Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.08.2021

Schwere Covid-19-Verläufe gehen oft mit Sepsis einher

Sepsis kann Folge einer schweren COVID-19-Infektion sein und reduziert die Überlebenschancen der Patienten erheblich. Medizinern zufolge stehen die meisten Covid-Todesfälle mit einer Blutvergiftung in Verbindung.
Todesfälle durch COVID-19 sind häufig mit einer Sepsis verbunden

Todesfälle durch COVID-19 sind häufig mit einer Sepsis verbunden

Patienten, die schwer an COVID-19 erkranken, sind stark gefährdet, eine Sepsis mit massiven Entzündungen im Körper zu entwickeln. „Rund 25 Prozent der COVID-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, erleiden einen septischen Schock“, fasst Prof. Dr. Sebastian Ley die aktuelle Studienlage zusammen. Die Todesfälle durch COVID-19 seien sogar meist mit einer Sepsis verbunden, so der Chefarzt vom Artemed Klinikum München Süd.

Sepsis kann zu Multiorganversagen führen

Einer Sepsis - auch Blutvergiftung genannt - gehen immer Entzündungen voraus. Im Alltag können selbst simple Schnittwunden oder Insektenstiche der Auslöser sein. Auch Lungenentzündungen, wie sie bei Covid fast immer auftreten, können sich zu einer Sepsis ausweiten. „Menschen haben verschiedene Möglichkeiten, um sich gegen Infektionen zu wehren“, erklärt Professor Sebastian Ley. „Dabei kontrolliert der Körper diese Reaktionen und passt sie normalerweise dem Infektionsgeschehen an.“ Bei einer Sepsis komme es aber zu einer Art Überreaktion des Immunsystems, die sich nicht nur gegen den Erreger wende, sondern dem Körper insgesamt schade und bei den Betroffenen zahlreiche Entzündungen zur Folge habe. „In dieser Situation können Erreger in die Blutbahnen betroffener Patienten und Patientinnen gelangen, es kann zu Ödemen, Blutgerinnseln und schließlich einem Multiorganversagen kommen“, erläutert der Mediziner.

 

Schnell handeln

Bei einer Sepsis muss schnell gehandelt werden. Zur Diagnostik kommen neben Blutuntersuchungen auch Ultraschall und Computertomografie (CT) zum Einsatz. Mit den bildgebenden Verfahren lassen sich Entzündungen an den Organen erkennen, etwa an Lunge, Herz oder Nieren. Erst nach gesicherter Diagnostik können Ärzte eine Therapie einleiten. Medizinische Versuche, die zahlreichen Entzündungen im Körper Betroffener zu bekämpfen, etwa durch Zytokinantagonisten, also Medikamente auf Basis spezieller Proteine, seien bislang gescheitert, gibt Ley zu Bedenken.  „Der einzige spezifische Ansatzpunkt ist die Bekämpfung der ursächlichen Infektion.“ Zur Infektionsbekämpfung gehöre auch eine Antibiotikatherapie, „doch wie der Körper darauf anschlägt, ist nicht immer vorhersehbar“, so Ley.

Dritthäufigste Todesursache in Deutschland

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 150.000 Menschen eine Sepsis, mehr als 70.000 Menschen sterben daran. Damit ist diese Erkrankung hierzulande die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Auch wer eine Sepsis überlebt, hat nach Angaben der Deutschen Sepsis Stiftung oft mit Langzeitfolgen wie schneller Erschöpfbarkeit, neurokognitiven Einschränkungen oder sogar dem Verlust von Gliedmaßen zu kämpfen.

Foto: © Adobe Stock/ analysis121980

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Lungenentzündung
 

Weitere Nachrichten zum Thema

11.09.2020

Jedes Jahr sterben etwa 75.000 Deutsche an einer Sepsis – die Dunkelziffer ist sogar weit höher. Viele Betroffene könnten gerettet werden, doch oft werden die Symptome zu spät erkannt. Dabei gibt es durchaus Warnzeichen, die auf eine Sepsis hinweisen.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Zuckungen, Taubheitsgefühle, Krampfanfälle: Psychische Extremsituationen in der frühen Kindheit können sich bei Erwachsenen in Form von irreführenden körperlichen Symptomen äußern, die oft Fehldiagnosen auslösen. Dann werden beispielsweise „epileptische Anfälle" behandelt, die keine sind – manchmal jahrelang. Als erstes Uniklinikum bundesweit bietet das in Bonn jetzt für „dissoziative Störungen“ eine Spezialsprechstunde an.


Kinder reagieren besonders sensibel auf Giftstoffe im Tabakrauch. Ihr Körper kann Gifte dazu noch schlechter abbauen. Wer als Erwachsener in Gegenwart von Kindern raucht, erhöht deren Risiko, Asthma und andere Krankheiten zu bekommen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Deutschen Lungentags am 25. September hin.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin