. Hyperthyreose

Schilddrüsenüberfunktion schlägt aufs Herz

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann dem Herz auf Dauer schwere Schäden zufügen. Eine neue Studie belegt, dass diese Gefahr bereits besteht, wenn Patienten noch gar keine Beschwerden haben.
Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herzinfarkt

Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herzinfarkt

Eine soeben publizierte Meta-Analyse von zehn Studien mit mehr als 50 000 Teilnehmern hat gezeigt: Schon eine unterschwellige, oft nur im Blut erkennbare Schilddrüsenüberfunktion, eine so genannte subklinische Hyperthyreose, erhöht das Risiko für tödliche Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wie die internationale Forschergruppe Thyroid Studies Collaboration herausfand, hatten Patienten mit einer subklinischen Hyperthyreose eine um 24 Prozent erhöhte Gesamtsterblichkeit. Bei ihnen war die Rate von Herzinfarkten und deren Vorstufen um 20 Prozent erhöht. Sogar um fast 70 Prozent höher lag die Rate der Patienten mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung.

Endokrinologen plädieren für eine frühe Therapie der Schilddrüse

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hatte schon 2009 die Therapie auch dieser "latenten" oder "subklinischen" Überfunktion empfohlen und sieht ihre Empfehlung durch die Studie nun bestätigt. "Die rechtzeitige Therapie der Schilddrüsenüberfunktion kann die Patienten vor Herzinfarkt oder Schlaganfall bewahren", so DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum. Das Problem: Die Schilddrüsenhormone selbst sind im Anfangsstadium noch nicht erhöht. "Ein erniedrigter TSH-Wert ist aber schon ein wichtiger Hinweis auf eine beginnende, eine subklinische Hyperthyreose", erklärt Professor Schatz. Da die Patienten sich gesund fühlen, würden viele Ärzte auf eine Behandlung verzichten, wenn diese leichte Überfunktion zufällig bei einer Laboruntersuchung festgestellt wird.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion nimmt zuerst der TSH-Wert im Blut ab, dann wird er durch die vermehrt gebildeten Schilddrüsenhormone völlig unterdrückt. Medikamente, so genannte Thyreostatika, können die Produktion der Schilddrüsenhormone bremsen. Ältere Menschen mit einer nicht immunologisch verursachten Überfunktion müssten diese Medikamente dann dauerhaft einnehmen, so der Experte. Sie haben aber auch Nebenwirkungen.

Eine andere Option ist eine Radiojodtherapie, bei der durch die Gabe von radioaktivem Jod gezielt Schilddrüsengewebe zerstört wird. Die Radiojodtherapie muss nur einmalig durchgeführt werden und ist eine dauerhafte und nebenwirkungsarme Behandlung, deren Ergebnis jedoch nicht umkehrbar ist. 

Die Behandlung setze deshalb voraus, dass die latente Schilddrüsenüberfunktion nicht durch Immunvorgänge ausgelöst sei und somit tatsächlich den Beginn einer anhaltenden Überfunktion anzeige, betont Prof. Schatz.  Besteht ein grosser knotiger Kropf, kommt auch eine Schilddrüsenoperation in Betracht. "Vor allem bei jüngeren Patienten mit der immunologisch bedingten Basedow"schen Erkrankung kann es aber auch zu einer spontanen Erholung kommen", so Schatz. Der Therapieentscheidung für eine Radiojodtherapie sollten deshalb hier zwei Kontrolluntersuchungen in mehrwöchigem Abstand vorausgehen.

Bei jungen Menschen steckt häufig eine Autoimmunerkrankung hinter einer Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone massgeblich viele wichtige Stoffwechselvorgänge des Körpers. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter einer Überfunktion dieser schmetterlingsförmigen Drüse unterhalb des Kehlkopfes. Bei jüngeren Menschen ist die Ursache häufig eine Autoimmunerkrankung.

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