. Telemonitoring

Rückschlag für Telemedizin

Die Telemedizin hat einen Rückschlag erlitten. Eigentlich sollte bis Ende März 2013 geprüft werden, inwieweit telemedizinische Leistungen in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden können. Doch die Frist ist verstrichen – und nichts ist passiert.
Telemedizin

Telemedizin wird immer wichtiger

Die Telemedizin steht derzeit vor einem Dilemma. Einerseits werden Telemedizinische Lösungen gerade in Zeiten des demografischen Wandels immer wichtiger. Andererseits ist noch weitgehend unklar, wie solche Anwendungen mit den Kassen abgerechnet werden könnte. Am 31. März 2013 sollte nun eine Einigung über die Finanzierung der ambulanten Telemedizin erfolgen - so war es von der Bundesregierung im Versorgungsstrukturgesetz festgesetzt worden. Doch diese Frist haben Kassen und Ärzte verstreichen lassen.

Experten erwarten auch in nächster Zukunft keine Einigung. Uwe Deh, geschäftsführender Vorstand beim AOK Bundesverband, erklärte beim diesjährigen DGIM-Kongress in Wiesbaden: „Es gibt keine EBM-Ziffer Telemedizin, und die wird es auch in den nächsten Tagen oder Wochen nicht geben.“

Kardiologen und Pneumologen halten Telemonitoring für sinnvoll

Noch seien die Kategorien, in denen der Bewertungsausschuss diskutiere, weit von der telemedizinischen Wirklichkeit entfernt, so Deh. Es gebe auch Diskussionen, ob künftig jeder Arzt von der Kasse einen Computer oder ein Smartphone bezahlt bekommen müsste – absurd, wie Fachleute meinen. Deh erklärt dazu: „Wenn wir die Telemedizin voranbringen wollen, brauchen wir eine Dynamik, die von der Versorgungsbasis ausgeht, sonst geht es nicht.“

Schwierig ist die Situation auch deshalb, weil jüngste Studien über den Einsatz von Telemonitoring bei chronisch kranken Patienten nicht zu eindeutigen Ergebnissen gelangt sind. So haben breit angelegte Studien keine signifikante Reduzierung von Klinikeinweisungen durch Telemedizin bei Herzerkrankungen und COPD ergeben. Dennoch sind Kardiologen und Pneumologen vom Telemonitoring chronisch kranker Patienten überzeugt. Von jüngsten Fehlschlägen lässt man sich nicht entmutigen, ist aus Fachkreisen zu hören. Allerdings müssten die Patientengruppen, die vom Telemonitoring profitieren, noch genauer definiert werden. Bis zu einem geregelten Einsatz von Telemedizin, der dann auch mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann, scheint es also noch ein langer Weg zu sein.

Foto: © littlebell - Fotolia.com

 
Autor:
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Telemedizin , Krankenkassen , COPD , Herzinsuffizienz , Alter , Demografischer Wandel , Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Telemedizin

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Mit einem neuen Bluttest lässt sich die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) rascher von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden und diagnostizieren. Zudem erlaubt er eine Prognose des Krankheitsverlaufs.
Nur bei jedem vierten Patienten wird Knochenschwund frühzeitig erkannt und therapiert. Die meisten Deutschen wissen nichts oder wenig über Osteoporose, obwohl sie bereits als Volkskrankheit gilt. Dabei kann eine Therapie helfen, schicksalshafte Knochenbrüche wie Wirbel- oder Schenkelhalsfrakturen wenigstens hinauszuzögern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.