. Multiple Sklerose

Schnelle Hilfe bei Depressionen durch Internet-Therapie

MS- Patienten, die zusätzlich an Depressionen leiden, können jetzt direkt von überall aus Hilfe bekommen. Möglich macht das ein Therapie-Programm, das ein interdisziplinäres Forscher-Team des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt hat.

Kommt der Patient nicht zum Arzt, kommt die online-Therapie zum Patienten.

Das Team des Hamburger UKE hat eine neue Therapie-Option gegen Depressionen bei Patienten mit Multipler Sklerose in einer ersten klinischen Studie erfolgreich evaluiert: Mit dem computergestützten Therapie-Programm „deprexix“. Die Studien-Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“ publiziert. Die Studie wurde von der EU und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Insbesondere das Risiko, eine Depression zu entwickeln, sei bei Patienten mit MS drei- bis viermal höher als in der Allgemeinbevölkerung, schreiben die Forscher im Lancet. 

Viele MS-Patienten mit Depressionen nicht behandelt, weil sie nicht mobil sind

Obwohl die hohe Depressions-Rate zu starken Beeinträchtigungen im Familien- und Arbeitsleben führen könne, würden Depressionen bei Patienten mit MS oft nicht erkannt und die Patienten deshalb nicht behandelt, da der Einsatz antidepressiver Medikamente bei MS-Patienten wegen möglicher Nebenwirkungen problembehaftet sein könne, heißt es in einer Mitteilung des Hamburger Universitätsklinikums. Zusätzlich seien viele MS-Patienten  auch in ihrer Mobilität eingeschränkt, was den Zugang zu klassischen Depressions-Behandlungen wie der ambulanten Psychotherapie weiter erschwere.

Genau hier setzen die Forscher des UKE an: Ziel der Studie sei es, Methoden der Depressionsbehandlung Patienten mit MS zugänglich zu machen, die an Depressionen leiden, denen es aber aufgrund ihrer neurologischen Symptome oft schwer fällt, eine passende Behandlung zu finden. Hierbei soll ein computergestütztes Verfahren zur so kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt werden, auf das die Patienten direkt von zuhause über das Internet zugreifen könne. Deprexis greift nach Angaben der Wissenschaftler die wesentlichen Elemente der Verhaltenstherapie auf. Es nutze dafür künstliche Intelligenz, um eine dialogähnliche Situation mit dem Patienten zu erzeugen. Durch diese Dialoge würden Patienten beim Erlernen neuer Strategien unterstützt, um depressive Denkstrukturen zu vermeiden und aktiv am Leben teilzunehmen.

Beweist sich Nutzen der Internet-Therapie, könnte sie auch für andere chronische Erkrankungen genutzt werden

Laut UKE nahmen 90 Patienten mit MS an dieser randomisierten dreimonatigen Studie teil – sie wurden entweder dem „deprexis“-Programm oder einer so genannten Warte-Gruppe zugewiesen. 71 Patienten beendeten die Studie. Am Ende der drei Monate hatten sich die Depressions-Werte (Beck-Depressions-Inventar) nach Angaben der Forscher in der „deprexis“-Gruppe (n = 35) signifikant verbessert. Die Werte der Wartegruppe blieben gleich.

Sollte sich der Nutzen von der Internet-Therapie in weiteren Studien bestätigen, erhoffen sich die Wissenschaftler, dass möglichst viele MS-Patienten darauf zugreifen können. Darüber hinaus könnte das Programm auch für andere Patienten-Gruppen mit chronisch-körperlichen Krankheiten hilfreich sein.

Foto: Fotolia - Gajus

.

Autor: Cornelia Wanke

Weitere Nachrichten zum Thema Gesundheit

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Achtsamkeitsübungen können dazu beitragen, dass Menschen mit riskantem Alkoholkonsum ihre wöchentliche Trinkmenge deutlich reduzieren. Bereits wenige Minuten Training pro Tag reichen einer Studie zufolge aus, um dem Verlangen nach Alkohol besser widerstehen zu können.
Anlässlich des internationalen Tages der Gehörlosen machen Gehörlosen-Verbände auf die Situation der bundesweit ca. 80.000 gehörlosen Menschen aufmerksam und werben zudem für das Erlernen der Gebärdensprache, um Betroffenen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.