. Gewalt gegen Frauen

Sexualisierte Gewalt nicht tabuisieren

8.000 Fälle von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung werden jedes Jahr in Deutschland angezeigt, die Dunkelziffer liegt aber weit höher. Vor allem Flüchtlinge sind häufig betroffen. Eine Hilforganisation bietet nun Schulungen für Ärzte im Umgang mit Betroffenen an.
Sexuelle Gewalt nicht tabuisieren

Gewalt gegen Frauen: Das Wegschauen soll beendet werden

Nicht erst seit der Silvesternacht wird über den Umgang mit sexualisierter Gewalt diskutiert. Schätzungen zufolge sind alleine in Deutschland jedes Jahr zigtausende Frauen von dieser Form der Gewalt betroffen. Hinzu kommen Frauen und Mädchen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind und dort besonders oft Gewalt in sexueller Form erlebt haben. Denn häufig werden Frauen in kriegerischen Auseinandersetzungen vergewaltigt und als „natürliche“ Kriegsbeute von Männern betrachtet. Die Betroffenen sind danach schwer traumatisiert und werden, wenn sie in ihrer Heimat bleiben, oft ausgegrenzt. Die medizinische Hilfs- und Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale, die ihren Sitz in Köln hat, will Frauen und Mädchen aus Kriegs- und Krisengebieten helfen und Ärzte und Sozialbetreuer im Umgang mit traumatisierten Frauen aufklären.

Ärzte im Umgang mit sexualisierter Gewalt besser schulen

Geplant ist, zunächst Fachkräfte mit traumatherapeutischen Ausbildungen zu Trainerinnen auszubilden. Sie sollen anschließend den trauma-sensiblen Ansatz an Ärzte, Psychologen, Flüchtlingsbetreuer und Ehrenamtliche weiter vermitteln. In einem zweiten Schritt werden Multiplikatoren angesprochen, die im Gesundheitswesen oder in Kommunalverwaltungen in der Flüchtlingshilfe tätig sind

Medica Mondiale ist eine internationale Nicht-Regierungsorganisation, die sich weltweit für Frauen und Mädchen in Krisengebieten einsetzt. Die Hilfsorganisation bietet Betroffenen, die Vergewaltigung und Folter erlebt haben, medizinische, psychologische und rechtliche Unterstützung sowie Programme zur Förderung der Selbständigkeit, und das sowohl mit eigenen Projekten als auch in Zusammenarbeit mit kompetenten Frauenorganisationen in den Krisengebieten vor Ort.

Das Wegschauen beenden

Medica Mondiale setzt sich auch politisch für die Rechte von Frauen ein und macht öffentlich auf die Verbrechen und die zerstörerischen Folgen für Frauen und Gesellschaften aufmerksam. Mit dem neuen Fortbildungsangebot reagiert die Organisation auf die gestiegenen Nachfragen, die das Kölner Büro seit Sommer 2015 erreichen. Dr. Monika Hauser, Gründerin von Medica Mondiale, ruft dazu auf, sexualisierte Gewalt nicht weiter zu tabuisieren. „Die Wegschaukultur muss ein Ende haben“, sagte sie der Ärzte Zeitung. Hauser betonte, dass es nicht nur um die Vorfälle in der Silvesternacht gehe, sondern darum, den Umgang mit sexualisierter Gewalt zu ändern.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Gewalt

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Viele Menschen glauben, es gebe sie in Deutschland nicht mehr: Bettwanzen. Doch die Plagegeister sind wieder auf dem Vormarsch, auch hierzulande. Ihre Bisse sind sehr unangenehm und verursachen quälenden Juckreiz.
Die Geburtskliniken in Deutschland leisten nach Wahrnehmung der Frauen, die dort entbunden haben, insgesamt gute Arbeit. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken. Deshalb sollten werdende Eltern bei ihrer Klinikwahl gezielt vergleichen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.