Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Schon wieder eine Hörsturztherapie ohne Nutzen

Eine durchblutungsfördernde Infusionstherapie bei Hörsturz ist ohne Nutzen, verursacht aber Nebenwirkungen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt jetzt der IGeL-Monitor. Es ist schon die dritte Hörsturztherapie mit negativer Bewertung.
Was hilft bei Hörsturz? Laut IGeL Monitor ist eine Therapie mit Pentoxifyllin oder Dextran nutzlos

Was hilft bei Hörsturz? Laut IGeL Monitor ist eine Therapie mit Pentoxifyllin oder Dextran nutzlos

Plötzlich nichts mehr hören und ein Rauschen im Ohr: Rund drei von tausend Menschen in Deutschland sind jährlich von einem Hörsturz betroffen. Das klassische Erkrankungsalter liegt bei 40 bis 54 Jahren. Weil die Folgen äußerst unangenehm sind, zahlen viele eine durchblutungsfördernde Infusionstherapie aus eigener Tasche. Experten vermuten nämlich, dass beim Hörsturz unter anderem die Durchblutung im Innenohr gestört ist. Doch Hinweise auf einen Nutzen der IGeL-Leistung gibt es nicht. Das meldet der IGeL-Monitor, nachdem alle brauchbaren Studien dazu durchgeforstet wurden. Schlimmer noch: Die Wissenschaftler des Monitors bewerten die durchblutungsfördernde Infusionstherapie sogar als negativ, weil lediglich Nebenwirkungen belegt seien.

Studien mit Pentoxifyllin und Dextran begutachtet

Schon bei der Auswahl der Studien hatten die Wissenschaftler offenbar Mühe, Brauchbares zu finden. Am Ende fanden sie zwei geeignete Studien, in denen die Wirksamkeit der Mittel Pentoxifyllin und Dextran an Patienten nach Hörsturz gegeben wurde. Aus keiner der beiden Studien ging ein Nutzen hervor, nämlich dass die Patienten anschließend besser hörten.

Pentoxifyllin ist in Deutschland für die Behandlung des Hörsturzes zwar zugelassen, aber keine Kassenleistung. Dextran ist in Deutschland für die Hörsturzbehandlung zugelassen, Ärzte können den Wirkstoff jedoch im Rahmen ihrer Therapiefreiheit einsetzen. Beide Mittel wirken auf Blutbestandteile oder die Blutgefäße ein, damit das Blut besser fließen kann. Auf das Hörvermögen nach Hörsturz scheinen sie jedoch keinen Einfluss zu haben, wie die Bewertung des IGeL-Monitors nun zeigt.  

 

Drei Hörstutzbehandlungen schaden mehr, als dass sie nutzen

Damit hat sich die Hoffnung auf eine weitere Hörsturztherapie zerschlagen. Die durchblutungsfördernde Infusionstherapie ist nun schon die dritte ärztliche Leistung, die der IGeL-Monitor zur Behandlung des Hörsturzes begutachtet hat. Zuvor waren der Einsatz von Glukokortikoiden und die hyperbare Sauerstofftherapie bereits durch Raster gefallen.

Aus Mangel an Beweisen zahlen gesetzliche Kassen grundsätzlich keine Hörsturzbehandlung. Laut MDK kommt bei jedem zweiten Betroffenen das Hören vollständig zurück, ganz ohne Therapie.

Die entsprechenden Leitlinien sind einer Hörsturzbehandlung hingegen grundsätzlich aufgeschlossen. Eine durchblutungsfördernde Infusionstherapie wird darin jedoch auch nicht empfohlen.

Foto: © kasto - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hörsturz , Hörschaden , Kortison
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hörsturz

14.07.2015

Wie es zu einem Hörsturz kommt, ist nach wie vor noch ungeklärt. Einer These zufolge könnten Entzündungen eine Rolle spielen. Daher werden Patienten oft mit Kortison behandelt. Helfen tut das nicht, zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Experten des IGeL-Monitors.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin