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Schlechtes Kurzzeitgedächtnis kann Warnzeichen für spätere Demenz sein

Sonntag, 3. Juli 2022 – Autor:
Was bedeutet es, wenn mit Anfang 50 das Kurzzeitgedächtnis nachlässt? Wissenschaftler haben diesbezüglich keine gute Nachricht. Nach neuesten Erkenntnissen können Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis in diesem Alter auf einer späteren Demenz hinweisen.
Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis im mittleren Lebensalter erhöhen die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken.

Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis im mittleren Lebensalter erhöhen die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. – Foto: © Adobe Stock/Rido

Ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis im Alter gilt in der Wissenschaft als Risikofaktor für eine Demenz. Ob dies auch im mittleren Lebensalter, also ab etwa 50 Jahren, zutrifft, haben nun Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der Universität Heidelberg und dem Krebsregister des Saarlands untersucht.

Für die Analysen nutzte das Forscherteam Daten von insgesamt 6.190 Teilnehmern, die zwischen 2000 und 2002 im Alter von 50 bis 75 Jahren in die Kohortenstudie ESTHER eingeschlossen worden waren. Dabei hatten die Teilnehmer mit Hilfe eines Fragebogens Angaben zu den subjektiv wahrgenommenen Fähigkeiten des Kurz- und des Langzeitgedächtnisses (Subjectiv cognitive decline; SCD) gemacht.

Demenzrisiko verdoppelt sich

Die Auswertung zeigt, dass Probanden, die über Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis berichteten, gegenüber dem Rest der Gruppe ein bis zu doppelt so hohes Risiko hatten, später eine Demenz zu entwickeln. Dieser Zusammenhang war am deutlichsten für die vaskuläre Demenz (umgangssprachlich auch Verkalkung genannt), ergaben die Daten auch Hinweise auf spätere Alzheimer-Erkrankungen. Anders verhielt es sich bei Problemen mit dem Langzeitgedächtnis. Hier stellten die  Forscher keinen Zusammenhang mit Demenzerkrankungen fest.

„Subjektiv wahrgenommene Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis können schon bei Menschen ab einem Alter von 50 Jahren auf ein erhöhtes Risiko einer Demenz hinweisen – und das bereits viele Jahre vor der Diagnosestellung“, fasst Hermann Brenner vom DKFZ die Ergebnisse zusammen. „Unsere Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger präventiver Maßnahmen zur Vermeidung von Gefäßerkrankungen, die zumindest für einen Teil der Demenzerkrankungen mit verantwortlich sind.“

 

Depressionen erhöhen Risiko

Das Risiko für eine spätere Demenz war den Daten nach dann am höchsten, wenn zusätzlich zu den Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis Depressionen vorlagen. Depressionen sind für sich bereits ein Demenz-Risikofaktor. „Treten beide Faktoren zusammen auf, erhöht sich das Risiko der Betroffenen, später an einer Demenz zu erkranken, noch einmal deutlich“, so Brenner. „Gerade für diese Personen wären deshalb frühzeitige präventive Maßnahmen besonders wichtig.“

Die Studie “Subjective short-term memory difficulties at ages 50-75 predict dementia risk in a community-based cohort followed over 17 years” wurde soeben im Fachmagazin” Age and Aging 2022 publiziert.

Hauptkategorie: Medizin
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