. Grippeschutzimpfung

Schwangere oft nicht ausreichend gegen Grippe geschützt

Schwangere sind durch eine echte Grippe besonders gefährdet. Doch viele lassen sich nicht gegen Influenza impfen, weil sie Sorge um schädliche Folgen für das Baby haben. Diese ist jedoch unbegründet, wie neue Studien zeigen.
Grippe und Schwangerschaft

Eine Grippe-Impfung in der Schwangerschaft gilt als sicher.

Erkranken Schwangere an einer Grippe, kann dies für sie selbst wie auch für das Kind schwere Folgen haben. So kommt es im Falle einer Influenza bei Schwangeren häufiger zu Kompli­ka­tionen, beispielsweise einer Lungen­ent­zündung, als bei anderen Patienten. Und auch für das Kind kann das gefährlich werden. Denn eine Grippe während der Schwanger­­schaft erhöht das Risiko für Früh- und Totgeburten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Schwangeren daher seit 2010 eine Grippeimpfung

Doch viele Schwangere wissen dies nicht oder setzen die Empfehlung aus anderen Gründen nicht um. So waren in der Saison 2012/2013 nur knapp 25 Prozent der Schwangeren geimpft. Vielen fehlt dabei das Vertrauen in die Impfung, denn oft haben Schwangere Sorgen, eine Impfung während der Schwangerschaft könne dem Kind schaden.

Grippeschutzimpfung gegen Grippe für Schwangere sicher

Es gibt jedoch viele Untersuchungen, welche die Sicherheit einer Grippeschutzimpfung auch in der Schwangerschaft belegen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie aus Norwegen. Hier wurden die Daten von über 25.000 Frauen ausgewertet, die während der Grippe-Pandemie 2009/2010 schwanger waren.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine Grippe-Erkrankung bei Schwangeren das Risiko von Fehl- oder Totgeburten erhöhte, und dass eine Grippe-Impfung die Schwangeren effektiv vor einer Infektion und deren Folgen schützen konnte. Zudem erwies sich die Impfung als sicher: Sie führte weder zu einem geringeren Geburts­gewicht noch zu anderen schädigenden Wirkungen beim Fötus. Zudem profitierten auch noch die Neugeborenen für einige Monate von der Schutzwirkung durch die mütterliche Impfung.

Auch eine aktuelle texanische Studie hat gezeigt, dass eine Grippeschutz-Impfung bei Schwangeren die Frühgeburtenrate senkt und werdende Mütter, die sich gegen Influenza haben impfen lassen, ihre Kinder seltener tot zur Welt bringen.

STIKO empfiehlt Grippe-Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel

Amerikanische Forscher habe erst kürzlich Hinweise dafür gefunden, warum eine Grippe bei schwangeren Frauen häufig schwerer verläuft als bei anderen Frauen. Bestimmte Immunzellen der Schwangeren reagieren auf Influenzaviren offenbar übermäßig stark. Sie schütten Botenstoffe aus, welche die Entzündungsreaktionen verschärfen. Durch eine starke Entzündung kann die Atmung beeinträchtigt werden, was erklären könne, warum Schwangere bei einer Influenza ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen haben, so die Wissenschaftler.

Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen für Erwachsene handelt es sich um Totimpfstoffe. Eine Impfung ist daher grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die Impfung dennoch erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Damit soll verhindert werden, dass die im ersten Schwangerschaftsdrittel sowieso häufiger auftretenden Fehlgeburten fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.

Foto: © praisaeng - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Grippe

| Medizinisches Personal hat ein erhöhtes Risiko, sich an erkrankten Patienten anzustecken oder ungewollt Grippe-Viren zu übertragen. Klinik-Mitarbeitern wird daher zur jährlichen Impfung geraten. Doch gerade sie sind oft nicht geimpft.
| In Deutschland ist die Grippe-Saison 2016/2017 gestartet. In der ersten Woche des neuen Jahres gab es laut Robert Koch-Institut (RKI) besonders in Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen viele akute Atemwegserkrankungen. Erneut gibt es Diskussionen um Dreifach- oder Vierfach-Impfstoffe.
| Die Grippeimpfung wird ausdrücklich chronisch Kranken empfohlen. Dazu gehören auch Krebspatienten. Denn Infektionskrankheiten können für sie besonders gefährlich werden.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Stress löst bei der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) einen depressionsartigen Zustand aus. Dieser ließ sich durch Lithium oder Zucker beheben. Dies ergab eine Studie von Neurobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Vom Hepatitis C Medikament Sovaldi ist eine Fälschung auf den deutschen Markt gelangt. Das BfArM warnt davor, die Tabletten einzunehmen. Patienten können die Fälschung leicht erkennen: Die Filmtabletten sind weiß statt gelb.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KommRum e.V., Schnackenburgstr. 4, 12159 Berlin-Friedenau
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.