Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Seborrhoische Dermatitis: Hoffnung auf neuen Therapieansatz

Dienstag, 13. November 2018 – Autor: Anne Volkmann
Die Seborrhoische Dermatitis zeichnet sich durch einen schuppigen und häufig juckenden Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Dermatologen haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Therapieansätze entwickeln lassen.
Seborrhoische Dermatitis

Bei der Seborrhoischen Dermatitis kommt es zur Bildung von schuppigem Ausschlag und entzündlichen Verdickungen in der Oberhaut und an den Talgdrüsen

Als Seborrhoische Dermatitis oder Seborrhoisches Ekzem wird ein Hautausschlag bezeichnet, der besonders auf der Kopfhaut und im Gesicht auftritt. Umgangssprachlich wird die Seborrhoische Dermatitis auch als Gneis bezeichnet. Typisch sind gelbliche, fettige Schuppen, unter denen die Haut gerötet ist. Häufig tritt die Erkrankung im Kleinkindalter auf, aber auch Personen mittleren Alters können betroffen sein. Die Erkrankung schränkt die Lebensqualität häufig erheblich ein.  Forscher haben nun einen Teil der Krankheitsentstehung entschlüsselt, der möglicherweise zu neuen Therapieansätzen führen kann.

Teil der Pathogenese entschlüsselt

Die Pathogenese der Seborrhoischen Dermatitis ist bisher noch nicht vollständig verstanden. Vermutet wird ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen wie Entzündungsreaktionen auf Hefepilze sowie eine genetische Prädisposition. Nun haben Forscher um Professor Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik Ulm für Dermatologie und Allergologie, sowie ihr Wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Karmveer Singh entdeckt, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt. Mit weiteren Forschern aus Köln, Heidelberg und Rom beschreiben sie eine bisher unbekannte Funktion des Transkriptionsfaktors, die zu neuen Therapieansätzen bei der Seborrhoischen Dermatitis führen kann. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications.

In der Haut erfüllt der Transkriptionsfaktor JunB eine wichtige Aufgabe: Er sorgt für eine Differenzierung der epidermalen Stammzellen – darunter versteht man die Bildung neuer Hautzellen. JunB hält die Haut also gewissermaßen im Gleichgewicht. Im Mausmodell und anhand von Verfahren wie dem Next Generation Sequencing konnten die Autoren nun zeigen: Fehlt der Transkriptionsfaktor, führt dies zu strukturellen und funktionellen Einschränkungen der Talgdrüsen und somit zu einer gestörten Lipidschicht der Haut.

 

Transkriptionsfaktor JunB als Schlüsselstelle

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass genetisch veränderte Mäuse ohne JunB vergrößerte Talgdrüsen hatten und schließlich eine Erkrankung entwickelten, die der Seborrhoischen Dermatitis beim Menschen ähnelt. „Allerdings beginnt eine Unterform von Hautstammzellen, denen JunB fehlt, während der Wundheilung neue Talgdrüsen auszubilden“, erklärt Scharffetter-Kochanek. Diesen in der Veröffentlichung beschriebenen Vorgang nenne man fate switch, zu Deutsch Schicksalswende, oder Plastizität der Zelldifferenzierung. Die neuen Erkenntnisse unterstreichen die wichtige Rolle von JunB bei der Regeneration der Haut und womöglich bei der Krankheitsentstehung der Seborrhoischen Dermatitis.

Für die künftige Behandlung der Hauterkrankung haben die Ergebnisse den Studienautoren zufolge eine hohe Relevanz: „Ein besseres Verständnis der Funktion des Transkriptionsfaktors JunB kann zu neuen therapeutischen Ansätzen für Patienten führen, die unter Fehlfunktionen der Talgdrüsen leiden“, so Dr. Karmveer Singh. Insgesamt tragen die Erkenntnisse auch zu einem besseren Verständnis der Haut- und Haartalgdrüsen bei.

Bild: © Dr. Karmveer Singh

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie , Schuppenflechte , Chronische Wunden , Kinder
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ekzeme

30.12.2014

Neurodermitis durch zu viel Stress, Nesselsucht aus unterdrückter Wut: Eine europäische Studie zeigt, dass fast jeder dritte Hautkranke auch unter psychischen Problemen leidet.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Typ-2-Diabetes, Depressionen, Demenz: Menschen, die über Jahre täglich Kaffee trinken, haben ein geringeres Risiko für eine ganze Reihe von Krankheiten. Ob Kaffee gesund ist, hängt allerdings auch davon ab, wie viel man pro Tag trinkt – und wann.


Man kennt es vom Jod: die systematische Anreicherung von Salz mit diesem Stoff wirkt Schilddrüsenerkrankungen entgegen. Könnte die systematische Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D krebsbedingte Todesfälle verhindern. Das Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hat Erkenntnisse dazu.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin