Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
01.06.2017

Schädel-Hirn-Trauma: Schnelle Operation kann Leben retten

Mehr Menschen mit einem Schädel-Hirn-Trauma könnten überleben, wenn sie schnell operiert werden würden. Darauf machen Neurochirurgen aufmerksam. Entscheidend ist ein schneller Transport in die Klinik, wo umgehend ein CT gemacht werden sollte.
Unfallfolgen

Fällt ein Unfallopfer ins Koma, sollte möglichst schnell ein CT durchgeführt werden

Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine der häufigsten Todesursachen bis zum frühen Erwachsenenalter. In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 250.000 Menschen eine solche schwere Hirnverletzung. Fast 3000 von ihnen überleben das Trauma nicht. Dabei könnten viele von ihnen gerettet werden, wenn sie rechtzeitig eine Klinik erreichen würden, in der ein Gerät zur Computertomographie (CT) zur Verfügung steht und wo Neurochirurgen eine Notoperation durchführen können. Darauf haben Experten auf der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) aufmerksam gemacht.

Kompression des Hirnstamms führt zum Koma

Wie es nach einem Unfall zur Bewusstlosigkeit kommt, war lange Zeit unklar. Früher nahm die Forschung an, dass durch den Aufprall Nervenfasern zerreißen, die vom Hirnstamm zur Hirnrinde verlaufen. Die Kernspintomographie, die krankhafte Veränderungen im Gewebe darstellt, hat jedoch zu neuen Erkenntnissen geführt. Demnach löst eine Kompression oder Verletzung des Hirnstamms das Koma aus.

Die neue Erkenntnisse seien für die Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas von großer Bedeutung, betont Professor Raimund Firsching, Kongresspräsident und Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. „Wir achten heute mehr darauf, ob es im Bereich des Hirnstammes zu Einengungen kommt“, so der Experte. „In diesem Fall entscheiden wir uns frühzeitig für eine Operation, um den Hirnstamm zu entlasten.“

Entscheidend ist ein schneller Transport in die Klinik. „Zwischen dem Unfall und dem CT sollten nicht mehr als eine Stunde liegen“, fordert Firsching. „Hirnblutungen können sich schnell ausdehnen und das umliegende Hirngewebe schädigen, das im Schädel dem Druck nicht ausweichen kann.“ Bei einer Hirnschwellung versuchen die Ärzte zunächst, die Hirnschwellung mit Medikamenten zu behandeln. „Führt dies nicht zum Erfolg, sollte rasch eine Kraniektomie folgen“, so Firsching.

 

Längere Bewusstlosigkeit und höheres Alter verschlechtern Prognose

Die Operation besteht in der Ausräumung eines Blutergusses oder in einer Öffnung des Schädeldachs, um den Druck zu mindern. „Der Knochendeckel wird aufbewahrt und später, wenn sich das Gehirn erholt hat, wieder eingesetzt“, erklärt Firsching. Wie lange die Bewusstlosigkeit nach der OP anhält, können die Mediziner im Einzelfall nicht vorhersagen. Professor Firsching erklärt: „Es gibt keine Untersuchung, die vorhersagen könnte, ob ein Patient in den nächsten Stunden aufwacht oder im Koma verbleibt.“ Sicher ist jedoch, dass sich mit der Dauer des Komas die Überlebenschancen der Patienten verschlechtern. Auch das Alter der Patienten spielt eine Rolle. Jüngere Patienten haben laut Firsching größere Chancen, sich von einem Schädel-Hirn-Trauma mit längerer Bewusstlosigkeit zu erholen.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Unfallchirurgie , Chirurgie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Koma

29.08.2016

Offenbar ist es US-Forschern gelungen, einen Koma-Patienten durch Ultraschall zu „wecken“. Ob es sich aber um eine Methode handelt, die auch anderen Betroffenen helfen kann, oder um einen seltenen Glücksfall, müssen erst weitere Test beweisen.

21.06.2015

Wachkoma-Patienten verfügen häufig über – wenn auch minimales – Bewusstsein, ohne dass dies von außen erkennbar wäre. Dabei gibt es Möglichkeiten, solche Fälle zu identifizieren, doch die Diagnosemethoden werden oft nicht voll ausgeschöpft.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin