. Studie

Schlafqualität im Krankenhaus meist schlecht

Schlaf ist wichtig für die Gesundheit. Daher sollte besonders in Krankenhäusern für eine gute Schlafqualität gesorgt werden. Doch die Realität sieht oft anders aus. Dabei könnten einige Maßnahmen die nächtlichen Ruhestörungen reduzieren, wie Forscher betonen.
Schlaf im Krankenhaus

Die meisten Patienten schlafen im Krankenhaus schlecht

Im Krankenhaus durchschlafen? Fast eine Unmöglichkeit für die meisten Patienten. Geräusche von Geräten, anderen Patienten, Personal oder auch Straßenverkehr stören häufig die nächtliche Ruhe. In der Folge bekommen Patienten im Krankenhaus im Durchschnitt anderthalb Stunden weniger Schlaf als zu Hause – und dieser ist auch noch unruhiger. Das haben Forscher nachgewiesen und ihre Ergebnisse im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht. Außerdem geben sie Anregungen, wie für einen besseren Schlaf der Patienten gesorgt werden könnte.

Über 2.000 Patienten befragt

Es ist bekannt, dass Patienten in Kliniken zu wenig Schlaf bekommen. Wie ausgeprägt das Problem ist, wurde bisher jedoch nicht untersucht. Eine neue Studie sollte dies nun ändern. Das Besondere an der Studie: Die Wissenschaftler benutzen die sogenannte „Flashmob“-Forschung. Dabei werden die neuen sozialen Netzwerke einbezogen, um die Forschungsinstrumente – in der Regel Fragebögen – zu verteilen. Damit können insbesondere Fragestellungen, die nicht allzu komplex sind, in relativ kurzer Zeit sowie sehr kostengünstig geklärt werden.

Für die aktuelle „Flashmob“- Studie konnte das niederländische „Onderzoeks Consortium Acute Geneeskunde“ um Prabath Nanayakkara vom VU Medisch Centrum in Amsterdam 39 Kliniken des Landes mobilisieren. Dabei wurden Fragebögen an über 2.000 Patienten verteilt. Die Studie ist nicht unbedingt repräsentativ und die Antworten der Patienten mögen manchmal den Erwartungen der Verteiler entsprochen haben. Dennoch stellen die Ergebnisse eine erste Annäherung an das Problem Schlafstörungen im Krankenhaus dar.

 

Geräusche anderer Patienten größter Störfaktor

Nach Angaben der Patienten war ihr Schlaf im Krankenhaus im Durchschnitt um 83 Minuten verkürzt. Sie wurden 3,3-mal pro Nacht geweckt und erwachten im Mittel 44 Minuten vor der von zu Hause gewohnten Aufwachzeit. 70 Prozent der Befragten machten für ihre Schlafstörungen externe Ursachen verantwortlich, über 35,8 Prozent führten die Störungen auf Aktivitäten des Krankenhauspersonals zurück.

Der größte Störfaktor waren jedoch Geräusche von anderen Patienten, gefolgt vom Lärm durch medizinische Geräusche und eigene Schmerzen. Auf der Skala des PROMIS (Subjective Sleep Disturbance Scores) beurteilten die Patienten den Schlaf in der Klinik um vier Punkte schlechter als den heimischen Schlaf (neun versus fünf Punkte).

Schlaf wichtig für den Heilungsprozess

Nach Ansicht der Studienautoren sollten die Folgen eines verkürzten und gestörten Schlafs für den Heilungsprozess nicht unterschätzt werden. Die Forscher geben auch Tipps, wie der Schlaf der Patienten gefördert werden könnten. Dazu gehören gedimmte Lichter auf den Korridoren und in den Patientenzimmern, leise Schuhsohlen des Personals sowie eine Verlegung der Alarmmelder in die Kittel des Personals. Auch die Verteilung von sogenannten „Flight packages“ mit Ohrenstöpseln und Augenmasken, wie sie viele Fluggesellschaften bei Langstreckenflügen für ihre Passagiere bereithalten, könnten demnach sinnvoll sein.

Foto: © mostockfootage - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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