. Fall-Kohorten-Studie

Selen senkt offenbar Krebsrisiko

Wer viel Selen mit der Nahrung aufnimmt, erkrankt seltener an Leberkrebs. Umgekehrt steigt das Erkrankungsrisiko bei einem Mangel des Spurenelements. Das haben Wissenschaftler der Charité in einer Langzeitstudie herausgefunden.
Neue Studie der Charité untermauert den Einfluss von Selen auf die Krebsentstehung

Neue Studie der Charité untermauert den Einfluss von Selen auf die Krebsentstehung

Selen steckt vor allem in Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch, Milch, Eiern und Paranüssen, aber auch Broccoli. Pilze und Hülsenfrüchte sind reich davon. Das Spurenelement gilt als äußerst gesund. Viele Europäer leiden jedoch an einem Selenmangel. Der Grund: Selen gelangt über den Boden und die Pflanzen in die Nahrung. Europäische Böden sind jedoch eher weniger mit dem Stoff gesegnet. Folglich enthalten die hiesigen Lebensmittel auch weniger Selen als etwa Fisch, Fleisch und Gemüse aus den USA.

Selenmangel begünstigt Leberkrebs

Wie wichtig Selen für den Körper ist, haben nun Wissenschaftler der Charité in Zusammenarbeit mit der International Agency for Research on Cancer herausgefunden. Aus einer Kohorte von 477.000 Probanden wurden diejenigen identifiziert, die in den folgenden zehn Jahren ein hepatozelluläres Karzinom, also Leberkrebs, bekamen. In der Studie hatten die Wissenschaftler Blutproben auf ihren Selenstatus hin analysiert, und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Probanden noch gesund waren.

Nach den nun vorliegenden Auswertungen beeinflusst die Selenversorgung tatsächlich das Krebsrisiko. „Wir konnten nachweisen, dass ein Mangel an Selen einen starken Risikofaktor für Leberkrebs darstellt“, sagt Prof. Dr. Lutz Schomburg vom Institut für Experimentelle Endokrinologie. „Das Drittel der Bevölkerung mit dem stärksten Selenmangel hat unseren Daten entsprechend ein fünf- bis zehnfach höheres Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom.“

 

Wirkung von Nahrungsergänzung unklar

Die Frage, ob die Substitution von Selen sinnvoll sein kann, kann Experte Schomburg so nicht beantworten. Das zeige die Studie nicht direkt. „Allerdings untermauert sie erneut die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung, in der das Spurenelement Selen nicht fehlen darf“, sagt Schomburg. Vorangegangene Studien hätten bereits ähnliche Zusammenhänge von Selenstatus und Darmkrebsrisiko oder der Wahrscheinlichkeit von Schilddrüsenerkrankungen nahe gelegt.

Selen ist unter anderem Bestandteil von antioxidativ wirkenden Enzymen und schützt damit den Organismus vor Zellschädigungen durch Radikale. In der Tierhaltung wird Selen bereits dem Futter beigemischt. Die Nahrungsergänzung soll den Selenmangel der heimischen Böden kompensieren.

Foto: © alexlmx - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Berlin
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