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Schlaganfall-Apps ab April auf Rezept

Ab April 2020 gibt es Gesundheits-Apps auf Rezept. Dazu gehören auch Anwendungen zur Diagnose und Rehabilitation eines Schlaganfalls. Schlaganfallexperten begrüßen das.
Wenn die Qualität stimmt, können Schlaganfall-Apps durchaus sinnvoll sein, sagen Experten

Wenn die Qualität stimmt, können Schlaganfall-Apps durchaus sinnvoll sein, sagen Experten

Beim Schlaganfall zählt jede Minute. Inzwischen gibt es Apps, die die Diagnostik für jedermann erleichtern sollen. Auch für die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten wurden bereits Apps entwickelt. Bisher waren solche Anwendungen bis auf wenige Ausnahmen Privatvergnügen. Doch mit dem Gesetz zur digitalen Versorgung dürfen Ärzte ab April Gesundheits-Apps verschreiben. Voraussetzung ist, dass die Anwendungen den Qualitätsscheck durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestanden haben.

Apps ja, aber die Qualität muss stimmen

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) begrüßt grundsätzlich den Einsatz solcher digitalen Hilfsmittel. „Wenn Apps in der Schlaganfalltherapie eingesetzt werden, dann müssen sie einfach zu handhaben sein und zugleich einen hohen Nutzen haben“, sagt DSG-Sprecher Professor Wolf-Rüdiger Schäbitz. Es gebe allerdings viel Schnickschnack auf dem Markt, der keinen wirklichen Nutzen für Ärzte und Patienten habe. „Der Qualitätsscheck durch das BfArM ist deshalb sehr relevant.“

 

Schnell die Symptome richtig deuten

Schlaganfall-Apps sind seiner Ansicht nach dann gut dann, wenn sie etwa dabei unterstützen, die Symptome eines Schlaganfalls rasch zu erkennen und schnell Hilfe zu holen. So wie die App des Klinikums Osnabrück, die mit einfachen, kurzen Bildern und Erläuterungen auf die zentralen fünf Symptome eines Schlaganfalls hinweist – von Lähmungen, über Sprach- und Sehstörungen sowie Schwindel bis hin zu Kopfschmerzen. „Die App hilft bei der Interpretation der Symptome und animiert dazu, den Notarzt rasch zu alarmieren – denn schnelles Handeln ist gerade bei einem Schlaganfall sehr wichtig“, sagt Schäbitz.

App unterstützt Sprachtherapie

Eine App zur Therapie von Sprachstörungen ist aus Sicht der DSG ebenfalls empfehlenswert. Die IKK gesund plus zahlt bereits eine solche App, die die Therapie beim Logopäden ergänzen soll. Der Patient kann damit auch zuhause für ihn persönlich passende Übungen trainieren und so zusätzlich zum Besuch beim Logopäden das Verstehen, Sprechen oder Lesen üben. Die App gibt Feedback und Hilfestellung und läuft auf einem Tablet; der Logopäde passt die Übungen an den Bedarf des Patienten an. „Der Patient kann selbst noch mehr zum Therapieerfolg beitragen, weil die Übungen nicht auf den Besuch beim Logopäden beschränkt sind“, betont Schäbitz. Eigeninitiative helfe bei der Rehabilitation“

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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