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Schneller zum Facharzt? Warum es viel Kritik an den neuen Terminservicestellen gibt

Heute sind die neuen Terminservicestellen der KVen gestartet. Dadurch sollen Kassenpatienten nicht länger als vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten müssen. Doch das neue System hat Schwächen und es hagelt schon seit Monaten Kritik.
In vier Wochen zum Facharzttermin: Die neuen Terminservicestellen sollen das möglich machen, doch es gibt viel Kritik an dem neuen Dienst

In vier Wochen zum Facharzttermin: Die neuen Terminservicestellen sollen das möglich machen, doch es gibt viel Kritik an dem neuen Dienst

Gegen den Widerstand der Ärzte hat die Bundesregierung im Versorgungsstärkungsgesetz die Terminservicestellen durchgedrückt. Die neuen Hotlines der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sind seit heute freigeschaltet. Kassenpatienten sollen dort innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermittelt bekommen. Das funktioniert allerdings nur unter bestimmten Bedingungen und auf gar keinen Fall so, dass der Patient seinen Wunschtermin bei einem bestimmten Arzt vermittelt bekommt. Die Patienten erhalten einen Termin bei einem Facharzt, der in dem jeweiligen Zeitraum freie Termine hat. Und der kann unter Umständen ziemlich weit weg sein, und zwar bis zu 60 Kilometer, aber nicht von zu Hause sondern vom nächsten Facharzt aus gesehen. Findet die Servicestelle keinen Facharzttermin innerhalb der Vier-Wochen-Frist, kann sie den Patienten an ein Krankenhaus vermitteln.  

Weite Wege zum Facharzt

Bevor jemand zum Hörer greift, muss er sich bereits vergeblich um einen Facharzttermin bemüht haben. Außerdem muss er eine Überweisung des behandelnden Arztes vorweisen, die eine besondere Dringlichkeit bescheinigt. Routineuntersuchungen sind ebenso wie und Bagatellerkrankungen kein Grund, den Service in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls von der Regelung ausgeschlossen sind Termine bei Psychotherapeuten, Zahnärzten und Kieferorthopäden, Hausärzten sowie Kinder- und Jugendärzten.

Kritik von Ärzten und Verbraucherschützern

Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben die Terminservicestellen zwar umgesetzt, jedoch nicht weil sie davon überzeugt sind, sondern, weil sie mussten. Ihre Kritik tun sie schon seit Monaten kund. „Die Terminservicestellen sind von der Politik als eine Art „Beruhigungspille“ für ein objektiv nicht vorhandenes Problem per Gesetz beschlossen worden“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Dr. Andreas Gassen. In Deutschland gebe es vergleichsweise kurze Wartezeiten, insofern seien die Terminservicestellen vollkommen überflüssig.

Bürokratiemonster

Die Berliner KV-Vorsitzende Dr. Angelika Prehn sieht das genauso. „Die Niedergelassenen bemühen sich auch ohne Terminservicestelle schnell und unkompliziert um Termine für Patienten. Das klappt seit vielen Jahren reibungslos“, sagte sie. Ein weitaus größeres Problem sei dass Patienten zahlreiche Termine nicht einhielten. „Eine HNO-Praxis wies darauf hin, dass allein dort monatlich rund 45 Termine nicht wahrgenommen werden", erklärte Prehn. Sie kritisierte außerdem, dass mit den Terminservicestellen ein Bürokratiemonster errichtet wurde. Allein für die Kennzeichnung der dringenden Überweisungen wurden 17 Millionen Etiketten mit Überweisungscodes erzeugt und an die niedergelassenen Ärzte verschickt.

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht den neuen Service kritisch. Allein die Abklärung, ob eine Behandlung aus medizinischen Gründen erforderlich ist oder nicht, dürfte auf dem Weg zum Termin eine große Hürde darstellen“, heißt es in einer Stellungnahme der Verbraucherschützer. So sei es äußerst fraglich, ob die vorgesehenen Regelungen aufgrund der zahlreichen Einschränkungen in der Praxis wirklich weiterhelfen oder nicht doch nur ein Placebo seien.

Die Terminservicestelle in Berlin ist unter der Rufnummer 030 / 31003-383 montags bis freitags von 10.00 Uhr bis 15.00 zu erreichen

Foto: © gpointstudio - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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