Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.08.2020

Schaufensterkrankheit: Paclitaxel-beschichteter Ballonkatheter wirksam und sicher

Bei der Schaufensterkrankheit haben sich Ballonkatheter, die mit Paclitaxel beschichtet sind, gegenüber unbeschichteten Kathetern als überlegen erwiesen. Nun wurde auch die Sicherheit der Wirkstoffbeschichtung bestätigt.
PAVK, Schaufensterkrankheit

Tun die Beine nach einigen Minuten Laufen weh, kann es sich um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit handeln

Wenn verengte Beinarterien dazu führen, dass Betroffene nach wenigen Schritten stehenbleiben müssen wie bei einem Schaufensterbummel, spricht man von der sogenannten „Schaufensterkrankheit“. In der medizinischen Fachsprache heißt sie periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Wenn Medikamente und gezieltes Beintraining die Schmerzen und Einschränkungen dann nicht mehr lindern können, kommt häufig ein Ballonkatheter zu Einsatz. Dabei wird der Katheter durch die Beinschlagader zur Engstelle geführt und diese dann mit einem Ballon vorsichtig geweitet. Diese minimal-invasive Behandlung wird Angioplastie genannt.

Beschichtung soll Narbenbildung verhindern

In einer Studie haben Radiologen des Universitätsklinikums Jena die Katheterbehandlung mit beschichteten und unbeschichteten Ballons bei Gefäßverschluss am Oberschenkel verglichen. Der untersuchte Beschichtungswirkstoff Paclitaxel soll verhindern, dass sich die aufgedehnte Gefäßstelle durch Narbenbildung wieder verengt.

Gemessen wurde der Behandlungserfolg primär mit der Gehfähigkeit der Patienten und durch Ultraschalluntersuchungen der Gefäßdurchlässigkeit bei zwei Nachsorgeterminen. 171 Patientinnen und Patienten haben an der Untersuchung teilgenommen.

 

Studie bestätigt Wirksamkeit von Paclitaxel-Beschichtung

Das Ergebnis: „In der Patientengruppe, die mit beschichteten Ballonkathetern behandelt wurde, zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe auch zwei Jahre nach dem Eingriff eine bessere Gefäßdurchlässigkeit und weniger Gewebsneubildung an der ehemaligen Engstelle“, so Studienleiter Prof. Dr. Ulf Teichgräber, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum.

Im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überprüften die Studienautoren jetzt noch einmal die vollständige Studienkohorte bezüglich der Sterblichkeit. Anlass war eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Metaanalyse von Angioplastie-Studien, die vor einer langfristig erhöhten Mortalität im Zusammenhang mit Paclitaxel-beschichteten Kathetern und Stents gewarnt hatte.

Keine erhöhte Sterblichkeit durch Paclitaxel

In einer nachträglichen Überprüfung zeigte sich jedoch kein Unterschied im Überleben nach zwei Jahren zwischen Patienten, die mit einem unbeschichteten Ballon oder mit einem Paclitaxel-beschichteten Ballon behandelt wurden. Ulf Teichgräber: „Das Mortalitätsrisiko durch beschichtete Ballons erwies sich sogar als noch geringer als in den ursprünglichen Zwei-Jahres-Ergebnissen präsentiert. Damit konnten wir die Angioplastie mit Paclitaxel-beschichteten Kathetern als langfristig erfolgreiche und sichere Behandlungsmöglichkeit für die Schaufensterkrankheit bestätigen.“

Foto: Adobe Stock / Anke Thomass

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Periphere arterielle Verschlusskrankheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema PAVK

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin