. Pilotprojekt

Schnellere Hilfe bei sexueller Gewalt

Eine schnellere medizinische Behandlung für Opfer von sexualisierter Gewalt - das streben die Charité und das Landeskriminalamt Berlin mit ihrem bundesweit einmaligen Pilotprojekt an. Ab sofort werden die Betroffenen von der Polizei direkt in die Rettungsstellen der Charité gebracht. Die schnelle Hilfe dient zudem der Beweissicherung.
Schnellere Hilfe bei sexueller Gewalt

Foto: © Matthias Balzer /pixelio

 

"Wir möchten durch die Kooperation mit der Charité die Betroffenen ermutigen, sich so schnell wie möglich in geschulte Hände zu begeben", betont Peter-Michael Haeberer, Leiter des Landeskriminalamts Berlin. Spurensicherung sei nur in engem Zusammenhang mit der Tat erfolgreich. "Unsere Aufklärungsquote liegt derzeit bei 73 Prozent. Hinzu kommt, dass auf jede angezeigte Tat im Schnitt fünf Verbrechen kommen, bei denen das Opfer sich nicht an die Polizei wendet - deshalb ist der Schritt der Charité so wichtig.

Hilfe bei sexueller Gewalt in der Charité

In den drei Rettungsstellen der Charité nehmen sich rechtsmedizinisch und psychologisch speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte der Opfer an. Sie suchen besonders nach Verletzungen, die für sexuelle Gewalteinwirkung typisch sind und nehmen Abstriche, um im Labor die DNA des Täters isolieren zu können. Dazu erfolgt eine gerichtsverwertbare Dokumentation mittels eines Ärztlichen Befundsberichts für Opfer nach sexualisierter Gewalt. Die Gynäkologen, Rechtsmediziner und Pflegekräfte der Charité haben während der intensiven Vorbereitungsphase spezielles Untersuchungsmaterial als so genanntes Kit zusammengestellt, das einheitlich für alle drei Rettungsstellen der Charité bereitgehalten wird. Nach der Behandlung, die auch eine Beratung in Fragen der HIV-, Hepatitis- und Schwangerschaftsprophylaxe beinhaltet - übergeben die Charité-Mitarbeiter dem vor der Tür wartenden Polizisten sofort das Untersuchungskit mit den versiegelten Proben. Das Untersuchungskit wird in die Asservatenkammer des LKA gebracht und dient als Grundlage weiterer Ermittlungen der Polizei.

"Ein Ziel ist, später vor Gericht eine geschlossene Beweissicherungskette zu präsentieren", erklärt Hedwig Francois-Kettner, Pflegedirektorin der Charité und eine der Initiatorinnen des Projekts. "Bislang werden mutmassliche Täter trotz starker Verdachtsmomente leider häufig frei gesprochen, weil eindeutige Beweise fehlen. Ein Mensch, der miterleben muss, wie der Angreifer straflos davonkommt, wird zum zweiten Mal Opfer. Das wollen wir mit diesem Projekt verhindern." 

 
 

Weitere Nachrichten zum Thema Charité

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Ins Fitness-Studio gehen erleben viele als stressig – sich davor drücken auch. Einfache Tätigkeiten in Haus und Garten haben einer Studie zufolge oft eine entspannendere Wirkung als tapfer absolvierte Workout-Torturen.
Oxidativer Stress in unseren Zellen beschleunigt das Altern und verringert die Lebenserwartung. Zink scheint eine schützende Funktion zu haben, wenn das Spurenelement mit bestimmten Lebensmitteln zum Beispiel Schokolade kombiniert wird. Das hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt herausgefunden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.