. Fachkräftemangel in der Pflege

RWI sagt Engpässe in Pflegeheimen voraus

In deutschen Pflegeheimen droht zunehmender Fachkräftemangel. Zudem stehen zu wenig stationäre Pflegeplätze zur Verfügung. Das ist das Ergebnis des aktuellen „Pflegeheim Rating Reports 2015“ des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).
Institut sagt Engpässe in Pflegeheimen voraus

Der Fachkräftemangel in deutschen Pflegeheimen wird größer werden

Schätzungen zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 von heute 2,6 auf etwa 3,5 Millionen ansteigen. Und bereits heute gibt es einen Fachkräftemangel in der Pflege. Nun hat der „Pflegeheim Rating Report 2015“ des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), des Institutes for Health Care Business GmbH (hcb) und der Philips GmbH die Situation des deutschen Pflegemarkts untersucht. Das Ergebnis: Den meisten deutschen Pflegeheimen geht es momentan zwar wirtschaftlich gut, in den nächsten Jahren drohen aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft jedoch Engpässe bei stationären Pflegeplätzen und Pflegepersonal.

Für die aktuelle Ausgabe des alle zwei Jahre erscheinenden Reports wurden 469 Jahresabschlüsse ausgewertet, die insgesamt 2.252 Pflegeheime umfassen. Zudem berücksichtigt der Report amtliche Daten des Statistischen Bundesamts von allen rund 13.000 Pflegeheimen, 12.700 ambulanten Diensten und 2,6 Millionen Pflegebedürftigen. Dem Report zufolge befinden sich die meisten deutschen Pflegeheime heute in einer guten wirtschaftlichen Lage. Im Jahr 2013 befanden sich lediglich sieben Prozent im „roten Bereich“ mit hoher Insolvenzgefahr, 72 Prozent wiesen eine geringe Insolvenzgefahr auf.

Fachkräftemangel in der Pflege wird größer werden

Alarmierend ist jedoch, dass es voraussichtlich zu starken Engpässen beim Personal in den Pflegeheimen kommen wird. Bis 2030 ist demnach mit insgesamt bis zu 245.000 zusätzlichen Stellen in der stationären und bis zu 124.000 Stellen in der ambulanten Pflege zu rechnen. Zudem sagt der Report einen zusätzlichen Bedarf von bis zu 321.000 stationären Pflegeplätzen voraus. Auch steige die durchschnittliche Auslastung der Heime an. Und obwohl insbesondere in städtischen Regionen viele neue Pflegeplätze entstehen, müsse sich der Zuwachs an neuen Angeboten weiter erhöhen. Damit mehr privates Kapital in den Markt fließe, solle die Politik die Heimgesetze so schlank wie möglich gestalten, um entsprechende Rahmenbedingungen für private Investitionen zu schaffen, so der Ratschlag der Experten.

Auch beim Pflegepersonal gibt es Handlungsbedarf. Zwar wurden zwischen 1999 und 2013 fast 239.000 neue Arbeitsplätze in der Pflege geschaffen. Dennoch nehme der Mangel an Pflegefachkräften zu. So lag im März 2015 die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bei Pflegeheimen mehr als dreimal so hoch wie im März 2007.

Attraktivität des Pflegeberufes erhöhen

Um dem zu erwartenden Mangel an Pflegefachkräften zu begegnen, sollte in erster Linie die Attraktivität des Pflegeberufs erhöht werden, so die Autoren des Reports. Ziel sollte es sein, die Verweildauer im Pflegeberuf zu verlängern, die Vollzeitquote auszuweiten und neue Auszubildende zu gewinnen. Dazu sollten die Löhne für qualifiziertes Personal gegenüber Hilfskräften steigen. Allerdings spielen auch andere Faktoren eine wesentliche Rolle, beispielsweise weniger Bürokratie, eine gute Führungskultur, größeres gesellschaftliches Ansehen des Berufs, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Karrieremöglichkeiten. Darüber hinaus könnte die Zuwanderung qualifizierter Pflegefachkräfte den Fachkräftemangel lindern. Zudem sollte auch in der Pflege verstärkt über arbeitssparenden Technikeinsatz nachgedacht werden.

Steigen die Löhne im Pflegebereich an, wird das zunächst die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime verschlechtern. Die Autoren des Reports sind jedoch der Meinung, dass sich Heime, die dem Kostendruck durch effizientere Abläufe entgegenwirken, Wettbewerbsvorteile verschaffen können. Zudem lasse sich die betriebliche Effizienz über horizontale und vertikale Integration weiter erhöhen. Hinzu komme, dass der Pflegemarkt in Deutschland nach wie vor sehr kleinteilig ist. Die Bildung großer Verbünde zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen sei daher noch in großem Maße möglich.

Foto: © Sandor Kacso - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege

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