. Schmerzen

Schmerztherapie bei Demenz oft unzureichend

Französische Forscher haben untersucht, wie viele Patienten mit einer Demenz Schmerzmittel erhalten, wenn sie Beschwerden äußern. Das Ergebnis ist erschreckend: Offenbar ist die Schmerzbehandlung demenzkranker Patienten oft unzureichend.
Schmerzen und Demenz

Schmerzen werden bei Demenzkranken oft nicht erkannt

Menschen, die an einer Demenz leiden, können sich oft nicht mehr auf dem üblichen Weg mitteilen, und wenn sie doch einmal Beschwerden äußern, werde diese nicht immer ernstgenommen. Das führt unter anderem dazu, dass demente Patienten mit Schmerzen oft nicht adäquat versorgt sind. Eine Studie aus Frankreich bestätigt dies nun. Der Untersuchung zufolge erhielten nur 66 Prozent der Demenzkranken, die Schmerzen äußerten, auch ein Mittel gegen ihre Beschwerden.

Insgesamt zeigte sich, dass das Pflegepersonal bei dementen Patienten mit schmerzmindernden Medikamenten besonders zurückhaltend war. Auch wenn andere Einflüsse wie Multimorbidität und Polypharmazie in die Berechnung einflossen, blieb das Ergebnis eindeutig. Eine deutsche Studie, die im vergangenen Jahr in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie veröffentlicht worden war, kam zu einem ähnlichen Resultat. Die Untersuchung, für die der Schmerzmitteleinsatz in deutschen Pflegeeinrichtungen untersucht worden war, kam zu dem Ergebnis, dass drei Viertel der Betroffenen unzureichend versorgt wurde.

Schmerzen bei Demenzkranken oft nicht erkannt

Ein Problem in der Behandlung von Demenzkranken ist, dass sie ihre Beschwerden oft nicht verbal äußern können. Doch es gibt andere Zeichen, die auf Schmerzen hinweisen können, wie beispielsweise Grimassenschneiden, Unruhe, Aggressivität, Stöhnen oder stereotype Bewegungsabläufe. Eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit für Schmerzen bei dementen Patienten zu ermitteln, ist die BESD-Skala („Beurteilung von Schmerzen bei Demenz“).

Mit der BESD-Skala werden fünf Zeichen ausgewertet, nämlich Atmung, Lautäußerungen, Körperhaltung, Mimik und die Reaktion auf Trost. Für jede Kategorie kann ein Wert zwischen 0 (für keine Verhaltensreaktion) und 2 (für die stärkste Verhaltensreaktion) angegeben werden. Daraus wird berechnet, die hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Betroffene Schmerzen hat.

Schmerztherapie: Umdenken des Pflegepersonals nötig

Neben der mangelnden Artikulierungsfähigkeit der Patienten sehen Experten aber auch Kommunikationsprobleme zwischen Pflegepersonal und Ärzten als mögliche Ursache für die Versorgungsdefizite. Zudem sind offenbar immer noch viele Pflegekräfte der Meinung, im Alter sei ein gewisses Maß an Schmerzen normal und gehöre einfach zum Leben dazu. Auch das Vorurteil, Menschen mit einer Demenz hätten weniger Schmerzen, ist immer noch weit verbreitet. Experten fordern ein Umdenken und raten dazu, konsequent Instrumente wie beispielsweise die BESD-Skala anzuwenden.

Foto: © Peter Maszlen - Fotolia.com

Autor:

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schmerzen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.