Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Sanfte Alternative zum Herzkatheter: das Live-MRT

Verdacht auf Herzschwäche? Die Herzkatheter-Untersuchung ist hier bisher das Mittel der Wahl. Doch sie ist teuer, ein invasiver Eingriff in den Körper und für den Patienten eine Strapaze. Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben ein neues Verfahren entwickelt, mit der das Herz per bildgebendem Verfahren genauso zuverlässig, aber viel sanfter untersucht werden kann: das Echtzeit-MRT.
Patientin im MRT-Gerät.

Das Echtzeit-MRT mit Fahrrad-Ergometrie gilt als ein komplett neues diagnostisches Verfahren bei Verdacht auf diastolische Herzschwäche. (MRT-Symbolbild))

Atemnot, Wassereinlagerungen und ein Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit: Die Ursache hierfür kann eine diastolische Herzschwäche sein. Das bedeutet: Die Pumpkraft des Herzens an sich bleibt wohl erhalten. Nur: Die linke Herzkammer ist steif und füllt sich nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut. Mit nicht-invasiven Methoden wie einer Ultraschalluntersuchung war diese Krankheit aber bisher schwer zu diagnostizieren, oft wurde sie erst spät erkannt. Das Mittel der Wahl bei der Untersuchung ist bisher der sogenannte Herzkatheter: Dabei wird eine Untersuchungskanüle über die Lungenarterie ins Herz geschoben und die Veränderung des Lungendrucks gemessen, während der Patienten körperlich bewegen. Das ist nötig, weil nur dann die Herzschwäche für die Mediziner messbar wird. Diese Untersuchung mit dem Herzkatheter ist zwar sehr genau, aber teuer, für die Patienten belastend und auch nicht einfach umzusetzen, da sie sich bewegen müssen, während ein Katheter in ihrem Herz liegt.

Live-Bilderserie des schlagenden Herzes

Eine Alternative zu diesem Diagnostikverfahren hat jetzt eine Forschergruppe am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie präsentiert: eine Magnetresonanztomographie (MRT) in Echtzeit. Bei der am Göttinger Campus entwickelten Methode ist auf der Untersuchungsliege eine Art Hometrainer installiert. Die Besonderheit liegt in den nicht-magnetischen Bauteilen des MRT-Ergometers, die dessen Einsatz im Magnetfeld des Magnetresonanz-Tomographen erlauben. Das Live-MRT kann das schlagende Herz mit einer zeitlichen Auflösung von 10 Millisekunden aufnehmen, also als Bildserie oder MRT-Film mit bis zu 100 Bildern pro Sekunde.

 

„Wir sehen im MRT, wie sich das Herz füllt und entleert“

Die behandelnden Ärzte können die Bilder während der Untersuchung auf einem Bildschirm verfolgen und so genau beurteilen, wie gut das Pumporgan des Patienten funktioniert. „Wir sehen im MRT, wie das Herz schlägt, wie es sich füllt und wieder entleert“, erklärt der Erstautor der Studie, Sören Backhaus von der Klinik für Kardiologie der Universitätsmedizin Göttingen.  Damit sei es möglich, die krankmachende Veränderung direkt am Herz zu messen.

Patienten fahren während der Untersuchung liegend „Fahrrad"

Weil das Herz dafür unter Kreislaufbelastung untersucht werden muss, fahren die Patienten hier liegend Fahrrad. Genau das, eine Untersuchung unter Bewegung, ist beim konventionellen MRT nicht möglich – mehr noch: Die Patienten müssen auch noch den Atem halten und stillhalten.

„Komplett neues diagnostisches Verfahren“

„Bei der Fahrrad-Ergometrie-Echtzeit-MRT handelt es sich um ein komplett neues diagnostisches Verfahren für Patienten mit diastolischer Herzschwäche“, sagt Andreas Schuster, Geschäftsführender Oberarzt am Herzzentrum Göttingen. Mit ihrer Studie haben die Wissenschaftler nach Einschätzung des DZHK bewiesen, dass diastolische Herzschwäche mithilfe der neuen nicht-invasiven Echtzeit-MRT-Technologie präzise diagnostiziert werden kann. Und: Dass sich die strapaziöse Untersuchung mit dem Herzkatheter so in Zukunft möglicherweise vermeiden lässt. Bevor das Verfahren routinemäßig in der Diagnostik eingesetzt werden kann, seien aber noch größere Studien notwendig.

Foto: AdobeStock/Kzenon

Foto: Kzenon

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Herzinsuffizienz , Radiologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzgesundheit

23.01.2021

Für Sport ist es nie zu spät. Langzeitstudien zeigen: 70-Jährige, die körperlich aktiv sind, gewinnen im Vergleich zu Bewegungsmuffeln im Schnitt vier Jahre hinzu. Selbst wer mit 70 oder 80 erst anfängt, profitiert von der medizinischen Wirkung körperlicher Aktivität.

29.12.2020

In Deutschland haben die Impfungen gegen COVID-19 begonnen – mit Vorrang für Personengruppen mit besonderem Risiko. Hierzu zählen auch viele Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ihnen rät die Deutsche Herzstiftung, unbedingt zum Impfen zu gehen. Das Risiko von Nebenwirkungen sei ungleich niedriger als Risiko, an COVID-19 zu sterben oder bleibende organische Schäden davonzutragen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Die Zahl der Patienten mit Diabetes Typ 2 explodiert. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) spricht von einer „Pandemie“ und einem „gesamtgesellschaftlichen Problem“ und fordert die Politik auf, jetzt klare Kante zu zeigen: mit Mehrwertsteuersätzen, die den Einkauf gesunder Lebensmittel belohnen und den ungesunder bestrafen; und einem Verbot von Werbung für Dickmacher – denn die hat vor allem Kinder im Visier.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin