Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
02.09.2019

Schmerzmittel Tramadol erhöht Risiko für Hypoglykämien

Das Schmerzmittel Tramadol soll seltener Nebenwirkungen haben und ein geringeres Abhängigkeitspotential aufweisen als andere Opioide. Doch Forscher stellten jetzt fest: Es erhöht das Risiko für Hypoglykämien.
Opioid, Schmerzmittel, Schmerzen

Das Opioid Tramadol hat eine gefährliche Nebenwirkung: Hypoglykämie

Seit seiner Zulassung vor mehr als 20 Jahren hat sich Tramadol in den USA zu einem weitverbreiteten Schmerzmittel entwickelt. Es hat seltener Nebenwirkungen und weist ein geringeres Abhängigkeitspotential auf. als anderer Opioide. Dacht man bislang. Mit zunehmender Popularität von Tramadol wurden jedoch auch zunehmend Komplikationen bei den Anwendern dokumentiert.

Patienten, die Tramadol einnehmen - in Deutschland unter anderen unter dem Handelsnamen Tramal bekannt -, haben demnach ein höheres Risiko an Hypoglykämie oder abnormal niedrigem Blutzucker zu erkranken. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die Untersuchung von Forschern der Skaggs School of Pharmacy und Pharmaceutical Sciences der University of California in San Diego wurde in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Zwölf Millionen Berichte über Nebenwirkungen

Das Team unter der Leitung von Prof. Ruben Abagyan analysierte mehr als 12 Millionen Berichte aus den Datenbanken FAERS (Adverse Effect Reporting System) und AERS (Adverse Event Reporting System). In denen werden freiwillige Berichte über Nebenwirkungen erfasst, die sich während der Einnahme eines Medikaments ergeben. Der Untersuchungszeitraum reichte von Januar 2004 bis März 2019.

"Der Anstoß war der dramatische Anstieg der Popularität und Verschreibungen von Tramadol in letzter Zeit", sagte der Erstautor Dr. Tigran Makunts in einer Pressemitteilung der Universität. "Wir wollten einen objektiven, datengetriebenen Blick auf die nachteiligen Auswirkungen werfen."

 

Schmerzmittel Tramadol erhöht Risiko für Hypoglykämien

Bekannte Nebenwirkungen von Tramadol sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Verstopfung - alles häufige Nebenwirkungen von Opioiden. Schwerwiegendere, aber seltenere Nebenwirkungen sind das Serotonin-Syndrom und ein erhöhtes Anfallsrisiko.

Wie sich nun zeigte, bestand ein 10-fach höheres Risiko für eine Hypoglykämie unter Verwendung des Schmerzmittels Tramadol als bei praktisch jedem anderen Opioid. Die Forscher hatten zum Vergleich noch weitere Opioide untersucht.

Hypoglykämie kann zu schweren Komplikationen führen

Das einzige andere Medikament, das ebenfalls ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko aufweist, ist Methadon, ein Opioid, das häufig beim Drogenentzug verwendet wird. Ärzte sollten das Risiko bei der Verschreibung kennen, insbesondere wenn der Patient für Diabetes prädisponiert ist, sagt Abagyan.

Eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) kann bei der Behandlung von Diabetes auftreten, aber auch bei Personen ohne Diabetes. Eine unbehandelte Hypoglykämie kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen wie neurokognitiven Störungen, Sehverlust und einem erhöhtem Sturzrisiko.

Foto: m.rode-foto/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schmerzmittel

09.03.2016

Aus Angst vor Abhängigkeit scheuen sich viele Mediziner und Patienten vor dem Einsatz von Opioiden. Studien zeigen jedoch, dass das Suchtpotenzial der Schmerzmittel weniger groß ist als viele denken. Auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag wurde das Thema diskutiert.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin