Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
16.08.2017

Schwankender Blutdruck könnte auf Demenz hinweisen

Große Unterschiede bei den daheim gemessenen Blutdruckwerten sind mit einem erhöhten Risiko für alle Arten von Demenz einschließlich Alzheimer verbunden. Das ist das Ergebnis einer japanischen Studie.
Blutdruckwerte

Schwankende Blutdruckwerte können auf ein erhöhtes Demenz-Risiko hinweisen

Es spielt keine Rolle, ob der Blutdruck zu hoch oder normal ist: Das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, kann erhöht sein, wenn die Werte von Tag zu Tag stark variieren. Das besagt eine Studie, die in der Zeitschrift Circulation der American Heart Association veröffentlicht wurde.

Frühere Studien hatten bereits ein erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigung und Demenz bei Patienten festgestellt, die große Veränderungen bei den vom Arzt gemessenen Blutdruckwerten aufwiesen. Die aktuelle Publikation beschäftigte sich erstmals mit den daheim gemessenen Werten.  Diese könnten aussagekräftiger sein, weil der bekannte „Weißkittel-Effekt“ wegfällt: Bei vielen Menschen steigt der Blutdruck, wenn sie dem Arzt gegenüber sitzen.

Patienten mit und ohne Bluthochdruck

Die Forscher um Dr. Tomoyuki Ohara von der Graduate School of Medical Sciences an der Kyushu University in Fukuoka City baten mehr als 1.600 japanische Erwachsene ohne Demenz, einen Monat lang ihren Blutdruck zu messen. Das Durchschnittsalter betrug 71 Jahre, 56 Prozent der Probanden waren weiblich. Die Teilnehmer maßen ihren Blutdruck dreimal bevor sie das Frühstück oder Medikamente zu sich nahmen.

Beteiligt waren Patienten mit normalen und mit hohem Blutdruck. Etwa 4 von10 Patienten nahmen blutdrucksendende Medikamente ein. Die Forscher dokumentierten die Blutdruckwerte und führten kognitive Tests durch, um die mögliche Entwicklung einer Demenz festzustellen. Auch nach Anzeichen für einen Schlaganfall wurde gesucht.

 

Schwankender Blutdruck erhöht das Demenz-Risiko

In den folgenden fünf Jahren entwickelten 134 Probanden die Alzheimer-Krankheit, 47 entwickelten eine vaskuläre Demenz, die sich aus einem vermindertem Blutfluss zum Gehirn ergibt und oft auf das Auftreten von kleinen Schlaganfällen zurückzuführen ist.

Im Vergleich zu Teilnehmern mit einem stabilen Blutdruck entwickelten die Probanden mit den größten Schwankungen des systolischen Blutdrucks mehr als doppelt so wahrscheinlich jede Art von Demenz (2,27 mal erhöhtes Risiko) oder die Alzheimer-Krankheit (2,2 mal erhöhtes Risiko). Fast dreimal so häufig kam es bei ihnen zu einer vaskulären Demenz (2,79 mal erhöhtes Risiko). Ein erhöhter systolischer Blutdruck erhöhte generell das Risiko einer vaskulären Demenz, erhöhte aber nicht das Risiko einer Alzheimer-Krankheit.

Folge oder Ursache der Demenz?

Die häusliche Messung des Blutdrucks kann nützlich sein, um das zukünftige Risiko einer Demenz zu beurteilen, so das Fazit der Forscher. Weitere Studien seien aber erforderlich, um zu klären, ob die täglichen Blutdruckschwankungen Folge oder Ursache der sich allmählich entwickelnden Demenz sind. Sollten die Schwankungen ein sicherer Demenz-Indikator sein, ließe sich ihr Entstehen wenn nicht verhindern so doch aufhalten.

Blutdruck-Schwankungen könnten aber auch auf einen zu hohen Blutdruck hindeuten, der unzureichend behandelt wird. Weitere Faktoren wie geistiger oder körperlicher Stress, Schlafentzug, ein unregelmäßiger Lebensstil oder Schäden am vegetativen Nervensystem könnten dazu beitragen, so Ohara.

In einem Kommentar wies die American Heart Asociation darauf hin, dass ausschließlich Japaner an der Studie teilgenommen hatten. Die Ergebnisse könnten auf eine westliche Population beziehungsweise andere ethnische Gruppen mit einem anderen Lebenstil und anderem genetischen Hintergrund möglicherweise nicht übertragbar sein.

Foto: edwardolive/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Alzheimer
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blutdruck

31.05.2019, aktualisiert: 25.10.2020

Zu hoher Blutdruck ist der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch viele Menschen kennen ihren Blutdruck nicht. Dabei ist Bluthochdruck leicht festzustellen und gut behandelbar.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Bluthochdruck ist immer behandlungsbedürftig, auch milde Formen und der Altershochdruck, die so genannte isolierte systolische Hypertonie. Das sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga Prof. Dr. Martin Hausberg. Warum eine Änderung des Lebensstils oft schon ausreicht, erklärt der Bluthochdruck-Experte anlässlich des Welt-Hypertonietags am 17. Mai.
 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin