, aktualisiert: 
. Neues Forschungsprojekt

Sauerstoffmangel unter der Geburt: Ärzte wollen Therapie für Neugeborene verbessern

Wenn Neugeborene unter der Geburt einen schweren Sauerstoffmangel erlitten haben, wird in der Regel eine Kältetherapie eingeleitet. Warum die Therapie nicht bei jedem Kind anschlägt, wollen nun Ärzte der Uni Bonn erforschen. Die Erkenntnisse sollen zu neuen Behandlungsoptionen führen.
Sauerstoffmangel unter der Geburt, Therapie

Trauma Sauerstoffmangel unter der Geburt: Jedes zweite Neugeborene trägt irreversiblen Schäden davon

Ein Sauerstoffmangel unter der Geburt ist ein dramatisches Ereignis. Bessere Chancen haben Kinder, die in einer Klinik mit Neonatologie geboren werden, wo unmittelbar eine Therapie eingeleitet werden kann. Ärzte versuchen dann, mit Kälte das Gehirn des Neugeborenen zu retten. Dabei wird mit einer Kühlmatte die Körpertemperatur auf 33 bis 34 Grad Celsius gesenkt. Die Therapie dauert 72 Stunden und kann den neurologischen Schaden reduzieren, da Kälte die Gehirnzellen schützt. Doch nur jedes zweite Kind spricht auf die Behandlung an. Die Folge sind bleibende geistige und neurologische Behinderungen in unterschiedlicher Ausprägung. Ärzte bezeichnen die Hirnschädigung als „hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE).“ Manche Kinder versterben noch im Säuglingsalter daran.

„Das Riesenproblem ist, wir können bisher in den ersten Lebensstunden nicht sagen, welches Neugeborene von der therapeutischen Kühlung profitiert und welches nicht“, sagt PD Dr. Hemmen Sabir, Oberarzt der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn.

Sauerstoffmangel plus Infektion ist worst case

Sabir und sein Team fanden in Versuchen mit Ratten heraus, dass eine zusätzliche Infektion im Rahmen der Geburt sich negativ auf den Erfolg der Kältetherapie auswirkt. „Wir gehen davon aus, dass die Kombination aus Infektion und Sauerstoffmangel zu einer nicht kontrollierbaren Entzündungsaktivierung führt, weswegen die therapeutische Kühlung ihre das Gehirn schützende Wirkung verliert“, so der Pädiater.

 

Neue Behandlungsoptionen gesucht

In einer neuen Studie wollen die Bonner Wissenschaftler nun abermals an einem Tiermodell die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und herausfinden, welche Hirnzellen besonders betroffen sind. „Auch suchen wir nach alternativen Behandlungsoptionen“, sagt Sabir.  Er hofft durch seine Forschungsarbeiten Lösungen anbieten zu können, das betroffene Neugeborene erst gar nicht Hirnschäden und damit eine schwere Behinderung erleiden.

Das Forschungsprojekt wird von der Bill & Melinda Gates-Stiftung mit 1,1 Millionen US-Dollar sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 325.000 Euro gefördert.

In Deutschland erleiden ein bis drei von 1.000 zeitgerecht geborenen Kindern einen schweren Sauerstoffmangel im Rahmen der Geburt. Dadurch werden Zellen des Gehirns geschädigt oder komplett zerstört.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Gehirn , Geburt
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sauerstoffmangel

| Eine grosse Studie mit fast 65.000 Schwangeren in Grossbritannien hat gezeigt, dass die Hausgeburt mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden ist. Auch in Deutschland endet jede zehnte Hausgeburt in einer Klinik.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Schichtarbeit, Jetlag, Alter: Störungen im Melatonin-Haushalt können zu Schlafproblemen führen und damit die Gedächtnisleistung beeinträchtigen. Nach einer Studie der Universität Louisiana enthalten Pistazien deutlich mehr Melatonin als viele andere Früchte. Außerdem: Pflanzenstoffe, die die Behandlung von Typ-2-Diabetes unterstützen können.
Viele Epilepsie-Patienten profitieren von modernen Antikonvulsiva. Doch die Medikamente helfen nicht immer in ausreichender Weise. Sinnvoll könnte dann eine Operation sein. Diese Möglichkeit wird jedoch immer noch selten angeboten - zu selten, wie einige Experten finden.
Das Robert Koch-Institut verzeichnet einen Rückgang der HIV-Neuinfektionen: 2018 haben sich demnach 100 Personen weniger mit dem Aids-Virus infiziert als im Vorjahr. Ob die HIV-Präexpositionsprophylaxe – kurz PrEP – dahintersteckt, kann noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.