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Selbstwertgefühl ist im Osten Deutschlands höher

Bei Deutschen, die im Westen aufwuchsen, ist Narzissmus eher verbreitet. Bei Menschen, die im Osten sozialisiert wurden, ist hingegen das Selbstwertgefühl höher.
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Beim Selbstwertgefühl gibt es Unterschiede zwischen im Westen und im Osten sozialisierten Deutschen

Bei Menschen, die in den alten Bundesländern aufwuchsen, ist Narzissmus eher verbreitet als bei Menschen, die in den neuen Ländern sozialisiert wurden. Zugleich ist ihr Selbstwertgefühl geringer. Das zeigt zumindest eine Studie von Wissenschaftlern der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Sie wurde in der Fachzeitschrift Plos One veröffentlicht.

Während zwischen 1949 und 1989/90 der Westen Deutschlands von einer eher individualistischen Kultur bestimmt war, bestand im Osten Deutschlands eine eher kollektivistisches Gesellschaftssystem. Diese soziokulturellen Einflüsse finden anscheinend ihren Niederschlag im Selbstwertgefühl und in der Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals Narzissmus.

Selbstwertgefühl im Osten Deutschlands höher

Für ihre Untersuchung haben die Forscher Daten aus einer anonymen Internet-Umfrage ausgewertet. Mehr als 1.000 Personen beantworteten einen Fragenkatalog, wobei knapp 350 von ihnen in der ehemaligen DDR geboren waren und etwa 680 Studienteilnehmer in der alten Bundesrepublik aufgewachsen sind.

Unterschieden wurde bei der Auswertung in subklinischen, unterschwelligen Narzissmus, der zur Persönlichkeit gehört und oft als gesunder Narzissmus bezeichnet wird. Daneben gibt es die pathologische Selbstüberschätzung, die über das gesunde Maß hinausgeht. Die fand sich eher im Westen Deutschlands. Das Selbstwertgefühl wiederum war im Osten des Landes höher ausgeprägt, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Das passt zusammen, denn unterschwelligem wie auch krankhaftem Narzissmus liegt in der Regel ein geringes Selbstwertgefühl zugrunde.

In der jungen Generation gibt es keinen Unterschied mehr

Zugleich machten die Wissenschaftler einen klaren Alterskohorten-Effekt aus: „Keinen Unterschied sehen wir in der jungen Generation, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls noch nicht geboren oder noch nicht in der Schule war und somit unter gleichen, westlichen Bedingungen aufgewachsen ist. Hier sind Narzissmus und Selbstwert in Ost und West gleich ausgeprägt“, konstatiert Studien-Autorin Dr. Aline Vater.

Der deutlichste Unterschied lässt sich in der Generation beobachten, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls sechs bis 18 Jahre alt war, also im Alter des Schuleintritts bis hin zur Volljährigkeit. In der ältesten Kohorte, 19 Jahre und älter zum Zeitpunkt des Mauerfalls, war ein Unterschied zumindest noch für den subklinischen, also unterschwelligen, Narzissmus zu finden.

Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Untersuchung dafür, dass westliche Gesellschaften erhöhte Narzissmus-Werte in der Bevölkerung fördern, schließt Co-Autor Prof. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Narzissmus bezeichnet eine übersteigerte Selbstliebe und Ichbezogenheit.  Zu einem Krankheitsbild wird das Phänomen dann, wenn die betroffene Person unter den Auswirkungen leidet und Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung entwickelt.

Foto: pathdoc/fotolia.com

Autor: bab
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