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11.02.2018

Schützen Flavonoide vor Grippe?

Bestimmte Darmbakterien können vor einer schweren Grippe-Infektion schützen, indem sie Flavonoide verstoffwechseln. Das haben amerikanische Forscher in einer Studie gezeigt. Die Stoffe kommen besonders viel in Blaubeeren, schwarzem Tee und Rotwein vor.
Blaubeeren, Flavonoide, Grippeschutz

Sekundäre Pflanzenstoffe können das Immunsystem stärken

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die für die Farbgebung der Pflanzen verantwortlich sind und diese vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. Besonders häufig kommen Flavonoide in Nahrungsmitteln wie Blaubeeren, schwarzem Tee oder Rotwein vor. Schon in früheren Studien konnten die positiven Wirkungen der Pflanzenstoffe auf die menschliche Gesundheit gezeigt werden. So unterstützt ihr Verzehr den Organismus bei der Förderung körpereigener Abwehrmechanismen. Auch wird ihnen eine krebsvorbeugende Wirkung sowie ein Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgesagt.

Antibiotika erhöhten Sterblichkeit im Tiermodell

Amerikanische Forscher haben nun in einer Studie am Tiermodell Hinweise darauf gefunden, dass bestimmte Darmbakterien vor schweren Grippe-Infektionen schützen können, indem sie Flavonoide verstoffwechseln. Zunächst konnte gezeigt werden, dass durch eine Reduktion der Darmbakterien in Folge einer Antibiotikatherapie die Sterblichkeit der Tiere stark erhöht war. Die Wissenschaftler der Washington University School of Medicine in St. Louis wollten nun die These bestätigen, dass die Darmflora eine bestimmte Immunantwort anregt, nämlich über Typ I-Interferone. Diese sind besonders für die Abwehr von Viren wichtig.

In ersten Versuchen wies das Forscherteam nach, dass Mäuse, die durch einen genetischen Defekt mehr Typ I-Interferone bildeten, besser vor der Grippe geschützt waren. Nun versuchten sie zu zeigen, dass bestimmte Stoffwechselprodukte der Darmbakterien vor einer Grippe-Infektion schützen können, indem sie die Aktivierung von Typ I-Interferonen begünstigen.

 

Darmbakterien positiv für Krankheitsverlauf

Um dies zu bestätigen, testeten die Forscher 84 verschiedene Stoffwechselprodukte auf einen möglichen Einfluss auf die Produktion von Typ I-Interferonen. Es zeigte sich, dass elf davon die Produktion anregten, darunter Desaminotyrosin (DAT). DAT war für die Autoren von besonderer Bedeutung, da es auch von menschlichen Darmbakterien aus Flavonoiden hergestellt wird. Die Wissenschaftler testeten deshalb, ob DAT die Tiere vor einer Grippe-Infektion schützen kann.

Tatsächlich gingen sowohl die Grippesymptome als auch die Sterblichkeit zurück, wenn die Tiere sieben Tage vor der Infektion DAT erhielten. Dies galt auch für Tiere, deren Darmflora zuvor durch eine Antibiotikatherapie verringert war. Erhielten die Tiere DAT erst zwei Tage nach der Infektion, hatte dies keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Clostridium orbiscindens zeigt Schutzwirkung

Eines der Darmbakterien, das auch im Menschen Flavonoide zu DAT umsetzt, ist Clostridium orbiscindens. Weitere Versuche des Forscher-Teams zeigten, dass dieses Bakterium tatsächlich im Tiermodell vor der Grippe schützen konnte. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist allerdings noch unklar. Weitere Studien müssten daher zeigen, ob die Zufuhr von Desaminotyrosin oder eine flavonoidreiche Ernährung Menschen vor Infektionen mit dem Grippevirus schützen kann. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht.

Foto: © Sergii Mostovyi - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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