. Lebensmittelhygiene

Schweinefleisch: Jede zehnte Probe mit Hepatitis E verseucht

Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist eine Hauptursache der akuten Virushepatitis und kann zu Leberversagen führen. Ein deutsches Forscherteam unter Federführung des Uniklinikums Tübingen hat Schweinefleischprodukte und -lebern auf den Erreger hin untersucht. Das Ergebnis: Mehr als zehn Prozent der Proben aus Metzgereien und Supermärkten waren mit HEV kontaminiert.
Sechs Sorten Leberwurst, aufgeschnitten, mit Gurken- und Radieschen auf Vesperbrett

Delikatessleberwurst, Pfälzer Leberwurst, Gutsleberwurst: In diesen Produkten der Fleischindustrie fanden Forscher besonders oft Hepatitis-E-Erreger.

In Deutschland sind die gemeldeten Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen. 2011 wurden 238 Fälle registriert, 2019 waren es 3.727 – fast 16-mal so viele. Im August lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2.280 bekannten Fällen. Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist eine Hauptursache der akuten Virushepatitis und kann bei bestimmten Patientengruppen Leberversagen auslösen. Übertragen wird der Erreger über rohes Fleisch und verunreinigtes Wasser.

Studienziel: HEV- Kontamination bei Schweinefleischprodukten

Um herauszufinden, ob und wie häufig kommerzielle Schweinefleischprodukte in Deutschland mit HEV kontaminiert sind und so das Infektionsrisiko abzuschätzen, haben Wissenschaftler des Instituts für Tropenmedizin der Universitätsklinikums Tübingen eine Nachweisstudie durchgeführt. Dafür untersuchten sie Schweinelebern und Schweinefleischprodukte auf Spuren der HEV-RNA. Das Biomolekül RNA (Ribonukleinsäure) ist bei bestimmten Virentypen der Träger der Erbinformation.

 

Im Hepatitis-Test: Leber, Leberwürste, Mettwürste

testeten die Forscher 131 Proben aus rohem und verarbeiteten Fleisch: Schweinelebern, streichfähige Leberwürste, Leberpasteten und rohe Mettwürste ohne Leber. Die auf HEV getesteten Fleischwarenproben stammten aus Geschäften in  Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und Dortmund. Hergestellt wurden sie überwiegend in West- und Südwestdeutschland, teils aber auch im europäischen Ausland (Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden).

„Da die Verteilung und Belastung durch Hepatitis E in Europa unterschiedlich ist, war das Ziel, die tatsächliche Prävalenz von HEV-kontaminiertem Fleisch zu bewerten und das Risiko von Exposition und Infektion abzuschätzen“, sagt Prof. Dr. Thirumalaisamy Velavan vom Tübinger Tropeninstitut. Deshalb hatten die Tübinger Wissenschaftler auch prominente Kooperationspartner hinter sich: das Robert-Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

HEV in Fleischprodukten in Deutschland „seit zehn Jahren sehr hoch“

Die unter Velavans Leitung durchgeführte Studie ergab: Mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben waren mit dem HEV kontaminiert. Der Nachweis von HEV-Genom ist laut der Tübinger Studie in verarbeiteten Schweinefleischprodukten viel höher als in roher Schweineleber; die Proben der Schweinelebern weisen einen Anteil von fünf Prozent nach, bei Leberwürsten sind es 13 Prozent. „Nach Vergleichen mit früheren Studien deuten die Ergebnisse darauf hin, dass in Deutschland die Prävalenz von Hepatitis-E-Viren in Lebensmitteln mit Schweineleber seit zehn Jahren relativ unverändert und sehr hoch ist.“

Konsum tierischer Lebensmittel: Häufig mit Infektionsgefahr verbunden

Grundsätzlich können Tierprodukte wie Fleisch, Milch und Eier mit einer Vielzahl von Erregern belastet sein und eine Infektionsquelle darstellen. Vor allem Salmonellen, Campylobacter, Listerien sorgen immer wieder für Schlagzeilen.

Die Verseuchung mit HEV bedeutet nach Aussagen der Tübinger Wissenschaftler dabei nicht automatisch, dass die betroffenen Wurstwaren auch infektiös sind. So könne eine Erhitzung im Herstellungsprozess Viren inaktiv machen.

Fünf klassische Hepatitisviren

Die Gruppe der klassischen Hepatitisviren kann fünf verschiedene Formen der Hepatitis auslösen: die vom Typ A, B, C, D und E. Unabhängig davon kann Hepatitis durch eine Vielzahl weiterer Erreger hervorgerufen werden (Beispiel: Herpesviren), sowie durch bakterielle Erreger und Pilze. Sie kann aber auch Folge von Alkoholmissbrauch, Medikamenten- und Drogenkonsum oder Vergiftungen sein.

In Deutschland ist jede akute Virushepatitis nach dem Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Krankheit. Hepatitis macht oft erst spät Beschwerden und bleibt daher häufig lange unentdeckt. Daher wissen Millionen Menschen nicht, dass sie von der übertragbaren Virusinfektion betroffen sind.

Foto: AdobeStock/Floydine

Autor:
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hepatitis , Infektionskrankheiten , Leber
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

| Die Listeriose gehört zu den schwer verlaufenden Lebensmittelinfektionen. Die Folgen können Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen, Fehlgeburten oder sogar ein tödlicher Ausgang sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt nun vor dem Verzehr von nicht durchgegartem Fisch, da dieses Lebensmittel besonders häufig mit krankmachenden Listerien belastet ist.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.