. Adipositas und Übergewicht bei Kindern

Schwerer Fall: Therapien gegen Übergewicht bei Kindern sind oft wirkungslos

Viele Kinder und Jugendliche mit Übergewicht versuchen verzweifelt abzunehmen. Doch Diäten und Gewichtsreduktionsprogramme für Heranwachsende mit Übergewicht oder Adipositas wirken oft nicht oder kaum. Das hat jetzt ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk zum Thema Adipositas herausgefunden.
Studie: Adipositas bei Kindern ist kaum behandelter

Vorsicht vor zu viel Diäten bei Kindern - mahnt ein Experte

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Kompetenznetz Adipositas hat in einer Untersuchung aktuelle Forschungsbefunde rund um Behandlungsmethoden für Kinder und Jugendliche mit Adipositas zusammengefasst. Die qualitative Analyse von 48 Studien zur Wirksamkeit von Lebensstilprogrammen bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas kommt zu dem Ergebnis, dass eine Gewichtsnormalisierung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas nur sehr beschränkt bis gar nicht erreicht werden konnte.

Studien: Normalgewicht wird nur sehr selten erreicht

Die untersuchten Therapien waren auf einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren angelegt. Die beobachteten Gewichtsveränderungen nach zwölf Monaten fielen nicht ins Gewicht. Die meisten Kinder und Jugendlichen mit starkem Übergewicht, die an solchen Gewichtsreduktionsprogrammen teilnehmen, würden zwar einige Kilogramm verlieren, diese Gewichtsabnahme reiche aber in aller Regel nicht aus, um das so genannte Normalgewicht zu erreichen, so der Initiator der Untersuchung, Professor Johannes Hebebrand. Ein 15-jähriges Mädchen mit einem Ausgangsgewicht von 102 Kilo und einer Körpergröße von 1,70 Meter würde den Forschungsergebnissen zufolge innerhalb eines Jahres in Therapie bei einem Wachstum um einen Zentimeter bestenfalls 6,8 Kilo abnehmen. Ein achtjähriger Junge mit einem Ausgangsgewicht von 40 kg bei einer Körpergröße von 130 cm würde im besten Fall nur 2,6 kg zunehmen und dabei um 6,4 cm wachsen. Die Forscher des bundesweiten Kompetenznetzes untersuchten auch die Abbruchraten. Nach ihren Angaben haben bei zwei Dritteln der Programme mindestens zehn Prozent der Teilnehmer die Behandlung frühzeitig abgebrochen. Bei 22 Prozent der Studien brach mindestens jeder vierte Teilnehmer ab (25%).

 

Experte warnt vor Diätwahn bei Kindern und Jugendlichen

Mit Blick auf diese Ergebnisse mahnt Hebebrand zu Zurückhaltung bei Diäten und Gewichtsreduktionsprogrammen. „Wichtig ist es, erst einmal kritisch den Aufwand und Nutzen lebensstilbasierter Behandlungsmethoden gegenüber zu stellen und dann gemeinsam mit den betroffenen Familien zu überlegen, ob ein solches Programm in der jeweiligen Lebenssituation des Kindes beziehungsweise des Jugendlichen in Frage kommt“, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater. Behandlungssuchende Familien müssten zudem über die begrenzte Wirksamkeit sowie potenzielle Nebenwirkungen der gängigen Gewichtsreduktionsbehandlungen aufgeklärt werden, fordert er. Denn misslungene Gewichtsabnahme-Versuche würden oft als persönliches Versagen gedeutet.  Hebebrand hält weitere Untersuchungen für nötig, um Erfolgsfaktoren für dauerhafte Lebensstiländerungen zu identifizieren.

Foto: kwanchaichaiudom - fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Adipositas Programme für Kinder und Jugendliche

| Menschen mit sichtlich erhöhtem Übergewicht entsprechen nicht dem unrealistischen Körperideal von Werbung, Film und TV-Serien. Vorschnell werden sie als „verfressen“ diskriminiert und individuell verantwortlich gemacht. Dabei hat diese Krankheit vielschichtige Ursachen: körperliche, psychische, soziale – und sogar politische.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Ladenkassen sind Nadelöhre: Kunden kommen anderen Kunden und dem Kassenpersonal unvermeidlich nahe. Man muss mit Bargeld oder Bezahlterminals umgehen, die schon viele vor einem berührt haben. Was man beim Einkaufen oder am Geldautomaten tun kann, um möglichst kontaktarm und hygienisch zu bezahlen oder Geld abzuheben.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.