Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
06.03.2019

Schnuller ablecken? Forscher halten das für unschädlich

Darf man den Schnuller seines Babys ablutschen? Jahrelang wurden Eltern davor gewarnt, weil dies schädliche Keime übertragen könnte. Neue Studien geben jedoch Entwarnung.
Schnuller ablecken, Schnuller ablutschen, Eltern, Baby

Bis auf wenige Ausnahmen scheint es kein Problem zu sein, wenn Eltern den Schnuller ihrer Babys ablecken

Bakterien, Karies, Allergien – all das könnte übertragen werden, wenn Eltern den Schnuller ihrer Babys ablecken. Das wurde zumindest lange Zeit behauptet. Und doch haben es die meisten Eltern mehr oder weniger heimlich getan, wenn der Schnuller beispielsweise heruntergefallen war und das Kind vehement nach dem Nuckel verlangte. Studien zeigen nun, dass das Ablutschen ungefährlich ist. Möglicherweise könnte es sogar Vorteile für das Immunsystem der Kinder haben.

Ablutschen des Schnullers könnte Immunsystem trainieren

Bereits vor einigen Jahren haben schwedische Forscher herausgefunden, dass Eltern ihre Babys mit dem Ablecken des Schnullers sogar vor Allergien und Ekzemen schützen können. Zu einem ähnlichen Ergebnis sind nun US-amerikanische Forscher aus Detroit gekommen. Sie konnten zeigen, dass Kinder, die häufiger einen abgeleckten Nuckel im Mund hatten, weniger von einem Antikörper im Blut aufwiesen, der mit der Entwicklung von Allergien und Asthma in Verbindung steht.

Für die Analyse waren 128 Mütter befragt wurden, wie sie die Schnuller ihrer Kinder reinigten. Demnach sterilisierten 30 von ihnen die Nuckel, 53 reinigten sie mit Wasser und Spülmittel, neun lutschten sie ab. Die Forscher verglichen bei den Babys zu verschiedenen Zeitpunkten die Menge an Immunglobulin E (IgE) m Blut. IgE ist ein Abwehrstoff des Immunsystems, der vor allem Parasiten abwehren soll. Zudem spielt er eine wichtige Rolle bei Allergien. Zum Studienende habe der IgE-Wert bei den Kindern mit abgelutschten Nuckeln niedriger gelegen als bei den anderen, so die Forscher.

 

Weitere Forschungen nötig

Als Einschränkung ist zu sehen, dass es sich hier nur um eine kleine Studie handelte und das nicht ausgeschlossen werden konnte, dass auch noch andere Faktoren die Studienergebnisse beeinflusst haben. „Es muss weiter geforscht werden, um den potenziellen Zusammenhang zu untersuchen“, so Studienautorin Eliane Abou-Jaoude vom Henry Ford Health System in Detroit. Auch der Sprecher des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte, Josef Kahl, blieb bei seinem Kommentar vorsichtig. „Damit lassen sich keine gesicherten Aussagen über die Wirkung auf das Immunsystem treffen“, so der Experte. Er rät Eltern, den Schnuller höchstens dann abzulutschen, wenn es keine anderen Reinigungsmöglichkeiten gibt.

Eltern, die unter einer akuten Infektion wie beispielsweise mit dem Herpesvirus infiziert sind, oder Karies haben, sollten auf das Ablutschen des Schnullers verzichten. Das Gleiche gilt in diesen Fällen für das gemeinsame Benutzen von Speiseutensilien wie Löffel oder Gabel sowie das Küssen auf den Mund. Gefährliche Viren oder Bakterien könnten so übertragen werden.

Foto: © Anastassiya - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Hygiene
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kindergesundheit

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin