, dass das Basen-Säure-Verhältnis, also der ph-Wert, aus dem Gleichgewicht ist – zu ungunsten der (guten) Basen und zugunsten der (schlechten) Säuren. Verfechter der Übersäuerungs-Theorie nehmen an, dass dadurch Stoffwechselvorgänge gestört werden und es zu Symptomen wie Müdigkeit, Übelkeit oder Kopfschmerzen kann. Auch chronische Schmerzen, Gicht und Nierenerkrankungen sollen Folgen einer Übersäuerung sein.

Körper gleicht Übersäuerung rasch wieder aus

Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Zentrum für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam hält wenig von diesen Theorien. Ein gesunder Mensch leide nicht an Übersäuerung, sagt er. Wenn viel Fett verbrannt werde, entstünde zwar viel Säure, jedoch könne der Körper eine solche Übersäuerung sehr schnell korrigieren. Der PH-Wert werde bis auf ein Zehntel genau eingestellt und zwar so schnell, dass die kurzfristige Entgleisung gar nicht gemessen werden könne. Überhaupt seien derartige Messungen bisher kaum gemacht worden. Übersäuerung sei darum ein Mythos.

„Unser Körper sorgt dafür, dass wir eine 98-prozentige Sauerstoffsättigung haben“, sagt Pfeiffer. Bei manchen Krankheiten sei zwar die Sauerstoffsättigung niedriger, zum Beispiel bei chronischen Lungenerkrankungen. „Aber ein gesunder Mensch ist nicht hypoxisch, hat also keinen Sauerstoffmangel“, so Pfeiffer.

Laut dem Ernährungswissenschaftler hat ein gesunder Mensch etwa 20-mal so viele freie Basenmoleküle im Körper wie freie Säuremoleküle und damit einen gewaltigen Puffer, der ihn vor einer Übersäuerung schützt. Darum sieht er auch keinen Grund für eine Ernährungsumstellung mit mehr basischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. „Basische Lebensmittel können den Körper auch nicht basischer machen“, so der Experte. Das Problem sei einfach, dass wir zu viel essen und dass ungesundes Essen den Stoffwechsel belaste. Mit Säure habe das nichts zu tun.

 

Nur Obst und Gemüse gelten als basisch

Der Säure-Basen-Ratgeber im Internet geht jedoch vom Gegenteil aus. Eiweißreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Milchprodukte, aber auch Brot und Backwaren belasten danach den Säure-Basen-Haushalt negativ. Da praktisch alle Lebensmittel – außer Obst und Gemüse – einen Säureüberschuss enthielten, könnten auch Vegetarier von einer Übersäuerung betroffen sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung räumt zwar ein, dass Getreide- und Milchprodukte als „säureüberschüssig“ gelten. Eine Übersäuerung sei jedoch bei Gesunden nicht zu befürchten. „Verschiedene Puffersysteme unseres Körpers regulieren die Säure-Basen-Konzentration im Blut und halten sie konstant“, teilt die Fachgesellschaft mit. Zusätzliche „basenfördernde“ Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, sei unnötig.

Foto: © Drobot Dean - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Berlin
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