Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Schmerzen: Gefühl der Hilflosigkeit macht depressiv

Schmerzpatienten, die zum Gefühl der Hilflosigkeit neigen, sind stärker gefährdet, eine Depression zu entwickeln als diejenigen, die glauben, ihre Schmerzen kontrollieren zu können. Ärzte sollten daher auf entsprechende Anzeichen bei ihren Patienten achten.
Schmerzen und Depressionen

Schmerzen können zu Depressionen führen

Wenn Schmerzpatienten das Gefühl haben, ihren Schmerzen hilflos ausgeliefert zu sein und ihnen nichts entgegensetzen zu können, entwickelt sich häufig Angst, die das Schmerzempfinden noch verstärkt. Auf Dauer können sogar Depressionen entstehen, die wiederum das Gefühl der Hilflosigkeit sowie die Schmerzen vergrößern. Ein Teufelskreis beginnt und kann dazu beitragen, dass Schmerzen aufrechterhalten werden, selbst wenn kein physiologischer Grund mehr vorhanden ist.

Ob Schmerzpatienten depressiv werden, hängt vor allem von ihrer Einstellung ab

Wie sehr das Gefühl der Hilflosigkeit und Verzagtheit bei Schmerzpatienten die Gefahr für eine Depression und damit auch für eine Chronifizierung des Schmerzes erhöht, hat die Schmerzexpertin Janina Hülsebusch von der Ruhr-Universität Bochum in einer Studie herausgefunden, die sie beim Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC in Wien vorgestellt hat. Hierfür hatte sie mit ihrem Team 164 Patienten untersucht, die in orthopädischen Kliniken aufgrund von Rückenschmerzen in Behandlung waren. Die Wissenschaftler ermittelten dabei den Zusammenhang zwischen Schmerz und Depressivität.

Wie Hülsebusch erklärte, können länger anhaltende Schmerzen natürlich grundsätzlich zermürbend sein. Ob aber Betroffene aufgrund von akuten Schmerzen depressiv werden oder nicht, hänge im Wesentlichen von ihrer Gedankenwelt ab. „Unsere Ergebnisse zeigen: Bei Frauen, die sich hilflos und verzagt fühlen und unter schmerzbezogenen Beeinträchtigungen leiden, ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass sie sechs Monate später depressive Symptome entwickeln“, fasste Hülsebusch die Ergebnisse zusammen.

 

Achtsamkeitsübungen können helfen

Die Forscher empfehlen Ärzten daher, darauf zu achten, wie ihre Patienten auf die Schmerzzustände reagieren. „Wir müssen Betroffene frühzeitig dahingehend untersuchen, ob ihr Umgang mit Schmerz in eine Depression münden könnte, und sie bei Bedarf entsprechend begleiten“, so Hülsebusch.

Als eine Möglichkeit, mit Schmerzen besser umzugehen, hat sich Studien zufolge die Achtsamkeitsmeditation erwiesen. Mit ihrer Hilfe können Patienten lernen, Schmerzen besser zu akzeptieren und sich ihnen nicht hilflos ausgeliefert zu fühlen. Untersuchungen konnten zeigen, dass Patienten im Zustand der Achtsamkeit den Schmerz zwar spüren, ihn aber als weitaus weniger unangenehm wahrnehmen. Auch die Deutsche Schmerzgesellschaft empfiehlt Achtsamkeitsübungen bei länger anhaltenden Schmerzen.

Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schmerzen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ältere Menschen scheint die Covid-Impfung nicht vollständig vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Das zeigen wiederholte Ausbrüche in Pflegeheimen. Wissenschaftler der Charité haben nun einen Ausbruch näher untersucht – und kommen zu interessanten Ergebnissen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben mit ihrem Engagement unter Krisenbedingungen maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Zeit gekommen ist. Aber die Krise hat auch Spuren hinterlassen. Was muss sich tun, damit diese tragende Säule der Demokratie auch nach der Pandemie stark bleibt? Das diskutierten Experten und Politiker auf einer Fachtagung von Gesundheitsstadt Berlin und Paritätischem Wohlfahrtsverband.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin