. Laborstudien

Senföl keine Resistenzmechanismen wie Antibiotika

Antibiotikaresistenzen sind eine weltweite Bedrohung. Umso wichtiger werden alternative Wirkstoffe. Zum Beispiel Senföl. Bisher konnten keine Resistenzentwicklungen bei dem antibakteriellen Naturstoff beobachtet werden.
Senföl, multiresistente Keime

Senföl aus Kapuzinerkresse und Meerrettich vernichtet den Biofilm von gefährlichen Keimen

Schon lange sind die antimikrobiellen Eigenschaften von Senföl aus Kapuzinerkresse und Meerrettich bekannt, die mitunter bei Harn- und Atemwege eingesetzt werden. Doch hinsichtlich ihres Wirkspektrums und potenziellen Mutationen bestand bislang noch viel Unklarheit. Mehr Transparenz scheint angesichts der Suche nach alternativen zu Antibiotika dringend geboten.

Eine Laborstudie des Universitätsklinikums Heidelberg hat nun gezeigt, dass Senföle auch gegen gefürchtete multiresistente Krankenhauskeime wie Pseudomonas aeruginosa wirksam sind. Zum einen verhindert der Naturstoff aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Produktion von Biofilmen, die die Keime als Schutzschild nutzen. Und sie hemmen dazu noch die Aktivität innerhalb bestehender Biofilme. "Die Senföle stellen aufgrund ihrer ausgeprägten keimhemmenden Wirkung gegen zahlreiche, teils mehrfachresistente Bakterien sowie ihrer Fähigkeit, die Biofilmformation zu stören, eine vielversprechende natürliche Substanzgruppe dar", wird Studienleiter Prof. Frank Günther, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Marburg, in einer Mitteilung zitiert. Die Pflanzenstoffe könnten bei akuten unkomplizierten Infektionen der Atem- und Harnwege eine sinnvolle Therapieoption sein, um der wachsenden Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken, so der Infektionsforscher weiter.

Meta-Anlayse findet keine Resistenzmechanismen

Zuvor hatte sich eine Metaanalyse von mehr als einhundert aktuelle und ältere Studien mit den antibakteriellen Eigenschaften des Senföls befasst und kam zu ähnlichen Ergebnissen. Mehrere der in der Metastudie analysierten Forschungsarbeiten evaluierten die ITC-Resistenzmechanismen. In einer dieser Studien wurden Allylisothiocyanat (AITC) sowie weitere antibiotisch wirksame Pflanzenstoffe wie Carvacrol oder Zimtaldehyd hinsichtlich ihrer antibakteriellen Wirkung auf klinisch relevante Bakterienspezies untersucht, darunter auch Erreger von Infektionen der Harn- und Atemwege, wie E. Coli und Pseudomonas aeruginosa.

P. aeruginosa, ein Bakterium mit hoher natürlicher Antibiotikaresistenz, ist einer der häufigsten Erreger von nosokomialen Infektionen, wie zum Beispiel Katheterassoziierten Infektionen der Harnwege oder nosokomialen Pneumonien. In Laboruntersuchungen zeigten die ITC aus Kapuzinerkresse und Meerrettich selbst gegen Antibiotikaresistente Spezies dieser und weiterer Keime eine ausgeprägte bakteriostatische und bakterizide Wirkung. Pseudomonas aeruginosa schützt sich durch die Produktion von Biofilmen vor Antibiotika. Diese Bildung lässt sich durch die Unterbrechung des bakteriellen Kommunikationssystems Quorum sensing (QS) verhindern. Die Ergebnisse einer portugiesischen Studie belegen, dass die Senföle aus Kapuzinerkresse und in Meerrettich das QS-System hemmen können.

 

Substanzgruppe mit Potenzial

Die in der Metaanalyse bewertete Studie erbrachte den Nachweis, dass das unter anderem in Meerrettich enthaltene AITC neben Zimtaldehyd die größten inhibitorischen Effekte auf alle getesteten Bakterienspezies bewirkte. Die Forscher stellten weiterhin fest, dass AIT keine genotoxische Wirkung besitzt. Für antibakterielle Präparate ist es von Vorteil, wenn die entsprechenden aktiven Substanzen keine genschädigenden Effekte verursachen. Auf diese Weise werden die Toxizität gegenüber mehrzelligen Organismen sowie die Möglichkeit der Resistenzentwicklung bei Bakterien minimiert. Die Forscher schließen aus ihren Beobachtungen, dass Resistenzentwicklungen gegen AITC nicht zu erwarten sind und bescheinigen dieser Substanzgruppe ein großes Potenzial im Kampf gegen multiresistente Erreger.

Krankenhausinfektionen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Intensivpatienten und Frühgeborenen. Nach aktuellen Schätzungen infizieren sich jährlich bundesweit bis zu einer Million Menschen mit solchen Erregern.

Autor: gbs
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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