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Sind Fruchtsaft-Shots wirklich gesundheitswirksam?

Mittwoch, 2. Februar 2022 – Autor:
Glaubt man den Etiketten auf den kleinen Fläschchen, dann stärken Fruchtsaft-Shots das Immunsystem, wirken antioxidativ, lindern Magenschmerzen, Erkältungen oder Asthma. Manche machen angeblich sogar schön. Verbraucherschützer sprechen dagegen von „teuren Mogelpackungen ohne nachweisbaren gesundheitlichen Mehrwert“. Oft ist versteckter Zucker enthalten – und häufig vor allem ganz gewöhnlicher Apfelsaft.
Fruchtsaft-Shots-Fläschchen mit Orangen, Zitronen und Ingwerstücken.

Fruchtsaft-Shots: Hersteller verkaufen sie als Booster für Immunsystem und Gesundheit. Verbraucherschützer sprechen von überteuertem, oft überzuckertem Fruchtsaft, der völlig überschätzt werde. – Foto: AdobeStock/fortyforks

Vitamin-C-Shot, Immu-Boost oder gleich Super-Shot: Die kleinen Fläschchen im Kühlregal von Bio- oder Supermärkten kombinieren exotisch klingende Früchte und angebliches Superfood wie Ingwer oder Kurkuma und vermitteln dem Konsumenten das Gefühl: Wenn ich da zugreife, tue ich meiner Gesundheit rundherum Gutes. Aber stimmt das so?

Test: Ein Bio-Ingwer-Shot besteht zu 78 Prozent aus Apfelsaft

Eine Stichprobe des rbb-Verbrauchermagazins „Super.Markt“ legt nahe: Fruchtsaft-Shots halten das Werbeversprechen eines gesundheitlichen Mehrwerts nicht.  Ein Beispiel: ein Shot des Saft-Marktführers „Hohes C“. Dem Magazin zufolge verheißt das Etikett ein Produkt aus so aufregenden Inhaltsstoffen wie Orange, Mango, Kurkuma und Ingwer auf dem Etikett. Nur: Die Hauptzutat ist mit einem Anteil von 51 Prozent nichts als ganz banaler Apfelsaft. Ein weiteres Produkt der Super.Markt-Stichprobe, der Bio-Ingwer-Shot der Marke „Für" besteht sogar aus 78 Prozent Apfelsaft.

 

Fruchtsaft-Shot: Mehr Zucker als in einer Cola

Als problematisch werten Verbraucherschützer auch den Zuckergehalt der vorgeblich gesunden Drinks. Der enthaltene Zucker ist zwar kein Industriezucker und natürlichen Ursprungs – aber er ist und bleibt Zucker. Der Ingwer-Shot der Marke „True Fruits" aus der Super.Markt-Stichprobe enthielt zum Beispiel neben 41 Prozent Apfelsaft auch 8 Prozent Agaven-Dicksaft. Verbraucherschützerin Britta Schautz  kommentierte dies in der Sendung so: „Agaven-Dicksaft ist nur eine andere Form von Zucker. Und der wirkt im Körper fast zu 100 Prozent wie der ganz normale herkömmliche Zucker. Wir haben hier in einem Shot 13 Gramm Zucker. Das sind mehr als vier Stück Würfelzucker und damit sogar mehr als in einer Cola."

Kleine Fläschchen – großer Preis: Bis zu 49 Euro pro Liter

Doch Früchte-Shots sind nicht nur deshalb ungünstig für den Verbraucher, weil sie viel Zucker enthalten und damit potenziell die Fettspeicher im Körper füllen – sie leeren auch den Geldbeutel. Dem rbb-Verbrauchermagazin zufolge bewegen sich die Preise pro 100 Milliliter Getränk in einem Korridor zwischen 54 Cent und 4,98 Euro – auf den Liter hochgerechnet schlimmstenfalls fast 50 Euro. „Man erkennt hier ganz genau, die Hersteller machen Geschäfte mit der Gesundheit“, sagte Ernährungswissenschaftlerin Britta Schautz in der rbb-Verbrauchersendung. „Verbraucherinnen und Verbraucher haben immer Angst, dass sie sich nicht gut ernähren, dass sie krank werden können. Gerade in Zeiten von Corona denken sie, okay damit fördere ich meine Gesundheit, und sind dann bereit, mehr Geld dafür auszugeben."

Ganz legal: Hersteller dürfen mit attraktiven Zutaten werben – auch wenn sie kaum enthalten sind

Die Diskrepanz zwischen dem, was der Marketing-Text auf der Verpackung vorgaukelt und dem, was in der Verpackung wirklich drin ist, stellt dabei nicht einmal einen Rechtsverstoß da. Laut Gesetz dürfen die Hersteller das. Nur: „Niemand würde ein Produkt kaufen, das sagt, okay, ihr bekommt hier einen Apfelsaft mit ein bisschen exotischen Zutaten“, sagt Verbraucherschützerin Schautz. „Hier fühlen sie sich wirklich oft getäuscht.“

Das Problem sei, das keine klaren Vorgaben dafür existierten, wie viel von den werbewirksamen Zutaten auf dem  Etikett tatsächlich im Endprodukt enthalten sein müssten. Der Hersteller Eckes-Granini etwa nahm für sein Produkt – den Ingwer-Shot mit 51 Prozent Apfelsaft – wie folgt Stellung: „Die Zutaten 'Orange, Mango, Kurkuma-Extrakt, Madagaskar-Ingwer' beschreiben die dominante Geschmacksrichtung und stehen deshalb vorne auf dem Etikett."

Fruchtsaft-Shots: Gesundheitswirkung „vollkommen überschätzt“

Zum vermeintlichen Nutzen für Immunabwehr und die Allgemeingesundheit der geprüften Fruchtsaft-Shots hat die Verbraucherzentrale eine klare Meinung: „Das ist ein überteuerter Fruchtsaft, der kann sogar noch überzuckert sein und er wird vollkommen überschätzt. Denn er macht mich nicht von alleine fit, stark, schön und gesund."

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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