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20.03.2017

Schmerzmittel erhöhen Herz-Risiko

Verbreitete Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen erhöhen das Risiko für einen Herz-Stillstand. Davor warnt Prof. Gunnar H. Gislason, Kardiologie am Kopenhagener Universitätsklinikum Gentofte.
Schmerztablette

Verbreitete Schmerzmittel können das Herz gefährden

Die entsprechenden Studie wurde European Heart Journal veröffentlicht wurde. Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) gehören zu den am häufigsten eingenommenen Präparaten weltweit und viele sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich (OTC). Frühere Untersuchungen hatten bereits auf ein kardiovaskuläres Risiko gedeutet.

Die aktuelle Studie untersuchte die Verbindung zwischen NSAR-Gebrauch und Herzstillstand. Alle dänischen Patienten, die zwischen 2001 und 2010 einen Herzstillstand erlitten, wurden identifiziert. Parallel dazu wurden die Daten der seit 1995 eingelösten Rezepte für NSAR in dänischen Apotheken erhoben. Dazu gehörten die nichtselektiven NSAR (Diclofenac, Naproxen, Ibuprofen) und COX-2-Hemmer wie Rofecoxib, Celecoxib. In Dänemark ist nur Ibuprofen ohne Rezept in der Apotheke erhältlich und nur in kleinen Dosen von 200 mg.

Schmerzmittel erhöhen Herz-Risiko

Insgesamt erlitten 28.947 dänische Patienten während des zehnjährigen Untersuchungszeitraums einen Herzstillstand. 3.3.76 Patienten wurden bis zu 30 Tagen vor dem Vorfall mit NSAR behandelt, 51 Prozent griffen zu Ibuprofen und 22 Prozent Diclofenac, den beiden am häufgsten verwendetene Schmerzmitteln beziehungsweise Entzündungshemmern.

Die Verwendung von NSAR erhöht war mit einem um 31 Prozent erhöhten Risiko für einen Herz-Stillstand verbunden. Diclofenac und Ibuprofen wurden mit einem um 50 Prozent beziehungsweise 31 Prozent erhöhten Risiko assoziiert. Naproxen, Celecoxib und Rofecoxib waren nicht mit dem Auftreten von Herzstillstand assoziiert.

 

Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermeiden?

"Die Ergebnisse zeigen, dass NSAR nicht harmlos sind", betonte Prof. Gislason. "Sie sollten mit Vorsicht und für eine gültige Indikation verwendet werden." Er legt nahe, sie bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren zu vermeiden.

NSAR üben zahlreiche Effekte auf das Herz-Kreislauf-System aus, die die Verbindung mit einem Herzstillstand erklären könnten. Dazu gehören die Beeinflussung der Blutplättchen und die Verursachung von Blutgerinnseln.

Nicht mehr als 1200 mg Ibuprofen am Tag

"Nehmen Sie nicht mehr als 1200 mg Ibuprofen pro Tag", fuhr er fort. Naproxen sei wahrscheinlich das sicherste NSAR, das in einer Menge von bis zu 500 mg pro Tag eigenommen werden könne. Diclofenac sei das riskanteste Präparat aus dieser Medikamentengruppe und sollte von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch Herzgesunden verrmieden werden. "Es gibt sicherere Medikamente, die ähnliche Schmerzmittel-Effekte haben, so dass es keine gibt Grund gibt, Diclofenac zu benutzen", so der Kardiologe.

NSAR sind nicht unbedenklich und sollten nur nach der Beratung eines medizinischen Fachpersonals verwendet werden. In einigen europäischen Ländern sind diese Schmerzmittel auch in Tankstellen oder Supermärkten erhältlich. In Deutschland werde in den Packungsbeilagen auf die notwendige Beschränkung von Dosis und Anwendungsdauer bei frei in Apotheken erhältlichen Präparaten stets deutlich hingewiesen, sagte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Mediziprodukte (BfArM) gegenüber der dpa. Insofern existieren in Deutschland bereits weitreichende Regelungen, um Patienten vor diesen Risiken zu schützen. 

Foto: photophonie/fotolia

Autor: bab
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