Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Schilddrüse beeinflusst Gehirnleistung stärker als gedacht

Konzentrations- und Gedächtnisschwäche: Das sind typische Symptome bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion. Warum dies so ist, haben jetzt erstmals Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. Schilddrüsenhormone fördern demnach die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns. Ein Mangel daran kann die Gehirnleistung deshalb schmälern.
Schilddrüse Graphiksimulation

Eine gesunde Schilddrüse sorgt dafür, dass im Gehirn neue Nervenzellen heranreifen – wichtig für Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit.

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse zu tun. Produziert die an der Halsvorderseite gelegene Drüse nicht ausreichend Hormone, klagen Betroffene häufig über Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche oder Störungen von Bewusstsein, Orientierungssinn und Gedächtnis. Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der University of Edinburg in Schottland sind beim Verständnis dieser Zusammenhänge jetzt einen Schritt vorangekommen. In gemeinsamen Forschungen haben sie nachweisen können, dass Schilddrüsenhormone die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns unmittelbar fördern. Die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen „hängt stark davon ab, ob im Hippocampus, unserem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen gebildet werden“, so das Fazit der Forscher.

Schilddrüsenhormone lassen neue Nervenzellen reifen

Als Teil eines Forschungsteams untersuchte Hormonspezialist Steffen Mayerl den Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen und der Bildung neuer Neuronen. Vor allem deren Vorläuferzellen, die von ansässigen Stammzellen im Hippocampus produziert werden, nahm das Team in den Blick. „Wir konnten zeigen, dass diese progenitor cells verstärkt einen Transporter bilden, der die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen vorantreibt. Dadurch werden Reifungsprozesse hin zu neuen funktionsfähigen Nervenzellen in Gang gebracht“, sagt Mayerl.

 

Hormonmangel verlangsamt Stoffwechselprozesse im gesamten Körper

Der Hormonmangel bei Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt alle Stoffwechselprozesse im Körper und verringert allgemein die Leistungsfähigkeit. Die meisten Patienten fühlen sich schwach und ermüden schnell. Teilweise machen sich schwere psychische Probleme bis hin zu Störungen von Bewusstsein, Orientierungssinn und Gedächtnis bemerkbar. Viele der Betroffenen klagen insbesondere über einen Verlust des Kurzeitgedächtnisses.

Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Auch bei Kindern kann Antriebsarmut eine Folge von Schilddrüsenunterfunktion sein. Müdigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen treten auch bei der sogenannten Hashimoto-Krankheit auf. Bei dieser Autoimmunerkrankung führt eine schleichende Selbstzerstörung der Schilddrüse unbehandelt zu einem Mangel an den Schilddrüsenhormonen Triiodthyronin und Thyroxin sowie dem Peptidhormon Calcitonin.

Foto: AdobeStock/Axel Kock

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Autoimmunerkrankungen , Schilddrüse
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schilddrüse

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Betäubungsspritzen-Stiche, Schmerzen beim Bohren, Würgereiz oder HIV-Infektion: Zwei Drittel der Deutschen haben Angst davor, zum Zahnarzt zu gehen – manche sogar so sehr, dass sie sich dadurch auf Dauer die Zähne ruinieren. Dabei gibt es eine Handvoll nichtmedikamentöse Methoden, um diese nur allzu verständliche Angst in den Griff zu bekommen.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin