Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Schmerz-Experten unterstützen Vorstoß der Drogenbeauftragten

Donnerstag, 5. März 2015 – Autor: Cornelia Wanke
Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. (dgss) unterstützt die Initiative der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, den therapeutischen Einsatz von Cannabinoiden, zu erleichtern. Das betonte die dgss in einer Pressemitteilung.

Eine Option für die Schmerztherapie: Cannabinoide!

„Allerdings bedarf es einer differenzierten Betrachtung und genauen Indikationsstellung sowie Qualitätssicherung der Therapie“, wird Prof. Dr. Michael Schäfer, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V in der Pressemitteilung zitiert. Der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden wird derzeit aktiv in der Öffentlichkeit und von unterschiedlichen Fachgesellschaften kommentiert. Die Diskussion suggeriere, dass Cannabinoide ein wirksames Schmerzmittel seien und bisher der betroffenen Mehrheit an Schmerzpatienten und –patientinnen aus regulatorischen Gründen vorenthalten wurden. „Nach derzeitigem Wissens- und Erfahrungsstand sind Cannabinoide jedoch nur bei einzelnen ausgewählten Schmerzpatienten ausreichend wirksam. In der Mehrheit der chronischen Schmerzpatienten zeigen Cannabinoide lediglich eine geringe bis mäßige Schmerzlinderung, sodass Cannabinoide anderen bisher gebräuchlichen Schmerzmitteln nicht überlegen sind“, so die Deutsche Schmerzgesellschaft.

Patienten, die Erkrankung mit spastischer Komponente haben, profitieren von Cannabinoid-Therapie

Bemerkenswert sei jedoch, dass in Einzelfällen Patienten von der Anwendung der Cannabinoide sehr stark profitieren. Dies seien Patienten, bei denen andere Medikament versagen, so der dgss-Präsident. Dies scheine insbesondere Patienten zu betreffen, deren Schmerzen eine spastische Komponente haben, wie z. B. bei der multiplen Sklerose, einer Querschnittslähmung oder Nervenverletzung. Auch Patienten mit neuropathischen Schmerzen bei HIV, bei denen erprobte Verfahren versagen, könnten in Einzelfällen eine deutliche Linderung durch Cannabinoide erfahren. 

Die vorliegenden Studien und Erfahrungsberichte zeigten deutlich, dass Cannabinoide einerseits in vielen Fällen nur sehr schwach schmerzlindernd wirksam sind, andererseits für einzelne ausgewählte Patienten durchaus hilfreich sein können. „Diesen Patienten sollte daher eine Möglichkeit eröffnet werden, nach Versagen empfohlener Therapieverfahren einen individuellen Therapieversuch zu unternehmen. Sollte dieser erfolgreich sein, sollte die Gabe eines Cannabinoids in Absprache mit dem Patienten unter Berücksichtigung seiner Begleiterkrankungen, möglicher Kontraindikationen, der Patientenpräferenzen und dem Wirkungs-Nebenwirkungsprofil der jeweiligen Substanz erwogen werden“, fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

 

Deutsche Schmerzgesellschaft fordert, Indikations-Kriterien empirisch zu untermauern

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. befürwortet daher im Einzelfall eine Behandlung mit Cannabinoiden, empfiehlt aber, die Kriterien hierfür empirisch zu untermauern. „Insbesondere sieht es die Deutsche Schmerzgesellschaft als dringend notwendig an, wie bei allen anderen schmerztherapeutischen Verfahren auch, ein solches Therapieverfahren immer im Kontext einer multimodalen Schmerztherapie und nicht als isoliertes Therapieverfahren anzuwenden“, heißt es in der Pressemitteilung. Wenn in diesem Sinne eine medizinische Indikation bestehe, sollte der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden und die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen entsprechend der Initiative der Bundesdrogenbeauftragen, Frau Marlene Mortler MdB, ermöglicht werden, schließt die dgss.

Foto: Fotolia - Coloures-pic

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Drogen

14.02.2018

Dass Kokain dem Herzen schadet und einen Herzinfarkt auslösen kann, ist schon lange bekannt. Nun ist ein Fall bekannt geworden, bei dem die Droge zu einem tödlichen Riss des Herzmuskels (Myokardruptur) geführt hat.

02.02.2017

Forscher haben herausgefunden, warum LSD-Trips so lange anhalten. Das LSD-Molekül wird von seinem Rezeptor im Gehirn quasi festgehalten und wirkt dadurch länger, als es im Blut nachweisbar ist.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin