. Herzunterstützungssysteme

Schulterschluss zwischen Organtransplantierten und Kunstherzpatienten

Weil es an Spenderherzen fehlt, benötigen immer mehr Patienten mit Herzschwäche ein Herzunterstützungssystem. Der Selbsthilfeverband Bridge2Life vertritt jetzt ihre Interessen in Europa.
Bridge2Life

Bridge2Life

Wer den Verband Organtransplantierter Deutschland (VOD) sucht, der sucht vergeblich. Der Verband hat sich soeben in Bridge2Life umbenannt. Hinter dem neuen Namen steht ein neues Konzept. Die Selbsthilfevereinigung steht ab sofort nicht nur Organtransplantierten, sondern auch Kunstherzpatienten und Menschen mit terminaler Herzinsuffizienz in Europa zu Seite. Die Betroffenen haben vieles gemeinsam: Ob Transplantation, Herzunterstützungssystem oder künstliches Herz - die Diagnose schwere Herzinsuffizienz bringt Patienten ebenso wie ihre Angehörigen in eine körperliche und psychische Ausnahmesituation.

Herzunterstützungssysteme oder Spenderherz

"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", erklärt Wolfgang Friede aus Duisburg, 61 Jahre, dem im Februar 2011 ein Herzunterstützungssystem das Leben rettete. "Der Austausch mit anderen Patienten machte mir Mut und zeigte mir, dass das Leben weitergeht - und zwar auf eine absolut lebenswerte Weise."

In Deutschland leiden laut der Deutschen Herzstiftung rund 1,8 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche). Wenn trotz der konservativen Therapie die Pumpfunktion des Herzens nur noch für wenige Schritte ausreicht, spricht man von terminaler Herzinsuffizienz. In diesen Fällen hilft Patienten oft nur noch ein Spenderherz oder ein künstliches Herzunterstützungssystem - entweder bis zur Erholung des Herzens (Bridge to recovery), als Dauerlösung (Destination therapy) oder um die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken (Bridge to transplantation).

Laut der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefässchirurgie (DGTHG) warten jährlich circa 950 Menschen in Deutschland auf ein neues Herz, lediglich knapp 400 Menschen erhielten jedoch die erhoffte Organspende. Dank modernster Technik stehen heute als lebensrettende Alternative Herzunterstützungssysteme zur Verfügung. Über 650 dieser Systeme wurden 2010 allein in Deutschland implantiert. Sie haben die Zahl der Herztransplantationen damit bereits übertroffen und ermöglichen diesen Menschen Zeit um zu leben.

 

Bridge2Life

Nach eigenen Angaben möchte klärt Bridge2Life Patienten und Angehörige über Therapiemöglichkeiten auf, steht ihnen mit persönlichem Rat zur Seite, vermittelt Arzt-Gespräche und Gruppenseminare. "Wir zeigen Patienten Wege auf, ihre Erkrankung und ihr neues Organ oder die lebensnotwendige Technik als Teil von sich zu akzeptieren", erklärt Dr. Sotirios Spiliopoulos, Kardiochirurg und Vorstandsvorsitzender von Bridge2Life. "Denn eine positive Lebenseinstellung hat einen starken Einfluss auf den Erfolg der Therapie."

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz , Transplantation , Herztransplantation , Herzinsuffizienz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herztransplantation

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Bluthochdruck ist ein gesundheitliches Risiko. Aktuell steigt auch das Risiko für einen schweren COVID-19 Verlauf. Doch muss bei älteren Menschen, der Blutdruck tatsächlich unter 140/90 mmHg gesenkt werden? Eine Studie der Charité zeigt: Die leitliniengerechte Behandlung schadet über 80-jährigen sogar mehr als sie nützt.
34 Millionen Mal im Jahr erhalten Patienten in Deutschland Antibiotika. In der Hälfte der Fälle – und viel zu oft bei leichteren – verschreiben Ärzte sogenannte Reserve-Antibiotika. Das zeigt eine Analyse des AOK-nahen WIdO-Instituts. Dabei sollen diese Medikamente nur zum Einsatz kommen, wenn alle anderen nicht mehr helfen. Diese Verordnungspraxis verstärke noch das Problem der „Resistenzen“.
Für Sport ist es nie zu spät. Langzeitstudien zeigen: 70-Jährige, die körperlich aktiv sind, gewinnen im Vergleich zu Bewegungsmuffeln im Schnitt vier Jahre hinzu. Selbst wer mit 70 oder 80 erst anfängt, profitiert von der medizinischen Wirkung körperlicher Aktivität.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.