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19.12.2020

Sechs Tipps, um Kindern den Lockdown zu erleichtern

Abstand halten, Masken tragen, Hände waschen, lüften – und sich nicht mehr einfach austoben dürfen: Für Kinder ist ein Leben unter Pandemiebedingungen mit seinen Begrenzungen und Unbegreiflichkeiten eine besondere Herausforderung. Eine Kinderpsychiaterin sagt, was Eltern tun können und worauf sie achten sollten, damit ihr Nachwuchs gut durch diese besonderen Zeiten kommt.
Kleinkind sitzt auf dem Fensterbrett mit Teddybär, der türkisfarbene Coronamaske trägt.

Corona und Lockdown finden Kinder mindestens komisch - aber sie können auch zu Angst und Verunsicherung führen. Deshalb brauchen Kinder jetzt Eltern, die sie durch diese Zeiten liebevoll führen und begleiten.

Kinder sind lebendig und neugierig, bewegungsfreudig und sorglos. Und sie sind keine kleinen Erwachsenen. Die Veränderungen und Eindrücke während der COVID-19-Pandemie können sie noch viel schwerer begreifen und einordnen – und erst recht die Restriktionen, die sie in Kita, Schule oder in ihrer Freizeit zu spüren bekommen. Viele Eltern fragen sich, ob und wie ihr Kind diese Herausforderungen während der COVID-19-Pandemie und im Shutdown verarbeitet.

"Die Pandemie belastet und löst Ängste aus", sagt Andrea Stippel, Fachärztin für Kinderpsychiatrie. „Doch wir wissen auch: Kinder sind in der Regel sehr anpassungsfähig und flexibel und können sich an neue Situationen meist gut adaptieren." Die Chefärztin der Oberberg Fachklinik Konraderhof bei Köln erklärt, worauf Eltern oder auch Großeltern achten können, damit der Nachwuchs gut durch diese besondere Zeit kommt.

1. Kinder ernst nehmen

Kinder möchten ernst genommen werden. Es tut Kindern gut, wenn man ein offenes Ohr für ihre Nöte hat und verständnisvoll mit ihren Themen umgeht. Dies kann Ängste reduzieren und das Vertrauen und Wir-Gefühl in der Familie stärken.

 

2. Kindern die Welt erklären

Kinder wünschen Informationen. Kinder werden täglich mit der Pandemie konfrontiert, können die Informationen aber nicht immer richtig einschätzen. Es hilft ihnen, die aktuelle Situation dem Alter entsprechend erklärt zu bekommen, weder bagatellisierend, noch unerfüllbare Hoffnungen weckend. Tipp: Klar machen, dass die Situation wohl noch eine Weile dauern wird, aber nur ganz wenige Menschen sehr krank werden. Die Universität Witten/Herdecke hat erst kürzlich ein Comic entwickelt, das Corona kindgerecht erklärt und die Pandemiesituation für Kinder akzeptabler und begreiflicher macht.

3. Kinder brauchen Vorbilder

Wie Kinder und Jugendliche mit Stress oder Angst umgehen, hängt auch vom Umgang der Eltern damit ab. Gerade jetzt dienen die Großen den Kleinen als Vorbild im Umgang mit einer Krisensituation. Eine realistische und zugleich zuversichtliche Grundhaltung der Eltern kann sich positiv auf das Gefühlsleben der Kinder und ihren Umgang mit der Krise auswirken.

4. Strukturen geben Kindern Sicherheit

Auch wenn Homeschooling oder Homeoffice an der Tagesordnung stehen, tut es Kindern gut, wenn die einzelnen Tage wie zu normalen Schul- und Arbeitszeiten angegangen werden, denn Strukturen geben ihnen Halt und Sicherheit.

5. Kinder möchten Fragen stellen

Medienkonsum ist ein häufiges Streitthema in Familien. Doch anstatt darüber zu streiten, wie lange Nachrichten konsumiert werden, kann es wichtiger sein, einen Raum zu schaffen, in dem Kinder Fragen stellen können, zu dem, was sie gesehen oder gehört haben. Auch ein zeitweise erhöhter Computerkonsum muss nicht dramatisch sein, wenn klar ist, dass dies nicht zum Dauerzustand wird, aber momentan dem Familienklima dient.

6. Ablenkung tut Kindern gut

Ist die Pandemie das Hauptthema in der Familie? Dann kann es Sinn machen, dieses Thema für eine gewisse Zeit bewusst zur Seite zu legen. Zum Beispiel kann man den Fokus auf positive Dinge legen, die Kind und Eltern in der Krise erlebt haben (zum Beispiel: "Papa ist der bessere Lehrer"; "Spazieren gehen ist doch nicht so doof"; "Das Gespräch mit euch gestern war toll").

7. Notfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Merken Eltern oder Vertrauenspersonen, dass sich das Kind im Wesen verändert und zurückzieht, dauerhaft niedergeschlagen, traurig und interesselos ist, kann es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe und Unterstützung durch therapeutische Angebote zu holen. Gleiches gilt, wenn Eltern merken, dass ihr Kind sich selbst verletzt, hyperaktiv oder aggressiv ist, über Einschlaf- oder Konzentrationsstörungen klagt oder körperliche Symptome wie Bauchschmerzen vermehrt auftreten. "Die Bandbreite an psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen ist groß, genau wie die Zahl der Betroffenen“, sagt Kinderpsychiaterin Andrea Stippel. „Aber ebenso groß sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Dabei steigen die Erfolgschancen, je früher die psychische Erkrankung erkannt und behandelt wird." Auch für Erwachsene gibt es Ratschläge, wie in Pandemie- und Lockdown-Zeiten die Psyche gesund bleibt.

Foto: AdobeStock/asdf

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
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