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Schwerhörigkeit: Mit induktiven Höranlagen geht auch Kino und Theater

Theater, Konzerte, Kino - für stark Schwerhörige sind solche Vergnügungen tabu. Doch mittlerweile gibt es induktive Höranlagen für große Räume, die sich mit dem Hörgerät im Ohr verbinden. Die neue Technik hilft bei der Inklusion.
Induktive Höranlagen, Schwerhörigkeit

Endlich wieder am kulturellen Leben teilnehmen: Induktive Höranlagen ermöglichen Schwerhörigen das Hören in großen Räumen

Moderne Hörgeräte können heute viel. Hörsysteme der neuesten Generation verbinden sich kabellos via Bluetooth mit digitalen Klangquellen - zum Beispiel Smartphone, Stereoanlage und TV-Gerät - und ermöglichen das Hören ohne störende Umgebungsgeräusche. Doch Bluetooth hat einen großen Nachteil: Die Reichweite beschränkt sich auf wenige Meter.

Das Hören in großen Sälen, etwa im Kino, Theater oder Konzerthaus bleibt indes eine große Herausforderung für Schwerhörige. Stimmengewirr und große Räume stören das Hörverständnis, so dass trotz Hörgerät das Wesentliche nicht verstanden werden kann. Technischer Fortschritt kann aber mittlerweile auch hier Abhilfe schaffen.

Den Lautsprecher im Ohr

Sogenannte Induktive Höranlagen, auch Induktionsschleife genannt, sind speziell für den öffentlichen Raum geeignet. Über Ringschleifen, die entweder im Fußboden oder auch in der Wand verlegt werden, können Audiosignale von Hörsystemträgern überall in gleicher Lautstärke und Qualität über das Hörsystem wahrgenommen. Hörgeräte mit einer Telefonspule können sich damit direkt verbinden und ermöglichen es Hörsystemträgern, akustische Signale störungsfrei wahrzunehmen. „Musik, Theaterstück oder Vortrag gehen so direkt ins Ohr, ganz unabhängig von Entfernung und Raumakustik. Das Hörsystem wird zum intelligenten Lautsprecher im Ohr, der gezielt filtert“, beschreibt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker den Vorteil der neuen induktiven Höranlagen.

Die im Hörsystem integrierte Telefonspule wird direkt am Hörsystem im Ohr mit einem Programm aktiviert. „Der Hörakustiker kann das auf Wunsch kostenlos prüfen, der Aufwand beträgt nur wenige Minuten", sagt Frickel.

 

So erkennt man induktive Höranlagen in öffentlichen Räumen

Einige öffentliche Einrichtungen haben bereits solche induktiven Höranlagen installiert. Man erkennt sie an einem Hinweisschild im Eingangsbereich in Form eines blauen oder gelben Quadrates mit einem stilisierten Ohr und dem Buchstaben "T". Manchmal sind nur bestimmte Bereiche mit einer Ringschleife versehen. Dann findet sich in diesen Reihen das entsprechende Hinweisschild.

Laut Frickel sind induktive Höranlagen ein wichtiger Beitrag zur Inklusion von Schwerhörigen: "Wer nur lückenhaft hört, fühlt sich schnell ausgegrenzt und verliert die Freude am Zuhören. Mögliche Folge ist soziale Isolation statt Teilhabe am öffentlichen Leben.“

Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit. Aufgrund des demografischen Wandels ist die Tendenz steigend.

Foto: pixabay 

Autor: ham
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