. Schmerz-Studie der Charité

Schmerzmittel bei chronischen Schmerzen so wirksam wie alternative Verfahren

Menschen mit chronischen Schmerzen nehmen oft über lange Zeit starke Schmerzmittel ein. Doch eine Behandlung ohne Medikamente hat den gleichen Effekt. Das fanden Wissenschaftler der Charité in einer umfangreichen Meta-Analyse heraus.
Schmerzmittel bei chronischen Schmerzen so wirksam wie alternative Verfahren

Charité Studie zu Chronischen Schmerzen: Physiotherapie genauso hilfreich wie starke Schmerzmittel

Schmerzmedikamente, die über einen langen Zeitraum hinweg eingenommen werden, können schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Umso bedeutsamer ist das, was Wissenschaftlern der Charité und der TU Darmstadt jetzt in einer großen Meta-Analyse herausgefunden haben: Demnach haben starke Schmerzmittel, die über einen längeren Zeitraum gegen chronische Schmerzen eingenommen werden, den gleichen Effekt wie eine nicht-medikamentöse Behandlung - ausgenommen chronische Schmerzen infolge von Tumorerkrankungen. Alternative Therapien zu Schmerzmitteln sind etwa Physiotherapie und psychologische Verfahren.

Die Wissenschaftler waren von den Ergebnissen selber überrascht

»Die Ergebnisse unserer Analyse haben uns selbst erstaunt, denn es zeigte sich, dass langfristig gesehen die schmerzlindernden Wirkungen von medikamentösen Therapieverfahren klinisch unbedeutend sind im Vergleich zu einem Placebo«, erklärt Prof. Christoph Stein, Leiter der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Charité Campus Benjamin Franklin. „Man erzielt also über einen langen Zeitraum hinweg mit starken Schmerzmitteln die gleiche Wirkung wie mit nicht-medikamentösen physiotherapeutischen und psychologischen Verfahren“, so der Schmerzspezialist der Charité.

Für ihre Meta-Analyse haben die Wissenschaftler insgesamt 3.647 Studien gesichtet und schließlich nur die randomisiert-kontrollierten Arbeiten in die weitere Analyse einbezogen. Zu guter Letzt werteten die Wissenschaftler die Daten von knapp 11.000 Patienten aus. Ziel war es, einen Überblick zu den Langzeitwirkungen der unterschiedlichen Behandlungsarten von chronischen Schmerzen zu erstellen.

 

Physiotherapie statt starker Schmerzmittel - wegen der Nebenwirkungen

Chronische Schmerzen gehören mittlerweile zu den großen Volkskrankheiten. Fast ein Viertel der Bevölkerung leidet darunter. Ursache können beispielsweise rheumatische Erkrankungen wie Arthritis, Erkrankungen des Nervensystems oder Probleme mit Rückenmuskulatur oder Wirbelsäule sein. Diese Schmerzen können mit Schmerzmitteln bis hin zu starken opioidhaltigen Medikamenten behandelt werden – oder eben auch mit Physiotherapie und psychologischen Verfahren. Häufig erhalten Schmerzpatienten eine multimodale Schmerztherapie, die die Verfahren miteinander kombiniert.

Da starke Schmerzmittel über längere Zeit Nieren und Magen-Darm-Trakt schädigen können, empfiehlt Schmerzmediziner Christoph Stein vor allem auf die Vermeidung von schädlichen Arzneimittelwirkungen zu achten. „Bei der Behandlung chronischer Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, sollte ein multidisziplinärer Ansatz, also einer, der nicht nur die medizinischen, sondern auch die psycho-sozialen und physiotherapeutischen Aspekte berücksichtigt, im Vordergrund stehen“, sagt Stein, Mitautor der Publikation „Analgesic efficacy of opioids in chronic pain - recent meta analyses, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins British Journal of Pharmacology* erschienen ist.

Foto: © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schmerzen , Rückenschmerzen , Gelenkschmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schmerzen

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Für Betroffene ist das Restless Legs Syndrom häufig eine Qual. Sie leiden nicht nur unter den unruhigen, kribbelnden und zuckenden Beinen, sondern auch unter der daraus folgenden Schlaflosigkeit. Die Deutsche Restless Legs Vereinigung gibt Tipps, wie den Beschwerden entgegengewirkt werden kann.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.