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16.01.2019

Schädel-Hirn-Trauma: Mediziner suchen weiter nach Therapien

Jedes Jahr erleiden 200.000 Menschen in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma. Es ist die häufigste Todesursache von Menschen unter 45 Jahren. Mediziner suchen weiter nach Therapien.
Gehirnerschütterung, Schädel-Hirn-Trauma, Unfall, Sturz

Mit einer Gehirnerschütterung - einem leichten Schädel-Hirn-Trauma - ist nicht zu spaßen

Jedes Jahr erleiden 200.000 Menschen in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Es ist eine der schwersten neurologischen Schädigungen und häufigste Todesursache von Menschen unter 45 Jahren. Zwei neue Krankheitsbilder beschäftigen derzeit die Neurointensiv-Mediziner, die für die Behandlung zuständig sind.

Zum einen geht es um die fortschreitende Leistungseinschränkung, die durch wiederholte kleinere Schädel-Hirn-Traumen hervorgerufen wird. Betroffen davon sind Boxer oder Footballspieler. Einzige Therapie ist bislang die Prophylaxe einer neuerlichen Verletzung. Auch bei Fußballspielern, besonders bei Kopfbällen, tritt dieses Verletzungsmuster auf, sowohl bei Profi- als auch bei Freizeitsportlern.

Schädel-Hirn-Trauma nach Sprengstoffanschlägen

Zum zweiten geht es um Verletze nach Sprengstoffanschlägen. Dabei gibt es vier Verletzungsmechanismen, erklärt Prof. Uwe Max Mauer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Dazu zählen die Druckwelle, die herumfliegenden Teile, das Aufkommen nach der Explosion und die chemische sowie die Hitzewirkung.

Umfangreiche Untersuchungen bei Opfern von Sprengstoffanschlägen haben gezeigt, dass auch ohne direkte Verletzung des Kopfes allein durch die Druckwelle der Detonation eine Veränderung im Gehirn hervorgerufen wird. Die löst ihrerseits Funktionseinschränkungen und psychische Störungen aus. Das erklärt Mauer in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI).

 

Häufigste Ursache für SHT ist ein Sturz

Häufigste Ursache für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma - auch Gehirnerschütterung genannt - ist ein Sturz. Viele Patienten sind denn auch über 65 Jahre alt. Bei ihnen tritt oft eine Einblutung im Schädel auf. Das liegt unter anderen daran, dass ältere Menschen nicht selten Blutverdünner einnehmen. Genau das macht die Behandlung kompliziert.

"Bedeutsam ist die häufig mit dem SHT verbundene oder gar zugrunde liegende Gerinnungsstörung nach Gabe von blutverdünnenden Medikamenten. Es muss geklärt werden, wie mit der - notwendigen - Blutverdünnung umgegangen werden sollte", erläutert Prof. Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Schädel-Hirn-Trauma: Mediziner suchen weiter nach Therapien

Behandlung der Wahl ist die Drainage der Hämatome. Es ist aber unklar, an welcher Stelle oder wie lange am besten zu drainieren ist, so Unterberg. Zugleich sei die Suche nach Neuroprotektiva oder Medikamenten, die nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma die lebensbedrohliche posttraumatische Hirnschwellung behandeln, aus "regulatorischen Gründen" schwieriger geworden. Auch gerade deswegen forschen die Mediziner weiter nach Therapien.

Die überwiegende Ursache von Verletzungen bei Kindern sind Stürze und Verkehrsunfälle. Jedes zweite verunfallte Kind hat ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein Viertel der SHT-Patienten ist daher unter 16 Jahren alt. Über das Krankheitsbild und bessere Behandlungsmöglichkeiten diskutieren Experten jetzt auf der  36. Jahrestagung der DGNI und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft in Berlin.

Foto: photophonie/fotolia.com

Autor: bab
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