Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

SARS-CoV-2: Keine Symptome = keine Immunität?

Sonntag, 21. Juni 2020 – Autor: Anne Volkmann
Medikamente, Impfstoffe oder Immunität – auf diese drei Dinge setzen Forscher die größten Hoffnungen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Was die Immunität angeht, hat eine Studie nun jedoch ernüchternde Ergebnisse gebracht.
SARS-CoV-2, Corona, COVID-19, Infektion, Immunität, Antikörper

SARS-CoV-2: Eine Immunität nach asymptomatischen Infektionen ist zweifelhaft – Foto: ©Antonio Rodriguez - stock.adobe.com

Sind Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, danach wirklich immun gegen eine erneute Infektion? Diese Frage beschäftigt Forscher seit Beginn der Corona-Pandemie. Nun hat eine Studie aus China neue Ergebnisse dazu erbracht. Demnach zeigen Personen, die sich zwar mit dem Coronavirus infiziert haben, aber kaum Symptome aufweisen, nur eine schwache Ausprägung von Antikörpern. Nach wenigen Wochen hatten einige Probanden sogar gar keine Antikörper mehr. Eine Immunität nach einer Corona-Infektion ohne Symptome ist damit zumindest fraglich. Ausgeschlossen ist sie jedoch nicht.

Asymptomatische Patienten untersucht

Für die Studie hatten Forscher um Ai-Long Huang von der Medizinischen Universität in Chongqing 37 Personen untersucht, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, ohne es zu bemerken. Die Infektionen waren bei Kontaktuntersuchungen durch einen positiven Gentest aufgefallen.

Alle Probanden fühlten sich gesund und zeigten keine bis nur geringe Symptome. Dennoch wiesen 11 von ihnen erhöhte Werte von C-reaktivem Protein auf. Weitere 11 Teilnehmer zeigten in der Computertomografie die für die Erkrankung typischen Milchglasinfiltrate – allerdings nur in wenigen Teilen der Lunge.

 

Antikörper bei asymptomatischen Verläufen schwach ausgeprägt

Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass drei bis vier Wochen nach der Infektion 30 der 37 asymptomatischen Patienten IgG-Antikörper entwickelt hatten, 29 Teilnehmer auch IgM-Antikörper. Allerdings war die Konzentration der IgG-Antikörper geringer als bei Patienten, die Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion aufwiesen. Zudem sank die Zahl der Antikörper nach der akuten Phase schneller ab. Nach einigen Wochen waren 12 der Patienten, die keine Symptome gezeigt hatten, sogar negativ auf IgG-Antikörper.

Immunität nicht ausgeschlossen

Ob das wirklich bedeutet, dass nach einer asymptomatischen Coronavirus-Infektion keine Immunität besteht, ist jedoch nicht bewiesen. Wissenschaftler um Michel Nussenzweig von der Rockefeller Universität in New York waren in einer Analyse zu einer günstigeren Einschätzung gekommen.

Die Forscher hatten 149 Patienten untersucht, die sich von einer COVID-19-Erkrankung erholt hatten und sich danach als Plasmaspender für eine Serumtherapie angeboten hatten. Dabei zeigte sich: Ein Drittel der Patienten hatten keine neutralisierenden Antikörper gebildet. Die Forscher vermuten, dass das Immunsystem bei ihnen die Infektion bereits bekämpft hat, bevor die Antikörper-Produktion aktiviert werden konnte.

Schutz auch ohne Antikörper möglich?

Dennoch fanden die Wissenschaftler bei fast allen Probanden sogenannte Gedächtniszellen, die zur Produktion von neutralisierenden Antikörpern gegen die Bindungsstellen am Spike-Protein von SARS-CoV-2 in der Lage waren. Somit könnten auch ehemalige Patienten, bei denen keine Antikörper nachweisbar sind, vor einer erneuten Infektion geschützt sein – zumindest zu einem gewissen Grad.

Foto: Adobe Stock / Antonio Rodriguez

Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Immunität nach SARS-CoV-2

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, vor allem im höheren Alter. Ein Hauptrisikofaktor ist das Geschlecht – aber das lässt sich nicht ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.


 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin