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Schulen keine Hotspots für Corona

Nach ihrer Wiedereröffnung entwickelten sich Schulen nicht zu den gefürchteten Hotspots für Corona. Das ist das Ergebnis einer Studie Dresdner Forscher. Ihrer Meinung nach ist auch das Infektionsgeschehen in Familien weniger dynamisch, als oft behauptet wird.
Schulen, Hotspots, Corona

Schüler scheinen das neue Coronavirus seltener zu übertragen, als zunächst befürchtet worden ist

Um zu erfassen, in welchem Maß die Wiederöffnung von Schulen zur Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 beiträgt, hatten Forscher der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus im Mai 2020 eine Untersuchung an sächsischen Schulen gestartet. Die Ergebnisse der ersten Testphase mit über 2000 Teilnehmern wurden nun veröffentlicht. Es ist bundesweit die bisher größte Studie, bei der im Rahmen der Wiedereröffnung der Schulen nach dem Lockdown erfasst werden soll, wie viele Schüler und Lehrer Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus in sich tragen und wie sich dessen Ausbreitung über die Zeit verändert. Die Zahlen geben Aufschluss über den aktuellen Immunitätsstatus von Lehrern und Schülern. Nach Ansicht der Autoren liefern sie daher auch wichtige Anhaltspunkte dafür, wie der Schulbetrieb nach den Sommerferien weitergehen kann.

Virusverbreitung durch Schüler überschätzt?

Das überraschende Ergebnis der ersten Testphase: Von den 2045 untersuchten Blutproben ließen sich nur in 12 Proben zweifelsfrei Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus nachweisen. Damit liegt der Immunisierungsgrad bei den Studienteilnehmern deutlich unter einem Prozent (0,6 Prozent) und fällt geringer aus als prognostiziert.

In einigen der untersuchten Schulen gab es bestätigte Corona-Fälle. Dennoch waren bei den Lehrern und Schülern der betreffenden Einrichtungen nicht überdurchschnittlich mehr Antikörper nachweisbar, was darauf schließen lässt, dass sich die Schulen nicht zu Hotspots entwickelt haben. Nach Ansicht der Forscher bedeutet das auch, dass eine stille, symptomfreie Infektion bei den untersuchten Schülern und Lehrern bislang noch seltener stattgefunden hat, als vermutet wurde.

 

Ansteckung mit SARS-CoV-2 in Familien offenbar seltener als gedacht

Die Wissenschaftler um Studienleiter Prof. Reinhard Berner, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, nehmen auch an, dass die Verbreitung des Virus in Familien bisher überschätzt wurde. Denn in 24 Familien der Studienteilnehmer gab es mindestens einen bestätigten Corona-Fall, aber nur bei einem der Probanden ließen sich Antikörper nachweisen.

Die Proben waren einem einheitlichen, zugelassenen Antikörpertest unterzogen worden. „Er ist automatengeeignet und identifiziert in dem Serum Antikörper auf das Spike-Protein des SARS-CoV2-Virus“, erklärt der Direktor des Instituts für Virologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, Professor Alexander Dalpke.

Positiver Antikörpertest bedeutet nicht zwangsläufig Immunität

Die zweite große Testreihe an allen 13 Schulen ist zu Beginn des neuen Schuljahres geplant, eine dritte wird es in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen Ende 2020 oder Anfang 2021 geben. Die Forscher betonen allerdings, dass ein positiver Antikörpertest kein Freibrief sei, denn der Nachweis von Antikörpern bedeute nicht zwangsläufig Schutz.

„Zudem gibt es bei jedem Test auch sogenannte falsch positive Befunde, die vermeintliche Antikörper anzeigen, die tatsächlich gar nicht vorhanden sind. Wir haben deshalb positive Befunde zwei weiteren Testungen unterzogen“, so Prof. Dalpke. Nur wer in zwei der drei Verfahren positiv war, wurde als Antikörperträger klassifiziert. Entscheidend sei daher, sich die Antikörperentwicklung im Verlauf anzusehen, so der Virologe

Foto: Adobe.Stock / Oksana Kuzmina

Autor: anvo
Hauptkategorie: Corona
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