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11.05.2016

Schlafstörungen: Psychotherapie statt Tabletten

Eine neue US-Leitlinie empfiehlt bei chronischen Schlafstörungen eine Psychotherapie als Behandlung erster Wahl. Die Leitlinie wurde jetzt in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht.
Frauen udn Ältere leiden häufiger unter Schlafstörungen

Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem

Entwickelt hat sie das American College of Physicians (ACP), die bedeutendste internistische Fachgesellschaft. Dafür werteten die Mediziner zwischen 2004 und 2015 erschienene Studien aus, die die Wirksamkeit verschiedenener Therapien bei Erwachsenen untersuchten.

Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem. Die Patienten bekommen nicht genug Schlaf, oder der Schlaf ist von schlechter Qualität. Sie haben Schwierigkeiten einzuschlafen, wachen nachts auf oder erwachen zu früh. Das kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und anderen Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen führen.

Schlafstörungen: Psychotherapie statt Schlaftabletten

Schlafstörungen sind häufiger bei Frauen und Älteren. Eine chronische Schlafstörung wird diagnostiziert, wenn die Symptome mindestens 3 Nächte pro Woche für mindestens 3 Monate anhalten. Die US-Mediziner geben zur Behandlung nun der kognitiven Verhaltenstherapie den Vorzug vor Schlafmitteln.

Dazu gehören eine Gesprächstherapie, die Suche nach Ursachen der Schlafsprobleme, das Erlernen von Entspannungstechniken und das Einführen bestimmter Gewohnheiten, um den Schlaf zu verbessern (Schlafhygiene). Die Therapie kann in Einzel- oder Gruppensitzungen, aber auch via Telefon oder Online durchgeführt werden. Sogar Ratgeber-Bücher sollen helfen.

 

Schlafstörungen: Schlafmittel wirkungslos oder mit Nebenwirkungen

Verschreibungspflichtige Schlafmittel – dazu zählen Benzodiazepine wie Triazolam, Estazolam, Temazepam, Flurazepam, Quazepam, Z-Drugs wie Zaleplon, Zolpidem, Eszopiclon aber auch Antidepressiva und Melatonin - sollten nur für eine kurze Zeitspanne verordnet werden, in der Regel 4 bis 5 Wochen.

Laut Studienlage ist die Wirkung der Schlafmittel nur schwach oder nicht belegt, sie können zur Abhängigkeit führen oder schwere Nebenwirkungen haben. So können sie zu Benommenheit und Schwindel führen, besonders bei älteren Menschen die Sturzgefahr und damit die Gefahr von Brüchen erhöhen, Demenz-Symptome erzeugen und die Fahrtüchtigkeit herabsetzen. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie gibt es so gut wie keine Nebenwirkungen, und ihr Effekt ist nachhaltiger.

Schlafstörungen auch als Symptom anderer Erkrankungen 

Über alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder chinesische Kräutermedizin gab es laut ACP zu wenig stichhaltige Untersuchungen, um Empfehlungen auszusprechen. Wenn die kognitive Verhaltenstherapie allein nicht hilft, dann sollten Arzt und Patient gemeinsam über die zusätzliche Gabe von Medikamenten nachdenken.

Aber auch sekundäre Ursachen von Schlafstörungen wie Depressionen, Schmerzen, vergrößerte Prostata, Suchterkrankungen und andere Schlafstörungen wie Schlafapnoe und Restless-Legs-Syndrom sollten bei der Diagnose in Betracht gezogen werden.

Foto: Gina Sanders

Foto: Gina Sanders - Fotolia

Autor: bab
Hauptkategorie: Medizin
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