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Schläfenkopfschmerzen können auf Riesenzellarteriitis hindeuten

Freitag, 10. Dezember 2021 – Autor:
Neu auftretende, meist beidseitige Schläfenkopfschmerzen und Schmerzen beim Kauen können auf eine Riesenzellarteriitis hindeuten. Die Symptome sollten rasch abgeklärt werden, denn es droht Erblindung.
Schläfenschmerzen können ein Symptom der Riesenzellarteriitis sein

– Foto: Adbe Stock/ Robert Kneschke

Neu auftretende, meist beidseitige Schläfenkopfschmerzen und Schmerzen beim Kauen können auf eine Riesenzellarteriitis hindeuten. Die Symptome sollten rasch abgeklärt werden, denn es droht Erblindung. 

Bei 20 bis 50 Prozent der Patienten träten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Sehstörungen auf, wie unscharfes Sehen, Doppelbilder oder plötzlicher Sehverlust, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Schläfenkopfschmerzen können auf Riesenzellarteriitis deuten

Die Riesenzellarteriitis zählt zu den rheumatischen Erkrankungen, bei denen das Immunsystem sich gegen körpereigene Strukturen wendet und zu Entzündungen führt. Während beim Gelenkrheuma die Gelenke schmerzhaft entzündet sind, sind bei der Riesenzellarteriitis die mittleren und großen Blutgefäße im Hals- und Schläfenbereich betroffen.

"Die Wände dieser Blutgefäße schwellen durch das Entzündungsgeschehen stark an und der Gefäßinnenraum verengt sich, was bis zum Gefäßverschluss führen kann", erläutert Prof. Wolfgang Hartung, Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach und Leiter Arbeitskreis Bewegungsorgane der DEGUM. Das führt zu dem Schläfenkopfschmerzen, die Anzeichen der Riesenzellarteriitis sein können.

 

Bleibende Schäden an den Augen drohen

Daneben sind auch die Versorgung der Kaumuskulatur und die Gefäße, die die Augen versorgen, betroffen. In vielen Fällen wird die empfindliche Augennetzhaut nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. In der Folge können schwerwiegende Schäden bis hin zur Erblindung entstehen.

"Hier muss sofort eine hochdosierte Kortisonbehandlung eingeleitet werden, um bleibende Schäden an den Augen zu verhindern", so Hartung. Um die Verdachtsdiagnose einer Riesenzellarteriitis schnell und zuverlässig zu überprüfen, sei die Ultraschalluntersuchung der Schläfenarterien nötig.

Ultraschalluntersuchung der Schläfenarterien

"Zur schnellen Diagnostik eignen sich Hochfrequenz-Ultraschallsonden", erklärt Prof. Frank Tost, Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald und Leiter der DEGUM Sektion Ophthalmologie. Falls zur zusätzlichen Absicherung der Diagnose eine Gewebeprobe entnommen werden muss, kann unter Ultraschall-Führung zudem ein geeigneter Gefäßabschnitt ausgewählt werden.

Fast ausschließlich Menschen über 50 betroffen

Die Riesenzellarteriitis tritt fast ausschließlich bei Menschen über 50 auf, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Häufig ist die Gefäßentzündung mit einer weiteren entzündlich-rheumatischen Erkrankung assoziiert, der so genannten Polymyalgia rheumatica, die mit starken Muskelschmerzen im Schulter- und Beckenbereich einhergeht, meist auch mit Abgeschlagenheit und Fieber.

"Ungefähr die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einer Riesenzellarteriitis leiden auch an einer Polymyalgie", sagt Hartung. Umgekehrt entwickelten rund 10 bis 20 Prozent der Polymyalgie-Betroffenen auch eine Riesenzellarteriitis.

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