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Schon fast jedes zehnte Kind hat „Kreidezähne”

Freitag, 8. Januar 2021 – Autor:

Milchzähne betroffen.

 

Kreidezähne: Gelblich-bräunlich und kälteempfindlich

Hypomineralisierte Zähne sehen gelblich bis bräunlich aus und sind besonders gegenüber Kältereizen empfindlich. Im Alltag führt das bei betroffenen Kindern zu einer natürlichen Schonhaltung, die oft von Eltern nicht wahrgenommen wird. Die Kinder leiden dadurch beträchtlich. Sobald Kreidezähne festgestellt würden, müssten Prophylaxe-Maßnahmen verstärkt werden, sagt Barmer-Ärztin Marschall. Andernfalls sei das Risiko umso größer, dass die Zähne schneller porös würden und einzelne Stücke abbrächen.

Mögliche Ursachen: Antibiotika-Einnahme, Plastik, Windpocken

Aber welche Ursachen kommen für Kreidezähne infrage? Spielt die Herkunftsregion eine Rolle, der Wohlstand der Familie, mögliche Gifte in Produkten? Die genauen Ursachen für Kreidezähne sind wissenschaftlich tatsächlich noch nicht eindeutig geklärt. Krankenkassenärztin Marschall berichtet: „So kommen unter anderem Mikroplastik in Spielzeugen oder in kosmetischen Produkten, Kunststoffweichmacher wie Bisphenol A etwa in Babyprodukten, Probleme in der Schwangerschaft, die Einnahme von Antibiotika, aber auch Erkrankungen wie Windpocken in Frage.“

Deutschland: Äußerster Westen und Osten am stärksten betroffen

Die Datenauswertung der Barmer zeigt auch: Innerhalb Deutschlands gibt es massive regionale Unterschiede beim Auftreten der Kreidezähne, die allein medizinisch nicht erklärbar sind. So reichte der Anteil der Sechs- bis Neunjährigen mit einer behandlungsbedürftigen MIH im Jahr 2019 von 5,5 Prozent in Hamburg bis hin zu 10,2 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Demnach wären vor allem Heranwachsende im Westen und Nordosten Deutschlands von schwerer MIH betroffen. Bei der Betrachtung der einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte sind die potenziellen Unterschiede noch größer. Hier reichte das berechnete Auftreten von 3,3 Prozent in Memmingen im Allgäu bis hin zu 14,7 Prozent in Kaiserslautern im Pfälzerwald.

Problem „Kreidezähne“ nach Bundesländern

Anteil der Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren mit MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) im Jahr 2019 in Prozent:

  1. Nordrhein-Westfalen: 10,2
  2. Rheinland-Pfalz und Saarland: 9,3
  3. Brandenburg: 9,2
  4. Mecklenburg-Vorpommern: 8,2
  5. Thüringen: 7,8 Prozent
  6. Baden-Württemberg: 7,7
  7. Berlin: 7,6
  8. Hessen: 7,1
  9. Bayern und Niedersachsen: 7,0
  10. Sachsen-Anhalt: 6,9
  11. Bremen: 5,9
  12. Sachsen: 5,6
  13. Hamburg: 5,5

(Quelle: Barmer; für Schleswig-Holstein liegen keine Zahlen vor)

Kreidezähne: Auch wohlhabende Familien betroffen

Auf der Suche nach Erklärungen für das Auftreten von Kreidezähnen innerhalb Deutschlands konnten die Experten der Barmer keine Anhaltspunkte dafür finden, dass ein Zusammenhang besteht zwischen Kreidezähnen und der Versorgungsdichte mit Zahnarztpraxen oder deren unterschiedlicher Verteilung zwischen Stadt und Land. Die Datenauswertung ergibt weiterhin, dass auch Kinder aus wohlhabenderen Elternhäusern von diesem Substanzproblem bei Zähnen betroffen sein können. Bisher hätten Studien eher darauf hingedeutet, dass Kinder aus einkommensschwachen Schichten stärker betroffen seien, heißt es bei der Barmer.

Foto: AdobeStock/Dirk

Hauptkategorie: Medizin
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