. Infektionskrankheiten

Seltene Infektionskrankheiten bei Flüchtlingen erkennen

Unter den Flüchtlingen können im Einzelfall seltene, aber rasch behandlungsbedürftige Infektionskrankheiten auftreten. Um das medizinische Personal dafür zu sensibilisieren, hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine Übersicht der möglichen Erkrankungen herausgegeben.
RKI informiert über mögliche, hierzulande seltene Infektionskrankheiten bei Flüchtlingen

Flüchtlinge könnten an seltenen Infektionskrankheiten leiden

Ausgehend von einzelnen Fällen sei eine Ausbreitung in die Allgemeinbevölkerung sehr unwahrscheinlich. Einzelne Übertragungen sind bei engem Kontakt aber zum Teil möglich, heißt es im Epidemiologischen Bulletin 2015/38.

All diese Erkrankungen beginnen mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen, weshalb sie vor allem in frühen Stadien was die Beschwerden betrifft nicht von anderen banaleren Krankheiten

Seltene Infektionskrankheiten bei Flüchtlingen

Dazu zählen Malaria, Läuserückfallfieber, Fleckfieber, Typhus, Amöbenleberabzess, Viszerale Leishmaniose, Lassafieber, Krim-Kongo-Fieber, Meningitis, Leptospirose, Tetanus, Tuberkulöse Meningitis und andere bakterielle Meningitiden.

Bei der Herkunft aus einem oder der Durchreise durch ein Malaria-Gebiet ist bei Patienten mit Fieber ohne andere ermittelbare Ursache die Diagnose Malaria am wahrscheinlichsten. Beim Verdacht sollte ein „dicker Tropfen“ und ein Blutausstrich angestrebt werden.

 

Flüchtlinge können an Magen- und Atemwegserkrankungen leiden

Generell ist bei Flüchtlingen mit Magen-Darm-Erkrankungen zu rechnen, bedingt durch Trinkwasser und Lebensmittel aus unsicheren Quellen sowie mit Atemwegserkrankungen bedingt durch Unterkühlung und dicht gedrängten Reise- oder Lebensbedingungen.

Auch ist mit Fällen von parasitären Erkrankungen wie Krätze und die Besiedlung mit Kleiderläusen aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse zu rechnen.

Flüchtlinge leiden auch an grippalen Infekten oder Kinderkrankheiten

Häufig leiden die Flüchtlinge aber auch unter den gleichen Infektionen wie die ansässige Bevölkerung (zum Beispiel grippaler Infekt). Sie haben bei einem durch die Flucht oftmals reduzierten Allgemeinzustand und Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen ein erhöhtes Ansteckungs-Risiko.

Des Weiteren besteht oft kein ausreichender Schutz gegen Erkrankungen, gegen die in Deutschland ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist oder Antikörper aufweist wie zum Beispiel Masern.

Tuberkulose ist in vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge häufiger als in Deutschland. Eine Flucht birgt weitere Infektionsrisiken und Belastungen. Das begünstigt die Reaktivierung einer latenten tuberkulösen Infektion.

Flüchtlinge: Akut behandlungsbedürftige Infektion abklären

Um zu klären, ob es sich bei einer Erkrankung um eine der akut behandlungsbedürftigen Infektionen handelt, sollte das von einer infektologischen Praxis oder Klinik unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände (Inkubationszeit, Herkunftsland, Fluchtroute, Fluchtumstände) untersucht werden.

Die Tabelle führt auch das Vorkommen der hier seltenen Infektionen in den Herkunftsgebieten auf - das sind aktuell vor allem Syrien, verschiedene Staaten auf dem westlichen Balkan, Irak, Afghanistan, Eritrea, Nigeria, Pakistan, die Russische Föderation und Georgien.

Foto: StockWerk

Hauptkategorie: Medizin
 

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