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27.12.2017

Sepsis-Experten senken Sterberate – doch sie sind nicht Standard

Kommen ältere Patienten mit einer Blutvergiftung auf die Intensivstation, kann ein zusätzliches Sepsis-Team die Sterberate senken. Doch diese Ausstattung ist hierzulande nicht Standard.
Sepsis

Die Zahl der Sepsis-Fälle könnte zunehmen. Doch es fehlen Experten für die Behandlung der lebensbedrohlichen Erkrankung

Patienten mit schweren Infektionen profitieren davon, wenn sie bereits früh von spezialisierten Fachärzten mitbehandelt werden. Das bestätigt eine aktuelle Studie italienischer Wissenschaftler. Die Sterblichkeit älterer Patienten mit einer Blutvergiftung war danach deutlich niedriger, wenn die Ärzte der Intensivstation von einem so genannten Sepsis-Team unterstützt wurden.

Die Studie, die im Fachblatt Clinical Infectious Diseases erschien, basiert auf den Daten von 382 Patienten, die mit schwerer Sepsis oder septischem Schock auf die Intensivstation kamen. Rund die Hälfte der Patienten wurde eingeliefert, bevor ein infektiologisch spezialisiertes Team auf der Station tätig war. Die andere Hälfte der Patienten wurde mit Unterstützung eines solchen Teams behandelt.

Infektiologische Standards wurden häufiger eingehalten

Durch das rasche Hinzuziehen der Spezialisten – sie waren  binnen einer Stunde nach Einlieferung am Krankenbett – reduzierte sich der Anteil der Patienten, die innerhalb der ersten 14 Tage verstarben, von 39 auf 29 Prozent. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Infektiologische Standards wie das Anlegen einer Blutkultur um geeignete Antibiotika zu identifizieren, die Messung der Laktatwerte im Blut und eine rasche Flüssigkeitstherapie waren unter Aufsicht der Infektiologen deutlich häufiger eingehalten worden, zeigte die Studie.

 

Sepsis-Experten senken Sterberate

Bereits 2016 hatten Wissenschaftler einer Reihe internationaler Studien gesichtet und deren Ergebnisse zusammengefasst: Hier zeigte sich, dass bei einer durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelösten Blutstrominfektion die Behandlung durch einen Sepsis-Experten die Sterberate der Patienten um fast die Hälfte senken konnte.

Drei Aspekte waren nach Aussage dieser Übersichtsarbeit für die Behandlungsergebnisse entscheidend: Dass ein ausgewiesener Infektiologe zu Rate gezogen wurde, dass dies früh geschah und dass sich dieser persönlich am Krankenbett ein Bild machte.

Zahl von besonders gefährdeten Patienten nimmt zu

Doch nach wie vor sind Spezialisten für Infektionskrankheiten im deutschen Gesundheitssystem nicht regelhaft vorgesehen. In den meisten Kliniken sind keine Stellen für Infektiologen eingeplant. Gerade an kleinen Krankenhäusern stehen oft nicht einmal infektiologische Konsiliardienste zur Verfügung.

Während in Ländern wie Schweden oder den USA auf eine Millionen Einwohner mehr als 20 auf Infektiologie spezialisierte Fachärzte kommen, sind es in Deutschland nur rund sieben. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch multiresistente Keime und der zunehmenden Zahl von besonders gefährdeten älteren und immunsupprimierten Patienten sei dieser Zustand nicht länger hinnehmbar, so die Experten der DGI.

Facharzt für Infektiologie und Inneres gefordert

Seit 2016 fördert das Bundesgesundheitsministerium Weiterbildungen, mit denen Ärzte die Zusatzbezeichnung „Infektiologe“ erwerben können. „Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, der jedoch nicht ausreichen wird, um die Versorgungssituation in der Infektionsmedizin langfristig zu sichern“, sagt Prof. Gerd Fätkenheuer, Präsident der DGI und Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln. 

Die DGI setzt sich für die Schaffung eines eigenen Facharztes „Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie“ ein. Sie wird darin von allen infektionsmedizinischen Fachgesellschaften und von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die sämtliche internistische Schwerpunkte unter sich vereint, unterstützt.

Foto: zerbor/fotolia.com

Autor: bab
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