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Schwerhörigkeit begünstigt Demenz

Donnerstag, 3. März 2022 – Autor:
Schwerhörigkeit sollte unbedingt behandelt werden. Denn die Folgen können beträchtlich sein. Ein Experte erklärt, warum eine dauerhafte Hörminderung bis zur Demenz führen kann.
Wer schon in mittlerem Lebensalter schwer hört, entwickelt später häufiger eine Demenz

Wer schon in mittlerem Lebensalter schwer hört, entwickelt später häufiger eine Demenz – Foto: © Adobe Stock/ Robert Przybysz

In Deutschland sind mehr als 16 Prozent der Erwachsenen von Schwerhörigkeit betroffen. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Lärm kann etwa das Innenohr schädigen oder eine Entzündung. Am häufigsten ist jedoch die Altersschwerhörigkeit. Denn wie andere Organe auch ist auch das Hörorgan – die sogenannte Cochlea – vom altersbedingten Verschleiß betroffen.

Lässt das Hörvermögen nach, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen, betont HNO-Arzt Prof. Mark Praetorius, Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) anlässlich des Welttags des Hörens. Die Folgen einer unbehandelten Schwerhörigkeit, könnten schwerwiegend sein, etwa in die soziale Isolation führen – aufgrund von „ Kommunikationsschwierigkeiten.“

Dauerbelastung für das Gehirn

„Darüber hinaus wissen wir aus Studien, dass Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz ist“, sagt der Experte. Die Zusammenhänge sind zwar noch nicht abschließend geklärt, doch es wird vermutet, dass der Hörverlust zu einer Dauerbelastung des Gehirns führt. „Da sich vermehrt auf das Hören konzentriert werden muss, werden womöglich andere Funktionen des Hirns „vernachlässigt“, erläutert Praetorius. „Um die Entwicklung einer Demenz zu verhindern, sollte eine Schwerhörigkeit daher frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.“

 

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen

Hörgeräte sind das Mittel der Wahl. Sie verstärken wie ein Lautsprecher den Schall. Doch manchmal ist der Hörverlust schon so weit fortgeschritten, dass eine übliche Hörhilfe nicht mehr ausreicht. In diesen Fällen sollte über ein Cochlea-Implantat nachgedacht werden, erklärt der Experte.

Ein Cochlea-Implantat ahmt die Funktion der geschädigten Struktur im Ohr nach. Ein Mikrofon hinter dem Ohr empfängt den Schall, der in ein digitales Signal umgewandelt wird. Das Signal wird von der Sendespule an die Empfängerspule unter der Kopfhaut weitergegeben, hier werden die Hörnervfasern gereizt. Das Signal wird dann ins Gehirn weitergegeben.

Cochlea-Implantate bedürfen einer feinen Einstellung

Das Cochlea-Implantat eignet sich sowohl für schwerhörige Neugeborene oder Kleinkinder wie auch ältere Patientenmit starker Schwerhörigkeit. „Voraussetzung ist jedoch, dass der Hörnerv aktiv ist und das Gehirn Hören erlernt hat. Ist dies nicht der Fall, etwa bei bereits taub geborenen Personen, kann auch ein Cochlea-Implantat die Verbindung nur in den ersten Lebensjahren herstellen“, sagt Praetorius.

Das Implantieren von Cochlea-Implantaten ist heute ein Routineeingriff. Die Operation dauert meist unter zwei Stunden und verläuft meist „komplikationslos“. Anschließend sind individuelle Anpassungen des Sprachprozessors, der die Signale umwandelt, notwendig. „Oftmals klingen Geräusche zunächst blechern und sehr ungewohnt“, sagt der HNO-Arzt. Bei einer guten Einstellung stelle sich schon nach wenigen Tagen ein Klang- und Sprachverstehen ein, „die Feinanpassung durch die Audiologen erfolgt dann nach und nach.“

Hauptkategorie: Medizin
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