. Blasenentzündung

Senföle: Antibiotika-Alternative aus der Natur

Senföle gelten als antibakteriell und entzündungshemmend und sind in der Lage, Krankheitserreger gleich auf mehreren Ebenen anzugreifen. Weil sie in ihrer Wirkung, nicht aber bei den Risiken Antibiotika gleichkommen, eignen sie sich bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen als Behandlungsalternative.
Meerrettichwurzel + Kapuzinerkresse (rote Blüten, grüne Blätter)

Scharfer Stoff: Senföle aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse bekämpfen natürlich, aber trickreich bakterielle Erreger. Bei unkomplizierten Harnwegs-Infektionen wie Blasenentzündungen können sie eine pflanzliche Alternative zu Antibiotika sein.

Druckschmerzen im Unterleib, häufiger Harndrang mit geringen Urinportionen, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, Blasenkrämpfe: Dies sind typische Symptome einer Blasenentzündung. Von dieser meist harmlosen, aber sehr unangenehmen Infektionskrankheit sind vor allem Frauen betroffen. Die Erreger der Krankheit, die Kolibakterien gelangen meist aus der nahe gelegenen Analregion in den Intimbereich. Weil die Harnröhre der Frau kürzer ist, können die Erreger schneller in die Blase hinaufwandern als beim Mann und die schmerzhafte Entzündung auslösen. Die Blasenentzündung ist deshalb eine sehr häufig auftretende Infektionskrankheit. Mehr als die Hälfte aller Frauen bekommt mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Bei fünf bis zehn Prozent der Frauen treten Blasenentzündungen wiederholt auf.

Standardtherapie bei einer unkomplizierten Blasenentzündung ist die Verordnung von Antibiotika, die die Bakterien abtöten. Eine wachsende Anzahl Verbraucher steht Antibiotika mittlerweile skeptisch gegenüber. Aufgrund der zunehmenden Resistenzproblematik bei Antibiotika geraten im Zuge dessen antibakteriell wirksame Pflanzen immer stärker in den Fokus der Medizin.

Jede dritte Frau will bei Blasenentzündung Antibiotika vermeiden

„Mit antibakteriellen und entzündungshemmenden Pflanzenstoffen wie den Senfölen aus Kapuzinerkresse und Meerrettich können unkomplizierte Blasenentzündungen behandelt werden, ohne häufige Nachteile der Antibiotika wie Resistenzen und Nebenwirkungen wie Durchfall oder Pilzinfektionen in Kauf nehmen zu müssen“, heißt es dazu in einer Information der der CGC Cramer Gesundheits-Consulting GmbH, Eschborn. „Jede dritte Frau möchte einer Studie zufolge bei einer unkomplizierten Blasenentzündung gerne auf ein Antibiotikum verzichten.“

Aufgrund der zunehmenden Antibiotika-Resistenzen empfiehlt inzwischen auch die offizielle, von Fachgesellschaften und Ärztekammern herausgegebene Behandlungsleitlinie „unkomplizierten Harnwegs-Infektionen“, neue Behandlungsstrategien ohne Antibiotika einzusetzen. Demnach eignen sich bei Blasenentzündungen auch pflanzliche Arzneimittel, bei denen eine vergleichbare antibiotische Wirkung zur Standardtherapie gezeigt werden konnte. Eine Besonderheit daran: Wegen der Vielschichtigkeit ihrer Wirkung wird es Bakterien deutlich erschwert, Resistenzmechanismen zu entwickeln.

 

Rückfallquote deutlich geringer als bei Antibiotika-Gabe

Untersuchungen belegen die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Pflanzenkombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich in der Therapie akuter Blasenentzündungen im Vergleich zu verschiedenen Antibiotika. Eine andere Studie ergab außerdem, dass diese Pflanzenarznei die Rückfallquote bei Blasenentzündungen signifikant verringern kann. Die Rückfallquote ist eine der großen Unsicherheiten in der konventionellen Behandlung.

Antibiotika bei Blasenentzündung: Standard mit Unsicherheiten

Grundsätzlich gilt die Antibiotika-Therapie bei unkomplizierten Blasenentzündungen als Standardmethode. Eine Garantie auf Heilung gibt es auch bei Antibiotika nicht. Die Wahl der Variante ist ein Balanceakt zwischen Heileffekt und Nebenwirkungen. In einer Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden die Therapievarianten so beschrieben: Eine Einmal-Gabe die Beschwerden schnell abklingen, allerdings ist hier die Rückfallquote auch höher. Eine Gabe über fünf Tage hilft meist nicht besser, kann aber zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Problemen führen. Der goldene Mittelweg der dreitägigen Therapie zur Vermeidung von Nebenwirkungen wiederum kann aber ebenfalls zu Rückfällen führen.

Senföle: Universalwirkstoff gegen Blasenentzündung

Senföle besitzen verschiedenen Qualitäten, die sie in die Lage versetzen, den Antibiotika Konkurrenz zu machen. So hemmen sie das bakterielle Kommunikationssystem Quorum Sensing (QS) und damit die Bildung von Biofilmen, die häufig für wiederkehrende Infekte und Resistenzentwicklungen verantwortlich gemacht werden. Biofilme sind spezielle Schleimschichten, die manche Bakterien ausbilden, um sich darin vor Antibiotika zu schützen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass die Senföle auch das Eindringen von Escherichia-coli-Bakterien, dem Hauptauslöser von Blasenentzündungen, in die Zellen der Blaseninnenwand hemmen. „Das spricht für den Einsatz der scharfen Pflanzenstoffe bei ständig wiederkehrenden Blasenentzündungen“, heiß es in der CGC-Information weiter. „Denn es wird vermutet, dass die Rückfälle durch eine Bakterienbesiedlung der Zellen in der Blaseninnenwand hervorgerufen werden.“

Blasenentzündung: Warum es vor allem Frauen trifft

Betroffen von der Blasenentzündungen können Frauen jedes Alters sein: Sexuell besonders aktive Frauen, weil der nahe an der Scheidenöffnung gelegene Ausgang der Harnröhre beim Sex mechanisch gereizt wird. Junge Frauen, die die Pille nehmen: Hormonelle Verhütungsmittel mit geringem Östrogengehalt können die Blasenschleimhaut austrocknen lassen, Bakterien können sich leichter ansiedeln. Und schließlich Frauen in oder nach den Wechseljahren, bei denen sich die schützende Dichtungshaut der Harnröhre altersbedingt zurückbildet. Fieber tritt bei einer Blasenentzündung nicht auf. Fieber in Verbindung mit den obigen Symptomen weist immer auf die Beteiligung entweder der Nieren oder – beim Mann – der Prostata hin.

Foto: obs/CGC Cramer-Gesundheits-Consulting GmbH/© Thomas Weidner

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Hauptkategorie: Medizin
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